in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

  Bob Dylan - Ein Nobelpreisträger am Rhein

                                  Der Musiker und Lyriker zu Gast in Düsseldorf.

Es sollte bis April 2017 dauern, bis ich Bob Dylan endlich einmal live erleben durfte. Beschämend angesichts eines so herausragenden Künstlers. Nun war es aber so weit, und die Gespanntheit war enorm. Hinzu kam das Dylan nicht in irgendeiner neuen Multikulti-Halle Auftrat, in einer Arena, sondern in einer altehrwürdigen, rund 7.600 Menschen fassenden Location, in der schon so mancher Musiker sein Stelldichein gab; Die Phillipshalle in Düsseldorf. Phillipshalle, werden sich nun einige unter euch fragen?! Richtig, jedenfalls war das ihr Name bis zum Jahre 2011. Danach übernahm der Mitsubishi Konzern das Sponsoring des Gebäudes, und hatte fortan die Namensrechte. Seitdem hört sie auf den Zungenbrecher „Mitsubishi Electric Hall“. Im Zuge der Umbenennung wurde auch das alte Design der Halle geändert und mächtig aufgepäppelt.

Bob Dylan; Was gibt es noch über diesen Mann zu schreiben was nicht schon längst kundgegeben wurde. Außerdem fühle ich mich angesichts eines solch einzigartigen Künstlers weder privilegiert noch im Stande ein paar authentische Worte zu finden, zumal ich mich erst viel zu spät mit seinem Schaffenswerk beschäftigt habe. Daher will ich versuchen einen objektiven Konzertbericht zu erfassen und mich in meinen Recherchen an Fakten zu halten. Der Mann der am 24.05.1941 als Robert Allen Zimmerman das Licht der Welt erblickte, schrieb vielleicht einen der wichtigsten und bedeutesten Songs überhaupt; „Masters of war “ (Album: „The Freewheelin´ Bob Dylan“ (1963)). Das Stück ist aktueller denn je, und dass nach über 50 Jahren! Leider, muss man allerdings dazu sagen. Außerdem ist er einer der einflussreichsten und bedeutungsvollsten Musiker des 20. Jahrhunderts, zweifelsohne. Bereits seit 1989 befindet sich Dylan nun auf seiner „Never ending tour“, und wir hoffen inständig, dass diese noch viele Jahre weiter gehen wird. Nicht zuletzt durch die Verleihung des Nobelpreis für Literatur, im Herbst 2016, erlangte der Amerikaner nochmal erhöhte Aufmerksamkeit, was sich auch auf seine 2017`er Konzerte auswirkte, welche teilweise relativ schnell ausverkauft waren. Umso erfreuter war ich eines der begehrten Tickets erlangt zu haben, wenn auch mein Platz (die Konzerte waren bestuhlt), relativ weit hinten war. Eine räumliche Perspektive zur Bühne war aber durchaus noch gegebenMit nostalgischen Emotionen betrat ich  gegen 19.15 Uhr den Eingang der historischen Halle.  Bevor ich meine Sitzgelegenheit aufsuchte, warf ich rasch einen Blick auf die Bühne. 

                                                                    An diesem Flügel hielt sich Bob Dylan die meiste Zeit während seines Auftritts auf.

PHOTOS BY: rockfrank

Welche Songs würde der Mann aus Minnesota wohl heuer darreichen? Ein Auftritt von Bob Dylan ist wie eine Pralinenschachtel; Du weißt nie was du bekommst. Dies sagte kürzlich ein guter Freund zu mir, der Dylan besser kennt als jeder andere. Im Kopf schwebten mir natürlich Klassiker vor wie, „Like a Rolling stone“, „Mr. Tambourine man“ oder „All along the watchover“. Aber Bob Dylan ist so viel mehr. Außerdem ist er in jüngster Zeit davon abgekommen die Setlist auf einer Tour großartig zu verändern. Zuletzt  produzierte er auch hervorragende Coverversionen von Frank Sinatra Songs und anderen Künstlern, von denen ich vermutlich heute auch etwas zu hören bekommen sollte.  Auch wenn die überwiegende Haarfarbe der meist männlichen Besucher grau-meliert war, sah ich auch viele junge Leute im Auditorium. Das ist gut. Mit Zeigerschlag um 20 Uhr ging das Licht in der Halle aus, und Dylan betrat im dunklen Anzug und hellem, kreisrunden Hut mit seiner 5-köpfigen Band die Bühne. Und mit Zeigerschlag um 21.35 Uhr, verließ er sie wieder. Dazwischen lag ein 95-minütiges, lyrisches Märchen. Doch der Reihe nach:

 

Eines vorab; Fotoaufnahmen waren strengstens untersagt. Diese Auflage wurde innerhalb des Gebäudes von den zuständigen Sicherheitsleuten auch drakonisch kontrolliert, sodass mir so  gut wie keine Möglichkeit während des Auftritts blieb etwas von selbigem bildlich festzuhalten. Dies betraf übrigens auch die hiesige Presse, denn Dylan duldetet schon seit langem keinerlei Zeitungsfotos mehr…… Der Innenraum der Halle war komplett bestuhlt. Ich fand meine Sitzgelegenheit im Block H und hatte trotz Vorderleute ein großes „Sichtfenster“ Richtung Bühne. Als um Punkt 20 Uhr die Beleuchtung runter fuhr und die ersten Töne von Stu Kimballs Akustikgitarre zu vernehmen waren, brach ein warmer, begeisterter Applaus für die Protagonisten aus. Dylan wäre nicht Dylan wenn er nicht gleich seine Sicht der Dinge durch seine Texte veranschaulichen würde, und so war der opener des Abends gleich ein Paukenschlag: „Things have changed“  aus dem Soundtrack-Album „Wonderboys“. Er schrieb das Stück im Jahr 2000 für diesen Film und heimste gar einen Oskar dafür ein! Eine Einschätzung Dylans zu Lage der Welt?! Die düstere Neigung des Songs unterstreicht die derzeit fragile politische Struktur der großen Weltmächte. Das erkannte Dylan schon vor 11 Jahren, als er den Track erstmals aufnahm. Mit „Don`t think twice, it`s all right” und „Highway 61 revisited” bekamen wir im Anschluss an den ernsten Einstieg dann gleich zwei Klassikers des Meisters zu hören, die das Publikum mit herzlichen Beifallsbekundungen honorierte. Begrüßung, Moderation und Kommunikation seitens des US-Amerikaners blieben übrigens komplett aus, aber das ist ja nichts Neues bei Bob Dylan Konzerten. Dafür war die Akustik in der Halle hervorragend, sodass man selbst auf den hintersten Plätzen noch ein sehr befriedigendes Konzerterlebnis hatte. Der Tondichter verbrachte die meiste Zeit am Piano oder stehend am Mikro, Gitarre und Mondharmonika blieben dieses Mal komplett außen vor. Durch den häufigen Einsatzes des Tasteninstruments, sowie Elementen aus dem Jazz, entwickelte sich während des Abends eine jazzige, swingenden Bar Atmosphäre mit Country-Anleihen, denn auch eine Pedal-Steel war im Einsatz. Persönlich vermisste ich etwas den Bluesrocktouch, der Dylan so viel ausmacht, zumindest wenn er seine Elektrische in die Hand nimmt. Aber weder Klampfe noch Mundharmonika gehörten heute zu seiner Ausstattung. Im Programm hatte er die kraftvollen Stücke aber  trotzdem. In „Desolation row“, einem Titel der mit inhaltlich nach -wie vor verschlossen bleibt, ließ Donnie Herron seiner Slide-Gitarre freien Lauf, und die gesamte, gut eingespielte Band drehte mächtig auf. Überhaupt arbeitete man auf hohem Niveau, die ganze Show war perfekt arrangiert. Die Bühnenstaffage war sehr bescheiden gehalten, wie auf Dylan zugeschnitten. Der kontaktarme Singer/Songwriter hatte auch einige Coverversionen im Gepäck, allem voran aus seinen beiden jüngsten Alben „Shadows in the night“ und „Fallen angels“, auf denen er Frank Sinatra mit seiner Interpretation dessen Songs würdigte. „Melancholy mood“ und „All or nothing at all“ waren die Stücke, die er heute Abend in Düsseldorf präsentierte. Die angenehme, halbdunkle Bühnenausleuchtung unterstütze die authentische Fassung der Songs. Es gab keine Pause zwischen den einzelnen Songs, noch während des jeweiligen Applauses wurde gleich ein neues Stück angeschlagen. Die stets dezente Bühnenbeleuchtung verstärkte den intensiven Eindruck des Konzerts.

Leider nur eine verschwomme Aufnahme von Dylans Band.

Mit dem französischem Chanson „Autumn leaves“ von Yves Montand endete der reguläre Teil  der Vorstellung, und das Phantom Dylan verschwand nach exakt 95 Minuten im gedämmten Licht von der Bühne. Kein Danke, keine Verabschiedung, nichts. Einfach nur Bob Dylan. Über seine lyrischen und musiklaschen Qualitäten gibt es wohl keinerlei Unglaube, dass hat er heute Abend mehr als Eindrucksvoll dokumentiert. So sahen es auch die rund 5000 anwesenden Gäste und forderten lautstark eine Zugabe ein. Ganze 8 Minuten mussten sie warten. Dann betrat der Nobelpreisträger noch einmal das Podium der alten Halle. Die Getreuen bekamen im Epilog dann eine völlig veränderte, neu arrangierter Version von „Blowing in the wind“ zu hören, sowie „The ballad oft thin man“, letzteres von seinem 1965`er Album „Highway 61 revisited“, womit Bob Dylan insgesamt drei Stücke jenes geschichtsträchtigen Longplayers an jenem Aprilabend präsentierte. Dann war endgültig Schluss. Tatsächlich drehte sich der fragil wirkende, aber leistungsfähige Musiker  dann zusammen mit seiner Band zum Publikum, um seinen wohlverdienten Beifall zu ernten. Selbstredend ohne großartige Anteilnahme. Der Meister schwieg und genoss. Dann war Bob Dylan auch schon wieder verschwunden. Doch wir haben ihn leibhaftig erlebt. Danke Bob !

 

 

Setlist:

Things have changed

Don`t think twice, it`s all right

Highway 61 revisited

Beyond here lies nothin´

Why try to change me now (Ry Coleman cover)

Pay in blood

Melancholy mood (Frank Sinatra cover)

Duquesne whistle

Love sick

Tangled up in blue

Early room kings

Spirit on the water

Scarlet town

All or nothing at all (Frank Sinatra cover)

Desolation row

Soon after midnight

That old black magic (Johnny Mercer cover)

Long and wasted years

Autumn leaves (Yves Montand cover)

 

Encore:

Blowin´ in the wind

Ballad of a thin man

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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