in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

                 Beth Hart - Live at Cologne

 

Beth Hart lässt die Live Music Hall in Köln erschüttern

 

Soulrock in Perfektion

Tiefgründige Balladen mit souligen Anleihen, eine durch dringliche, atemberaubende Stimme und rockgetränkte Arrangements vom Feinsten, das alles verbinde ich mit dem Namen Beth Hart, der US-amerikanischen Singer/Songwriterin aus Los Angeles , die auch schon die Rolle von Janis Joplin in dem Musical „Love, Janis“ übernahm. Angesichts ihrer authentischen Stimme eine logische Konsequenz. Wenn sie nur „I`d rather go blind“ von der großen Etta James anstimmt, läuft es dir kalt den Rücken runter. Beth Hart ist eine stimmliche Naturgewalt, das steht außer Frage. Zuletzt nahm sie die beiden Alben „Don`t explain“ und „Seesaw“ zusammen mit Ausnahmegitarrist Joe Bonamassa auf, auf welchen sie zusammen traditionelle Bluessongs neu aufleben ließen. Angesichts ihrer Musik und ihres Organs war die Vorfreude entsprechend groß als ich die Ankündigung las, dass diese Ausnahmekünstlerin ein Konzert in meiner Heimatstadt gibt. Am 09.12.2013, der Herbst ging kalendarisch nun langsam in den Winter über, war es dann endlich soweit. Die Live Music Hall in der Domstadt bot die perfekte Location für jene Veranstaltung. Viele geile Acts haben hier schon schweißtreibende Arbeitsnachweise abgeliefert, zuletzt sah ich hier niemand geringeren als Warren Haynes, im Rahmen seiner Solo-Tour 2011.

Die 1972 in Kalifornien geborene Sängerin hat es nicht immer leicht gehabt im Leben. Schuld daran war ihre Drogensucht unter der sie schwer zu leiden hatte, sowie exzessiver  Alkoholgenuss. Ihre Erfahrungen und Ängste aus dieser Zeit hat sie auf dem Album „Leave the light on“ und später noch auf „My California“ verarbeitet, auf jenem sie auch einen Song für ihre an einer Überdosis Heroin verstorbenen Schwester schrieb. Die Eigentherapie die sie durch diese Songs praktizierte, ist beispiellos. Die Stücke haben eine unglaubliche Tiefe, Melancholie, aber auch Hoffnungsschimmer, man leidet förmlich mit ihr. Einige dieser Songs heute zu hören wäre ein Wohlwollen für mich.

 

Um eines aber vorweg zu nehmen; Das Konzert an jenem milden Dezemberabend war so ziemlich dass Beste was ich je an femininen Rock `n` roll auf der Bühne gesehen habe. Und es war Rock `n` roll; Laut, schmutzig, verschwitzt und untrüglich. Mein Schreibkonzept für diese Konzertbesprechung, welches ich mir im Vorfeld ein wenig überlegt hatte, habe ich sofort nach Beginn ihres Auftritts über den Haufen geworfen, unmittelbar suchend nach angemessenen Vokabeln um jenes Vorkommnis, jene explosive Intermezzo entsprechend zu würdigen. Doch der Reihe nach.                                                                                                                                           Der Weg durch Köln ist jedes Mal wie eine Heimkehr. Hier bin ich geboren, in Köln bin ich aufgewachsen. Bewusst wähle ich an jenem  Dezemberabend einen anderen Fußweg als nötig, um ein wenig von der Atmosphäre des Kölner Stadtteils Ehrenfeld, in welchen die LHM beheimatet ist,  aufzusaugen. Weihnachtliche Stimmung spiegelt sich auf den Plätzen des Zentrums wieder, der Geruch von Glühwein, Gebäck und Pizza liegt in der Luft. Aber nicht auf meiner Route. Abseits jener  trügerischen Stimmung nehme ich einen scheinfreien Weg durch eine Nebenstraße, entlang der Bahntrasse. Was mich heuer erwarten sollte war quasi ein Doppelkonzert kraftstrotzender Soulröhren. Denn als Support war eine Rhythm&Blues/Bluesrock Band aus Kanada angesagt, No Sinner, deren Sängerin Colleen Rennison, stimmlich schon eine Reminiszenz an Sängerinnen wie Janis Joplin, Big Mama Thornton oder ihr Idol, Tina Turner, ist. Zwei solch exzellente Künstlerin an einem Abend zu erleben, es war quasi wie meine ganz persönliche Weihnachtsfeier. Und die sollte es in sich haben!

 

No Sinner machten dann auch keinen Hehl daraus was sie uns an diesem Abend im Vorprogramm beweisen wollten. Nämlich dass sie eine junge, aufstrebende Band sind mit viel Raum nach oben, und einer Debüt EP die keinen Zweifel  daran lässt wohin die Richtung geht. Feinster Bluesrock mit einer jungen, kräftigen Stimme, die sich unverhohlen an genannten Bluesgrößen orientiert. Und so war dann auch der 30-minütige Auftritt der Combo pure Energie. Interpretin Collen entlockte ihrem Stimmorgan raue, druckvolle Phrasierungen, tanzte energiegeladen (trotz Plateauschuhe!) über die Bühne und wirkte dabei so abgeklärt als ob sie schon ein „alter Hase“ im Geschäft wäre, trotzdem aber unglaublich authentisch dabei blieb. Die halbe Stunde hat gereicht mich vom Kauf  ihrer EP am Merchandisingstand zu überzeugen.

Was dann kam gehört jedoch in eine andere Kategorie. Mir war schon bewusst dass der Sound nun etwas professioneller abgestimmt sein würde, die Band vielleicht etwas abgeklärter wirkte und man nicht wusste ob Frau Hart eventuell etwas zickig sei, wie ich es mal im Vorfeld im Zuge eines anderen Konzerts gelesen hatte. Freunde, weit gefehlt (bis auf den Sound). Was nun passierte war fast entrückend. Ein Konzerthighlight der absoluten Oberklasse. Beth Hart betrat zunächst alleine das Geschehen, begrüßte artig ihre Fans, setzte sich ans Klavier und präsentierte uns mit „Baddest blues“ gleich eine Piano-Ballade die dir sämtliche Härchen, im Nacken oder sonst wo, aktivierte. Ihre Stimme war dabei so markant, dass sie sofort(!) das gesamte Auditorium auf ihrer Seite hatte, es war unbeschreiblich. Noch im frenetischen Applaus kündigte sie ihre Band an, die gleich zum nächsten Stück überging und uns fortan eine Show lieferte die seines Gleichen suchte. Sie forderte das Publikum zur aktiven Teilnahme auf, niemand konnte sich ihr widersetzten. Beth ließ keinen Einwand aufkommen wer die Chefin im Ring ist, weder bei ihren Fans noch bei ihren genialen männlichen Mitstreiter, ohne letztere aber auch nur ansatzweise zu deklassieren.

Da stand sie nun. Die Frau die zuletzt neben ihrem eigenen Album „Bang bang boom boom“ die beiden oben erwähnten Longplayer mit Bonamassa einspielte, im schwarzen Kleid und Biker Stiefeln. Nein, sie verzichtete gleich auf Pomps oder Plateauschuhe, streifte sich lieber ein paar rotzige Boots über. Mal ganz ehrlich; Von mir aus hätte sie auch in gelben Gummistiefeln mit Biene Maja Muster da stehen können. Was diese Frau an Sexappeal ausstrahlt und wichtiger noch, aus ihrer Stimme macht, ist in jeder Hinsicht erhaben. Als die Band als drittes Stück  „Nutbush city limits“ anstimmte war es spätestens in jenem Moment um alle Konzertbesucher Geschehen. Besser (wenn überhaupt), konnte den Song eigentlich nur Tina Turner selbst, wie ich mir einst 1990 auf ihrem Konzert in der legendären Kölner Sporthalle überzeugen durfte, darbieten. Die ganze Band übte puren, druckvollen Rock `n` roll aus, entrückt (auch wenn ich mich wiederhole), leibhaftig, und authentisch. Beth Stimme war und ist exemplarisch. Da möchte man gerne mal Teil ihrer Badezimmereinrichtung sein, um ihr beim Singen unter der Dusche zu lauschen…… Amerikas Autorität in Sachen Soulrock ließ keinen Zweifel daran warum sie mit Größen wie Janis Joplin oder Etta James verglichen wird. Ihre Stimme ist eine Waffe. Und ich war ihr komplett erlegen. Sie war zudem exzellent aufgelegt, scherzte, hüpfte über die Bühne, kommunizierte. Kurzum, sie hatte Spaß an der Sache, und das konnte jeder spüren!

Die Band rockte sich quer durch ihr Repertoire, Beth Musiker waren eine Klasse für sich, beherrschten ihre Instrumente grandios. Das Zusammenspiel der beiden Gitarristen und ihrem Basszupfer war vortrefflich. Eine Pause gab es nicht, rund 2 Stunden wurde ausschließlich gerockt.

Große Teile der zweiten Konzerthälfte verbrachte die Sängerin am E-Piano, jagte uns ein- ums andere Mal einen Schauer über den Rücken. Aber auch schnelle Nummern wurden an den Tasten zelebriert. Der Titelsong ihres aktuellen Werkes „Bang bang boom boom“ ging ihr locken über die Lippen, die Band hatte spürbaren Spaß. Höhepunkte waren ohne Zweifel die hinreißende Ballade „If I Tell You I Love You“, und das von mir ersehnte „Leave the light on“. Auch das Cover "If i tell you i love you", vom gemeinsamen Album "Seesaw" mit Joe Bonamassa, gab es zum Besten. Es war unglaublich. Die Intensität dieser Songs ist einmalig, es ist als wenn sie all diese Erfahrungen gerade noch mal in ihrer Erinnerung durchlebt. Verzweiflung, Schmerz und Verbittertheit sind hier deutlich spürbar. Fantastisch auch das Stück „My california“, das sie seinerzeit für ihren Mann komponiert hat. Dieser kam dann auch überraschend auf die Bühne und hauchte ihr einen dankbaren Kuss zu. Wunderbar.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es kurz vor „Leave the light on“. Ein Zuschauer aus der ersten Reihe brach kurzzeitig zusammen, wurde von beherzten Helfern aus dem Publikum gezogen. Das blieb auch Beth nicht verborgen, sie reagierte sichtlich schockiert, konnte gar ein paar Tränen nicht unterdrücken. Betroffener Fan konnte glücklicherweise kurz darauf wieder aufstehen und wurde zwecks frischer Luft vom Sicherheitsdienst nach draußen begleitet.

 

Die famose Soloeinlage des Drummers bestaunte Frau Hart dann glatt auf dem Hosenboden, die Becken schepperten, Bill Ransom entfachte ein wahres Trommelfeuerwerk, nicht nur Beth war geplättet.

Das Beth auch mit leisen Tönen überzeugen kann bewies sie dann im Zugabenteil wo sie zusammen mit Saitenman Jon Nichols zur akustischen Griff und 2 wunderbare Titel intonierte, darunter das wunderbare „ Ugliest house on the block“. Das endgültige (und für die Protagonisten verdiente) Ende musste irgendwann kommen, die Halle stand Kopf, auch die Musiker spürten die positive Energie seitens der Anhänger deutlich.

Ich konnte gar nicht begreifen was ich soeben erlebte, verließ fassungslos das Gebäude. Beth Hart; Was für eine Power, was für eine Röhre, was für eine Show. Bemüht wieder den Kontakt zur Wirklichkeit herzustellen ging ich hinaus in die Nacht, steuerte zielstrebig das nächstgelegene Kiosk an und ließ meine „Weihnachtsfeier“ mit zwei gut gekühlten Hopfenkaltschalen auf dem Heimweg ausklingen. Am 09.12.2013 erhielt ich eine Lektion in Sachen weiblichen Blues-/Soulrock, die ich so schnell nicht vergessen werde. Das Thema erneuter Konzertbesuch verbietet sich an dieser Stelle, selbstredend besuche ich baldmöglichst erneut eines ihrer großartigen Gigs.

 

Danke Beth, für einen unvergesslichen Konzertabend!

 

rockfrank

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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