in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

                Blues Alive Festival in Köln

                     Walter Trout (US), Danny Bryant (GB), Layla Zoe (CA)

Walter Trout ist sicher eine der größten an der elektrischen Gitarre. Der Mann der kürzlich durch schwerer Krankheit (Lebertransplantation) dem Tod ein zweites Mal von der berüchtigten Schüppe gesprungen ist (nachdem Carlos Santana ihm 1987 in Ost-Berlin eine Schelte erteilte, weil Trout einen Auftritt mit John Mayall völlig betrunken absolvierte und nach angeblich einer täglichen Flaschen Jack Daniels einer Alkoholvergiftung näher war als jeder andere), hat sich wieder vollkommen regeneriert, was er auf „Battle Scars“, seinem ersten Album nach der Genesung, auch eindrucksvoll demonstrierte. Dieser Mann hat unglaubliches in den letzten Jahren durchlitten und einiges davon auf genau diesem Longplayer  verarbeitet. Zeitweilen düstere Texte sind das Resultat daraus, was bei einem Album mit autobiographischen Zügen nicht ausbleibt. Bei allem Respekt, vertonte Trauer oder Schmerz birgt in meinen Augen immer eine gewisse Schönheit, und dies ist auch in genannter Platte nicht zu überhören, befasst man sich alleine mit dem Stück „Please take me home“. Das Walter Trout auch die sanften Töne beherrscht hat er schon vor langer Zeit bewiesen, als er für sein 1990`er Album „Prisoner Of A  Dream“, das Stück „Say goodbye to the blues“ komponierte. Durch ein tiefes Verständnis für den Blues, gepaart mit handwerklicher Perfektion und elementarer Hingabe sprengte Walter hier meine bis dato errungenen Klangvorstellungen  von einem martervollen Schmerzlied. Auf instrumentaler Ebene ist hier einzig Warren Haynes in der Lage ihm das Wasser reichen, welcher mit seinem akzentuierten Gitarrenspiel schon so manchen überirdischen Song kreiert hat. Beide verkörpern Blues-Poesie und Klagelaute in einem malerischen Sound mit unglaublicher Schönheit. Es ist genau dieser Walter Trout, der im Rahmen des BLUES ALIVE FESTIVAL am 13.05.2017 in Köln als Headliner auftrat und allen anwesenden eine unvergessliche Rocknacht bescherte. Aber auch seine beiden Mitstreiter auf dem Festival waren Hochkaräter in ihrem Genre. Die kanadische Sängerin Layla Zoe, sowie der Bluesmusiker Danny Bryant. Der Engländer ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, vertrat er 2014 Walter Trout sogar am Mikrofon, als dessen Band ohne ihren Leader wegen seiner Erkrankung auskommen musste. Da sich beide Musiker ungefähr im gleichen Bluesschema bewegen, war dies eine logische Konsequenz. Sein aktuelles Werk heißt „Blood Money“ und würde sicherlich an jenem  Abend im Mittelpunkt seines Auftritts stehen. Hier ist ein authentisches Konzert Erlebnis also vorprogrammiert. Walter revanchierte sich übrigens bei Danny für dessen Gastauftritte als Lead Sänger der Walter Trout Band mit einem Beitrag auf dem genannten Album. 

Layla Zoe keine unbekannte Person in meiner Musik Vita. Die kanadische Sängerin hat mir schon viele Abende mit ihren musikalischen Darbietungen versüßt und brachte die weibliche Komponente in das Festival ein. Auch menschlich ist sie sehr zugänglich, plaudert gerne mit ihren Fans und schreibt fleißig Autogramme. Sie hat eine große Anhängerschaft in deutschen Landen, was sicher ihrer häufigen Präsenz zu schulden ist. Mittelpunkt ihre Band ist zweifelsohne Jan Laaks. Der aus Bonn stammende Gitarrist hat nicht nur ihr letztes Album „Breaking Free“ produziert, sondern entfaltet sich vor allem auf der Bühne zu einem wahren „Guitar-Hero“. 

 

Das ganze fand statt im Bürgerhaus Stollwerck in Köln, einem geschichtsträchtigem Gebäude der Stadt, welches wohl kaum passender für einen solchen musikalischen Rahmen sein könnte. Bereits am Anchmittag fand ich mich in der DomStadt ein, um mir einen ersten Eindruck von der Location zu verschaffen. Erwähntes Bürgerhaus ist das Kulturzentrum der Kölner Südstadt. Es befindet sich seit 1987 in einem roten Backsteinbau aus dem Jahre 1906, welches damals als Proviantamt diente. Gegenüber fließt der Rhein. Der denkmalgeschütze Bau beherbergt unter anderem einen 500 Mann fassenden Raum, wo heuer das Blues Alive Festival stattfand.

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Soweit der Rahmen. Bis hier hatte ich meinen Bericht eigentlich schon vorbereitet und mir auch ein weiterführendes Schreibkonzept für das Konzerterlebnis zurechtgelegt. Was ich allerdings in jener Frühjahrnacht 2017 erlebte machte alle Vorlagen zu Makulatur, dass symbolische Blatt Papier versank zerknüllt in einem Abfallbehälter und ich fing noch mal ganz von vorne an. Geschlagene 2 Tage habe ich gebraucht um überhaupt einen vernünftigen Satz hierüber zu verfassen, so nachhaltig war dieses Blues Festival für den Autor. Ein unfassbar gut aufgelegter Walter Trout spielte vielleicht dass Konzert seines Lebens, zumindest, was dass „neue Leben“ des Musikers betrifft. Doch der Reihe nach;

Frühzeitig am Veranstaltungsort in der Kölner Südstadt eintreffend, erlebte ich gerade noch die Ankunft des ersten Protagonisten jenes Abends, Danny Bryant. Kurzzeitige Parkplatzprobleme seines Tourbus-Fahrers wußte man auf eigene Weise zu lösen. Engländer scheinen da sehr pragmatisch zu sein. Auf dem Weg zum Künstlereingang stand Danny für ein gemeinsames Foto bereit.

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Eröffnet wurde die Bluesrocknacht bereits um 19.30 Uhr. Überhaupt lief das gesamte Programm (zumindest zeitlich), exakt nach "Fahrplan". So bestieg der sympathische Hüne aus dem englischen Royston pünktlich die Bühne des großen Saals des Bürgerhauses. Danny Bryant st ein Bluesgitarrist par excellence, keine Frage. Seine Vorbilder heißen Muddy Waters oder B.B. King, und das hört man. Erdiger, treibender Bluesrock sind sein Markenzeichen. Er begann sein Set mit einem Intrumental Titel mit dem er gleich das Auditorium auf seine Seite brachte. Sein leidenschaftliches Spiel, gepickt mit dem treibendem Beat von Bassist und Drummer fesselte die anwesenden Zuschauer. Brettharter Gitarrenrock und primäre Bass-Riffs zeichneten Danny und seine Band aus. Er präsentierte an jenem Abend den Bluesrock mit all den dazugehörigen Farben und Schattierungen und machte Lust auf das weitere Programm.

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Bevor das aber weiterging verabschiedete sich der massige, aber sanftmütige Engländer mit einer furiosen Version von Dylans „All over the watchtower“. 

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Nach geplanten 45 Minuten war dann Schluss, und Danny hinterließ ein jubelndes Publikum, was gerne noch mehr von dem Briten gehört hätte. Das Festival ging nach einer kurzen Umbauphase weiter. Laut Programmheft war nun die kanadischen Sängerin Layla Zoe an der Reihe, die dann auch pünktlich mit ihren musikalischen Mitstreitern um 20.30 Uhr, in langem Kleid und schwarzem Blazer, barfüßig  am Mikro stand. Mittelpunkt ihrer Band ist sicherlich ihr Gitarrist Jan Laaks. Er spielt sich mehr und mehr in höhere Ligen und zählt zurecht zu den besten deutschen Instrumentalisten. Man eröffnete das einstündiges Set mit „Backstage Queen“, dem Opener ihres dato aktuellem Album „Breaking Free“, welches übrigens von Laaks produziert wurde. Layla wusste zu begeistern und zog, gerade die männlichen Besucher, spielend auf ihre Seite. Ihr gewinnendes  Charisma ist eine Seite, ihre tiefe Röhre die andere. Sich ihr zu entziehen ist mir nicht möglich. Geschickt wechselte sie zwischen schnellen Nummern und einfühlsamen Balladen. So trug  sie mit „Sweet angel“, ein Song über ihre verstorbene Freundin,  in einer atmosphärischen Dichte vor, dass du sich einer Gänsehaut nicht erwehren konntest (und wolltest). Ihre Stimme phrasierte dabei in feinen Nuancen und transportierte reichliche Emotionen. So spielte man neue und alte Stücke und lies dabei auch Songs aus ihrer Cable Car Records Session (mit Henrik Freischlader), nicht aus. Die Encore wurde dann noch einmal sehr gefühlvoll. In „Highway of tears“ geht es um indige, kanadische Frauen des Landes, von denen in den letzten 30 Jahren rund 1200 vermisst wurden oder getötet. Hier kommt die eingangs erwähnte, vertonte Trauer wieder zum Tragen, die in jenem Stück eine große Tragweite besitzt. Layla lavierte ihren Gesang dabei zwischen zwischen Dynamik und Verletzlichkeit. Neben ihrer überzeugender Darbietung war es aber  vor allem Jan Laaks, der mit seinen Riffs und Solis einen hervorragenden Arbeitsnachweis ablieferte!

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Mittlerweile war es längst dunkel geworden über der Domstadt, im inneren des Stollwerck-Haus jedoch stieg die Party des Jahres. Es hatte ein wenig „Rockpalast-Charakter“, wenn auch die Location weitaus kleiner war als die Grugahalle. Es war heiß, und in der folgenden, 30-minütigen Umbauphase war Zeit für ein Gebinde eines regionalen, ansässigen Gerstensaftes.

Um Punkt 22 Uhr geschah was vielleicht gesehen musste, sich aber in meinem „Musikverständnis“ zunächst nicht ganz eindeutig abbildete. Hier endet dann auch meine Kenntnis  vom normalen, hobbyhaften Schreiben,  und ich stelle alle Uhren auf Null. Nur von Emotionen ließ ich mich im folgenden Abschnitt noch leiten.  Eine ungeahnte Tür, irgendwo in jenem historischen Gebäude wurde aufgestoßen, und setzte etwas Magisches frei. Prinzipiell war ich auf alles gefasst, aber auf einen solch gut aufgelegten, lebensfrohen und spielbegeisterten Walter Traut dann irgendwo doch nicht. Das Licht wurde erneut gedämmt, und noch bevor irgendein Mitglied der Band die Bühne betrat, „explodierte“ die Atmosphäre förmlich. War das Publikum vorher euphorisiert, war es jetzt ekstatisch. Walter Trout ließ sich nicht lange Bitten und begann sein Set als ginge es bereits um alles. In einem Musikmagazin las ich kürzlich dass er seine abgegriffene 73`er Stratocaster gegen ein neueres Modell tauschte, welches er sich von einem Freund bauen ließ. Die Pickups daran sind ähnlich seiner alten entworfen, und das hört man! In seinem Opener  hämmerte er solch präzise Solis auf seinem Arbeitsgerät, das die Lichttraversen im Sound vibrierten. Sein leidgeprüfter Gitarrenkorpus klang dabei unmissverständlich. „I´m happy to be here, i`m happy to be anywhere“, begann Walter anschließend seine Begrüßung. Eine klare Anspielung auf seine Überstandene Lebertransplantation. Überhaupt war er unglaublich kommunikativ, wirkte klar und aufgeräumt. 

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Ich hätte nicht gedacht dass ich das eingangs erwähnte „Say goodbye to the blues“ an jenem Abend tatsächlich hören würde. Aber so kam es. Walter erzählt einleitend dazu die Geschichte um den Song, welcher eine Hommage ein sein großes Vorbild ist, dem Meister des Blues, B.B. King.  Später spielte er quasi als Gegenpart einen Titel aus „Battle scars“, der ein Dankeschön an seine Frau ist, „Please take me home“. Die vertonte Trauer erfährt hier einen Wandel in Dankbarkeit. Unglaublich schöne, vertonte Dankbarkeit. Es trieb mir die Tränen durchs Gesicht. Immer wieder kam er auf sein Schicksal zurück, erzählte hoch emotional die Umstände seiner damaligen Krankheit, verbunden mit der unglaublichen Hilfewelle, die ihm seine Fans durch eine angelegte Spendenaktion entgegenbrachten. Ohne jene wäre eine Transplantation nicht möglich gewesen! Die Walter Trout Band spielte ein komplettes Set von 2 Stunden ohne Pause! Zur Hälfte hin kam sogar Danny Bryant nochmal auf die Bühne um mit Walter und einem weiteren Gastmusiker zu jammen. Gemeinsam zelebrierte man den elektrischen Blues vor einem begeisterten Publikum.

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Bodenständiger Bluesrock bestimmte den weiteren Verlauf des Konzertes, nur während der Soloeinlage des „Tier“, alias Drummer Michael Leasure, gönnte sich Trout ein Handtuch und eine Wasserflasche.

                                                     Drummer Leasure ruft seine gesamte Leistung ab !

                                                                 Trout ließ sich von der Menge feiern !

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Es war genau 00.04 Uhr, als sich die Walter Trout Band nach einer Zugabe vom Blues Alive Festival verabschiedete, und einen ganzen Saal glücksberauschter Anhänger fassungslos zurückließ. Was ist das gerade passiert? Ich weiß es nicht. Wir wurden Zeuge eines Blues Festivals, dessen Verlauf so keiner erahnen konnte. Vor allem aber eines Walter Trouts, der sich in jener Nacht selbst übertroffen hat. Gegen 00.15 Uhr verließ ein immer noch ungläubiger Schreiberling ein ergreifendes Festival und suchte noch etwas Nachtruhe am Strom, der sich unbeirrt seinen Weg durch die Stadt bahnte.

 

Rock`n` roll for ever !

 

 

 

rockfrank

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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