in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

25 Jahre Mauerfall

„rock through Berlin“, mit Molly Hatchet,Speiches Monokel,Bruce Springsteen Teil 1 - Musikalisch -und Historisches

25 Jahre Mauerfall, mehr als 40 Jahre Ostrock, dem muss man Anerkennung zollen, zweifelsohne! Die Rockmusik an sich gibt es natürlich schon deutlich länger, aber seit dem Mauerfall dürfen wir sie in Ost -und West gleichermaßen erleben. Bevor es jedoch soweit war schlief man jedoch keinesfalls auf der Ostseite der Grenze und hörte nur „Westradio“, ganz im Gegenteil, die Szene blühte und es gab eine Menge guter Bands die die verschiedenen Sparten bedienten. Doch dazu später mehr. Dass Ereignis im Herbst 1989 musste auf jeden Fall gebührend gefeiert werden, auch  25 Jahre später, im Jahre 2014. Und wo kann man das besser tun als in Berlin, dem Zentrum der Mauer, wo sich damals jene unglaublichen Szenen abspielten, die um die Welt gingen. Natürlich bleibt das Ganze aber rockig, denn rockfrank wäre nicht himself wenn er die Feierstunde nicht mit einem anständigen Rockkonzert dem Anlass entsprechend gebühren würde. 24 Stunden Berlin – „rock through the wall!“ Dennoch wird es auch geschichtsträchtig, schließlich feiern wir heuer ja ein historisches Ereignis. Ich versuche dabei zwischen historischen -und musikalischen Hintergründen auszubalancieren, wobei letztere natürlich vorrangig bleiben. Und so ging es am 09.12.2014 (einen Monat nach dem eigentlichen Mauerfalldatum) für mich nach Berlin um auf den Spuren bezeugter Ereignisse zu wandeln, und euch einen kleinen Eindruck davon zu vermitteln was hier einmal los war, was wir nie vergessen werden. Offizielle Feierlichkeiten fanden natürlich im Monat zuvor, also am 09.11.2014 statt, mit einem tollen Lichterfest und großem Rahmenprogramm. Jedoch sollte mein musikalischer Höhepunkt ein anderer sein, gleichfalls mitten in Berlin stattfinden; Im Kesselhaus der Kulturbrauerei. Dort stieg eine ganz besondere „Rockshow“. MOLLY HATCHET, die Südstaatenrocker aus den U.S.A. hatten sich extra zu jenem Event angesagt, und wollten zusammen mit einer waschechten "DDR Combo" die längst Kultstatus erreicht hatte, die Hütte rocken; SPEICHES MONOKEL. Wow, was für eine geile Kombination! Also kommt nun mit mir in die Hauptstadt, worauf warten wir!

 

Da das vor uns liegender Reisebericht ein recht umfangreicher ist, habe ich ihn erstmals in zwei Bestandteile gegliedert. Der erste umfasst den Tag in Berlin mit seinen Musik -und Geschichtshistorischen Zielen, der zweite befasst sich mit dem Abend des Tages, an jenem das Konzert zu Feier der Stunde stattfand. 24 Stunden Berlin sind es streng genommen nicht gewesen, aber es ist die Gesamtzeit, die ich für mein Vorhaben geraucht habe, die mich mit dem Thema beschäftigt hat. Es war 06.17 Uhr in der Frühe an jenem Dezembertag im Jahr 2014, es versprach ein kalter, aber sonniger Tag zu werden. „Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow“ wollte ich einen Bahnbeamten auf dem hiesigen Bahnsteig fragen, aber natürlich war es nur ein herkömmlicher ICE, der mich vom Hauptbahnhof in Wuppertal  `gen Osten bringen sollte. Steigt mit mir ein!

Pünktlich verließ meine Schienenlimo dann auch die Stadt an der Wupper und nahm zügig Fahrt auf. Ich machte es mir auf einen der Doppelsitze bequem, für 3 Stunden und 52 Minuten sollte die Eisenbahn nun mein Obdach sein. Kaffee und Rock `n` roll halten mich wach, vom MP3 Player ertönt das Album „Dreißig Jahre Monokel“ von Monokel. Sänger Bernd „Zuppe“ Buchholz singt „Berlin, der Moloch lockt, bei Tag und bei Nacht, hat schon so manchen umgebracht, man Berlin“. Draußen fliegen vereinzelte Lichter an meinem Abteilfenster vorbei, im Zeichen der Adventszeit erblickt man gelegentlich bunte oder blinkende Balkone oder dekorierte Fenster. Hagen, Hamm, Bielefeld, schleunig ging es voran. In Hamm wird unser ICE mit einem zweiten Zugteil gekoppelt, der über die Ruhrgebietsstrecke hierher kam, um dann vereint `gen Osten zu reisen. „Kindertraum“ hallt es durch meine Ohren. Da geht es ums fliegen, um das verwirklichen von Träumen. Fliegen will auch ich heute Abend, bei ihrem Konzert am Prenzlauer Berg. 09.11 Uhr, wir passieren die Stadt Oebisfelde, ehemalige Grenzstation zwischen West und Ost. Ein paar alte Gebäude erinnern noch an vergangene Tage, ansonsten ein herkömmlicher Bahnhof. „Willkommen in der DDR“.

 

Die DDR; Gegründet 1949, war sie eine kommunistische Diktatur die aus der sowjetischen Besatzungszone entstanden war, und 40 Jahre ihre Bevölkerung systematisch Unterdrückte. Es herrschten katastrophale wirtschaftliche Verhältnisse im Land, oppositionelle Bewegungen wurden durch die Staatssicherheit systematisch unterdrückt, „auffällige Bürger“ wurden überwacht. Nach einem Volksaufstand am 17. Juni 1953 beschloss man einige Jahre später den Bau der Berliner Mauer, die ein weiteres Abwandern der Staatsbürger verhindern sollte und sicherlich den negativen Höhepunkt der Geschichte des Landes darstellte. Am 03.10.1990 wurde die DDR zusammen mit der BRD unter dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl wiedervereint.

Nach einem trüben Tageslichterwachen hat sich die anfangs zähe Wolkendecke aufgelöst und es versprach ein ruhiger Frühwintertag zu werden. Eiskristalle zeichnen sich auf vorbeifliegenden Feldern und Wiesen ab, die Bäume sind bereits winterlich kahl. Pünktlich um 09.55 Uhr erreicht der ICE seinen ersten von drei Haltepunkten in Berlin; Spandau. Für mich hieß es nun umsteigen, von hier aus ging es mit einer S-Bahn weiter Richtung Messegelände.

Rathaus von Berlin Spandau

Ich drehe heuer einfach mal die Geschichte um, beginne meine Route durch die Stadt also im Ortsteil Westend, welcher das Areal der Berliner Messe beherbergt. Dass erstes Ziel sollte dann auch gleich ein musikhistorisches sein: Die ehemalige Deutschlandhalle. Nun gut, zumindest den Standort dieser, denn am 03.12.2011 endete die Ära jener Halle mit der Sprengung des Hallendaches und dem Neubau einer Messehalle. Die Deutschlandhalle war eine große Mehrzweckhalle, die über die Jahre diverse Veranstaltungen aus Musik, Sport, Zirkus, Fernsehen etc. beheimatete, sowie zahlreiche Rockkonzerte. Und dass seit 1935. Auf der Bühne standen hier unter anderem die Rolling Stones, Frank Zappa, AC/DC, Jimi Hendrix und Queen, um nur einige zu nennen. Das historisch bedeutendste fand jedoch am 12. November 1989 hier statt, also nur 3 Tage nach der Maueröffnung. Es war eine kurzfristige, spontane Veranstaltung dass die emotionalen Ereignisse 3 Tage zuvor zelebrieren sollte. Organisiert wurde das Event und Einsatz größtem Arrangement in Windeseile von Mitarbeitern des Senders Freies Berlin (SFB), nochmals vielen Dank dafür! Rund 50.000 Menschen kamen an diesem Tag in die Deutschlandhalle und durften nationale- und internationale Musiker auf der Bühne feiern. Darunter natürlich auch DDR Bands wie Silly oder Pankow. Von internationaler Seite gaben sich Joe Cocker und Melissa Etheridge die Ehre, außerdem waren BAP dabei, Udo Lindenberg, Heinz Rudolf Kunze und viele andere. Der Eintritt war Frei! Lasst uns also einen Blick auf den Ort werfen an dem die Deutschlandhalle so viele Jahre stand, und dann doch  politischen Entscheidungen weichen musste. Heute steht hier eine Messe/Kongresshalle die sich City Cube „schimpft“….. Vorbei an der Waldbühne und dem Olympiastadion traf ich um  10.30 Uhr an der S-Bahn Station Mess-Süd (Eichkamp) ein, von der man aus bereits die neue Messehalle erblicken konnte. Nur wenige Schritte über Straße, da stand sie nun, die City Cube. Ein großes modernes Gebäude an derselben Stelle wo einst die Deutschlandhalle beheimatet war.

So sah einst die Deutschlandhalle an gleichem Standort aus. 2011 wurde sie leider abgerissen.

Ich stöpselte erneut meinen Walkman ein, rief das Mauerfallkonzert ab (welches man mittlerweile auf CD erwerben kann), und hörte mir Songs von Joe Cocker, Udo Lindenberg und natürlich BAP an. Verträumt schaue ich gegen die große Halle und sehe vor meinem inneren Auge förmlich die glücklichen Fans aus Ost und West wie sie gemeinsam im Innern stehen und zusammen den Refrain von BAP „Verdamp lang her, verdamp lang“ singen. Udo textete den "Sonderzug nach Pankow“ um, und ein Sprecher verkündete Mitten im Konzert unter tosendem Beifall, dass der Verteidigungsminister der DDR soeben den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze aufgehoben hat! Ich kann euch die CD nur dringend ans Herz legen, sie ist ein Dokument für die Ewigkeit!

Die Berliner Deutschlandhalle wurde Im November 1935 erbaut und bereits ein Jahr später für die Olympischen Sommerspiele genutzt. Ihre Länge betrug 117 Meter und bot Platz für ca. 10.000 Besucher, bei Nutzung des Innenraums gar 16.000 Menschen. Das Dach der Halle wurde 1943 durch einen Luftangriff im zweiten Weltkrieg zerstört. Seit 1995 stand sie unter Denkmalschutz, 3 Jahre später wurde sie wegen dringend benötigter Sanierungsarbeiten zunächst abgesperrt. Seit 2001 wurden nach einem Umbau dann Eishockeyspiele in der Halle ausgetragen, 2009 wurde sie dann endgültig geschlossen.

 

Das Konzert von damals kann man wie erwähnt, seit 2014 auf CD erwerben, nachdem die Aufnahmen im Archiv des Rundfunk Berlin-Brandenburg  wiederentdeckt wurden. Hier die Setliste vom 12.11.1989  

 

Joe Cocker “With a little help frm my friends”, BAP “Verdamp lang her”, Udo Lindenberg “ Horizont”, Die Zöllner “Hör mich”, Udo Lindenberg “Sonderzug nach Pankow”, Udo Lindenberg “Wir wollen doch einfach nur zusammen sein”, Heinz Rudolf Kunze “Die offene See”, Nina Hagen “My way”, Pannach und Kunert „Der Tag an dem die Mauer fiel“, Melissa Etheridge „Testify“, Konstantine Wecker „Die weiße Rose“, Pankow „Gib mir`n Zeichen“, Silly „Alles wird besser“.

 

Gehen wir nun 3 Tage weiter zurück auf unserer Reise und beschäftigen uns mit der Maueröffnung bzw. mit dem Objekt an sich, welches am 09.11.1989 seinen Schrecken verlor. Hierfür ging es von der Messe aus erneut  per S-Bahn Richtung Mitte, um mir die Überreste eines bedeutungsschweren, historischen Beispiels der Ausbrut eines wahnwitziges Regimes zu betrachten; Stücke der noch wenig erhaltenen Berliner Mauer. Sie sind an ihren original Standorten noch an der Bernauer Straße zu finden, der Niederkirchnerstraße, sowie an der Liesenstraße, alle im Ortsteil Mitte. Viel zu viel von dem Bauwerk ist leider in Windeseile eingerissen und/oder verkauft worden. Anderseits natürlich auch verständlich, denn diesen Grenzwall wollte man seinerzeit so schnell wie möglich beseitigen. Mauerreste findet man heut zu Tage vor allem inde U.S.A., aber auch in vielen anderen Teilen der Welt. „Leider“ natürlich nur in dem Sinne, dass nachfolgende Generationen nur noch in Büchern sehen können, welch schlimme Demarkationslinie hier einmal die Stadt, dass ganze Land teilte. Dabei merkten die SED Führung Namens Ulbricht oder Honecker gar nicht dass sie sich eigentlich selber in einer Peripherie befanden, abgegrenzt wurden von allen DDR Bürger. Abgesehen von den wenigen erwähnten originalen Teilstücken ist nur noch symbolisches übriggeblieben, in Form von im Boden eingelassenen Steinen, die den Mauerverlauf symbolisieren sollen. Ein 200 Meter langes original Mauerstück suchte ich an jenem kalten Wintertag an der Niederkirchnerstraße, hierzu nun ein paar Eindrücke.

Bezeichnend; Blick durch die Berliner Mauer auf ein gegenüberliegendes Gebäude mit Kameraüberwachung an einem Gemäuer
Ost -und West Blick zwischen der Mauer

Die Berliner Mauer wurde 1961 errichtet und in die innerdeutsche Grenze integriert, welche bereits fast 10 Jahre zuvor „befestigt“ wurde. 28 Jahre teilte sie nun die Metropole Berlin, rund 170 KM lang zog sie sich durch die Hauptstadt. Im Sprachgebrauch des DDR Regimes wurde sie „Antifasistischer Schutzwall“ genannt.

 

Unglaublich welch schmerzliche Erfahrungen die Bürger auf beiden Seiten der Grenzlinie damals erfahren mussten. Ganz zu schweigen von den vielen Menschen, die beim Versuch die Begrenzung zu überwinden, ihr Leben lassen mussten. Die Erlösung kam in der Nacht vom 09. auf den 10.11.1989, also vor nunmehr über 25 Jahren, als die Barriere ihre Existenzberechtigung, die sie nie hatte, verlor. Ausgelöst von Günter Schabowski, der am Abend eine Nachricht auf einem Zettel verlas dass die Reiseregelung für DDR Bürger mit Gesuch in den Westen gelockert werden sollte, verbreitete sich jene Information  rasend schnell, und es gab noch in der gleichen Nacht einen waren Ansturm auf die Grenze, denn die Regelung sollte angeblich ab sofort gelten. Der Rest ist Geschichte. Ich selbst verfolgte wie viele von euch jenes Ereignis am heimischen Fernseher, fassungslos, dankbar und glücklich. Von diesem Zeitpunkt ging es nicht nur innerdeutsch bergauf, auch musikalisch öffneten sich Grenzen. Die Phudys sind wohl die bekanntesten Vertreter jener Ära, und bis heuer erfolgreich. Wir bleiben aber hier im „Kleinen“, und beschäftigen uns etwas intensiver mit Speiches Monokel, die zusammen mit Molly Hatchet dass heutige Programm bestreiten, außerdem mit allgemeinen musikalischen Ereignissen die im Zusammenhang mit der DDR stehen. Dazu später mehr.

 

Fußläufig ging es für mich weiter über die Stresemannstraße und Elbertstraße weiter bis zum Pariser Platz, Standort des Brandenburger Tors. Jenes Bauwerk war die letzte Bastion und „Heiligtum“, das Wahrzeichen der DDR, unantastbar. Hier wollte man die alte Ordnung um jeden Preis aufrecht erhalten. Es wurde bis zuletzt "verteidigt" und erst am 22.12.1989 offiziell eröffnet. Es war die Stunde der größten Schlappe der Grenzsoldaten, in der sie sich ob ihrer Gewaltlosigkeit doch auszeichneten. Unvergessen die Fernsehbilder der weinenden, klagenden Frau am 09.11.1989, die gegen einen regungslosen Grenzsoldaten anschrie, ihn anflehte doch einmal durch das Brandenburger Tor gehen zu dürfen. Dieses beachtliche Bauwerk hat schon viel Geschichte erlebt und geschrieben. Hier ein paar Impressionen meiner Sichtweisen jener Baulichkeit.

Hier mag ungefähr die Stelle gewesen sein wo die verzweifelte Frau gegen den Grenzsoldaten anschrie

Das Brandenburger Tor wurde 1791 von Carl Gotthard Langhals erbaut, nachdem der preußische König dieses zuvor anwies. Lange Zeit diente es als Symbol des kalten Krieges und erblüht seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 als das Wahrzeichen dieser. Es bezeichnete die Grenze zwischen Ost- und Westberlin und war Augapfel der DDR. Das Bauwerk ist 65,5 Meter breit und 26 Meter hoch. Der Streitwagen (Quadriga) auf dem Tor, mit dem Viergespann und der Siegengöttin Viktoria, steht  `gen Osten.

 

Die letzte Station meiner Reise durch die Stadt ging in der Geschichte dann nochmal über ein Jahr nach dem Mauerfall zurück, in den Juli des Jahres 1988, zum Sportgelände von Berlin Weißensee, ehemalig die Radrennbahn. Nun kommt der Rock `n` roll zurück ins Spiel! Es war der 19.07.88, als einer der größten westlichen Rockstars genau hier ein wahrscheinlich wegweisendes Konzert gab; Bruce Springsteen. Wegweisend deshalb weil er den Mut besaß ein paar Worte gegen das System an sein Publikum zu richten (wenn auch „verkleidet“), Mitten in Zeiten aufkommenden Widerstandes, in einer Phase beginnender Umbruchs. Und dass nicht, wie einst Präsident Kennedy oder Reagan auf West-Berliner Boden, sondern im Ostteil der Stadt! Er sagt: „ Es ist schön, in Ost-Berlin zu sein. Ich bin nicht für oder gegen irgendeine Regierung. Ich bin gekommen, um Rock `n` roll zu spielen; in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren eingerissen werden“. Passend dazu sang er damals auch den Bob Dylan Klassiker „Chims of freedom“, also „Geläut der Freiheit“! Es war auch eine Reaktion auf das dreiste Verhalten des DDR Regime ihn als politisches Werkzeug zu benutzen, in dem man auf die Eintrittskarten druckte: Konzert für Nikaragua. Weiß man um die damals politischen Umstände des Südamerikanischen Landes, ist Springsteens Empörung mehr als nachzuempfinden. Er wurde durch diese Aktion gegen sein eigenes Land gehetzt, man wollte ihn für den Sozialismus gewinnen. Dass Bruce Springsteen aber überhaupt in Ost-Berlin auftreten durfte sprach wiederum dafür dass sich die DDR Führung ihre Gedanke ob der wachsenden Unzufriedenheit unter den Jugendlichen, der gesamten Bevölkerung machte. Während sich Dank Gorbatschows Initiative in östlichen Nachbarländern bereits ein kultureller Wandel abzeichnete, passierte in der DDR reichlich wenig. Dass alles passierte in den Jahren 1987 und 1988 und gipfelte im Springsteen Konzert in Weißensee. Diesen Ort musste ich unbedingt sehen. Per Bahn und Bus ging es dafür zur Haltestelle Rennbahnstr./Gustav-Adolf-Str. in Berlin Weißensee. Das Areal lag unmittelbar am Haltepunkt des Omnibusses. Was ich nun erlebte war himmelschreiend für mich, denn ich hatte kurz darauf eine außergewöhnliche Begegnung.

Die Radrennbahn wurde in den 1990`er Jahren abgerissen, an ihrer Stelle befindet sich heut zu Tage ein Fußballfeld und eine Leichtathletikbahn. Natürlich hielt ich jedoch Ausschau nach „Überbleibseln“, und wurde prompt fündig. Der ehemalige Eingangsbereich des Terrains war noch gut erhalten und befand sich hinter einer Absperrung.

Der Raum dazwischen wurde gerade für einen Weihnachtsbaumverkauf genutzt, und somit war das Gelände für mich zugänglich. Nach betreten fragte mich ein Mitarbeiter ob er mir helfen könne worauf ich erwiderte dass ich nur ein paar Fotos vom alten Eingang machen möchte. Ein paar Schritte weiter begegnete mir ein weiterer Mitarbeiter des Baumverkaufs, und er war meine außergewöhnliche Begegnung; Seinem fragenden Blick entgegnete ich die gleiche Antwort wie kurz zuvor und fügte hinzu dass Bruce Springsteen hier 1988 einmal ein Konzert gegeben hat. Seine Gegenbemerkung war folgende: „Da wollte ick och hin. Mich hamse nicht rinjelassen “. Paff, ich hatte einen Zeitzeugen getroffen, unglaublich! Nun wollte ich mehr. Ich sagte ungläubig: „Sie wollten zum Bruce Springsteen Konzert?“ In der Aufregung weiß ich nicht mehr ob ich ihn danach fragte ob er im Besitz einer Eintrittkarte war, aber seinen weiteren Worte zur Folge war dass im Grunde egal, denn man sortierte am Eingang aus! Es wurde also durchaus nicht jeder auf das Gelände gelassen, Ticket hin -oder her. Dem gegenüber stelle ich nun Aussagen und Schilderungen aus dem Buch von Erik Kirschbaum „Rocking the wall“, dass Absperrungen einfach umgerannt wurden und die Leute problemlos auf das Gelände stürmten. Ich kann daraus eigentlich nur folgern (leider habe ich mich nicht lange genug mit erwähntem Mitarbeiter unterhalten können, und auch nicht nach seinem Namen gefragt), dass der Mann schon frühzeitig am Veranstaltungsort war, als Stasi und FDJ noch einen Überblick über die Situation hatten, also Zeit zum „sortieren“…… Ich denke je später es zum Nachmittag/Abend hin wurde, umso chaotischer wurde das Geschehen, weil immer mehr Menschen Richtung Radrennbahn strömten. 20 Ost-Mark kostete damals übrigens ein Ticket, 160.000 wurden offiziell davon verkauft. Es kamen aber wohl weit mehr Leute zur Radrennbahn, da diese nicht eingezäunt war, man folglich von allen Seiten Zugang hatte. Von 200.000 - 300.000 Menschen ist die Rede. Ich bedankte mich freundlich für seine Informationen und er ließ mich durch dass eiserne Gitter ins innere des Gefilde, direkt zum Sportplatz. Und so sieht es heuer dort aus. Danke noch einmal für die kurze Konversation, sollte betreffende Person diese Zeilen hier lesen.

Der Auftritt Springsteens war phänomenal. Rund 4 Stunden begeisterte er die Massen, man vergaß Pflicht und Rechtsstaat und feierte einfach nur eine Rock `n` roll Party mit einem der größten seiner Zeit. Und Springsteen übermittelte seinen Ostrockfans heimliche Botschaften. So begann er sein Set mit „Badlands“, einem Song über die Unzufriedenheit in einer amerikanischen Provinzstadt, dichtete heimlich eine Textpassage um, und spielte „Crimes of Freedom“ von Bob Dylan. Man musste es nur verstehen. Höhepunkt aber war seine kurze, oben erwähnte Ansprache (auf Deutsch!!!) an sein Publikum, in der er aussprach was alle dachten! Zensiert wurde das Konzert auch fast zeitgleich im DDR Fernsehen ausgestrahlt, selbstverständlich ohne Springsteens Äußerung über die bestehende Barriere…. Zu bewundern gibt es das Happening heuer noch auf DVD, allerdings nicht offiziell, man muss schon im Netz gezielt danach suchen. Genau jene Scheibe befindet sich natürlich in meinem Besitz, und ich gönnte mir im Vorfeld meiner Reise 3 Stunden Bruce Springsteen live in Ost-Berlin noch mal in der heimischen Stube. Ich möchte gleich ehrlich sein, es waren 3 emotionale Stunden. Nicht selten war ich den Tränen nahe, fühlte um empfand mit den Menschen im Publikum, war gerührt von ihren ungläubigen Gesichtern und beeindruckt von ihren Willen, der aus denselben sprach. Keiner der vielen tausend Besucher verließ auch nur eine Minute vor Ende den Ort der Geschehen. In den hinteren Reihen wurden Ferngläser ausgepackt, man saß in Bäumen oder schwenkte U.S.A. Flaggen, es war unglaublich. Die Bilder vom Polizeihubschrauber aus erinnerten ohne Übertreibung an Woodstock! Ein gigantische Menschenmasse; Erregt, entschlossen und für 3 Stunden eine Einheit. Und Bruce teilte die Begeisterung, war nicht weniger gerührt als seine Fans. Auf Deutsch bedankte er sich dann auch bei allen angereisten, war sichtlich bewegt.

 

Letztendlich las ich in dem Buch von Erik Kirschbaum „Rocking the wall“, welches sich mit dem Springsteen Konzert in Ost-Berlin befasst, eine interessante Schlussfolgerung. Sie hat mich sehr bewegt und spiegelt all das wieder, was sich in jenen Jahren tangierte. Sinngemäß steht dort folgendes: Es war die wohl größte Ansammlung von Menschenmassen seit bestehen der DDR. Absperrgitter wurden rund um das Stadion überrannt, als es keine Tickets mehr gab und man trotzdem versucht hatte auf das Gelände zu kommen. Für alle Besucher war jenes eine ungewohnte Erfahrung in der ansonsten so geordneten DDR. Das ganze Konzert war ein Wendepunkt in ihrem Leben. Diese Dynamik die sich unter den Menschen entwickelte, das Ziel unbedingt dabei zu sein, die Gemeinschaft die sich aus den tausenden von Leuten bildete, ein gemeinsames Ziel erreichen, dass alles hatte eine wichtige Essenz: „Hey, wir sind tatsächlich eine Macht, vielleicht können wir noch mehr erreichen!“ Das war für mich ein entscheidender Kerngedanke. Letztendlich kam Bruce Springsteen zum genau richtigen Zeitpunkt in die DDR. Es war eine beginnende Phase des Umbruchs, etwas bewegte sich, man lies sich nicht mehr alles gefallen. Das Regime wollte ein Ventil schaffen, einen westlichen Weltstar ins Land holen um die Menschen ruhig zu halten, ihnen einen Hauch von Freiheit vermitteln. Genau das Gegenteil ist eingetroffen; Nachdem man lauthals „Born in the U.S.A.“ mitsang, selbst genähte USA Fahnen schwenkte (mitten in der DDR, man stelle sich das mal vor), war der Drang nach Freiheit noch viel größer geworden, nun wollte man mehr. Der Schuss ging für die Machthaber nach hinten los!! Der Rest ist Geschichte!

So sah es am 19.07.1988 hier aus - unglaublich !

Die Radrennbahn Weißensee wurde 1954-55 erbaut und eignete sich für rund 9000 Zuschauer. Sie befand sich auf dem Gelände er ehemaligen Pferderennbahn der Stadt und war ein weitläufiges Areal. Bis zum Ende der 1990`er Jahre hatte die Radrennbahn bestand, wurde dann aber abgerissen. Gegenwärtig befinden sich an ihrem Platz ein Fußballplatz sowie eine Leichtathletikbahn.

 

Und hier noch die setlist des damaligen Großereignisses:

 

Badlands, Out in the street, Boom boom, Adam raised a cain, All that heaven will allow, The river, Cover me, Brilliant disguise, The promised land, Spare parts, War, Born in the USA, Chimes of freedom, Paradise by the C, She`s the one, You can look (but you better not touch), I`m a coward. I`m on fire, Downbound train, Because the night , Dancing in the dark, Light of day, Born to run, Hungry heart, Glory days, Can`t help falling in love, Bobby Jean, Cadillac ranch, 10th avenue freeze-out, Sweet soul music, Twist and shout / Having a party

 

Herrje, dass war ein tolles Erlebnis, einen Zeitzeugen getroffen zu haben. Auch wenn es für ihn selber seinerzeit  weniger schön war, vor dem Eingang abgewiesen zu werden, ohne Chance an jenem Event teilzunehmen… Gerne hätte ich mich länger mit ihm unterhalten, mehr Informationen erhalten, doch beim Weihnachtsbaumverkauf herrschte reger Betrieb. Ich gönnte mir nschließend eine Flasche thüringisches Bockbier an einer typischen Imbissbude mitten in Weißensee. Als ich zurück am Bahnhof eintraf (es ging gerade mal auf 15 Uhr zu), zeigten sich bereits zeichen anstehender Dämmerung. Die Tage sind kurz im Dezember......

Blick vom Bahnsteig in Pankow `gen Dämmerung

An dieser Stelle endet zunächst der erste Teil meines Berichtes aus Berlin, denn die Musik- und geschichtshistorischen Gesichtspunkte meines Vorhabens habe ich euch hiermit nahe gebracht, ich hoffe ihr habt etwas positives für Euch darin gefunden, ein wenig mit mir in Erinnerungen geschwelgt. Gleichzeitig ist  er aber auch ein Wachruf, nie zu vergessen was in jenen Tagen passiert ist. Die Bürger der DDR lebten zwar nicht zwangsläufig in Armut oder Leid, jedoch wurden elementare Dinge wie Freiheit und Meinungsäußerung stark eingeschränkt oder verboten. Das ist unakzeptabel und darf sich in unserm Land nie wiederholen!

 

 Für mich ging es anschließend in den Bezirk Prenzlauer Berg, um eingangs erwähntes Rockkonzert zu besuchen; Speiches Monokel meets Molly Hatchet, rock the wall !!!! Hier geht es zum 2. Teil, rock on ! http://www.rockfrank.com/konzerte/speiches-monokel-meets-molly-hatchet-09-12-2014-berlin/

rockfrank

Bruce Springsteen - Rocking the wall, von Erik Kirschbaum

Merkel is a funny old thing.

Pete Townshend

Musik heilt.

Sarah Smith

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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© Frank Klitzing