in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

Gov`t Mule - Die Jamrocker übernehmen das Land

Als unser Herr die Erde schuf dachte er auch daran für jede Epoche die richtige Musik zu inszenieren, den Menschen das richtige Timbre für die jeweilige Zeit zugänglich zu machen, um sie so besser durch ihre Lebenszeit auf Erden zu führen. Waren es im 19. Jahrhundert Künstlern wie Haydn, Mozart und Beethoven, sollte es in den 1950`er und frühen 60`er Jahren Elvis Presley richten, ab Mitte der 1960`er Jahre richtungweisende Musiker und Bands wie Led Zeppelin, Jimi Hendrix oder Janis Joplin. Als unser Allvater jedoch im Jahr 1994 eine Combo ins Leben rief, die, wie viele im gegenwärtigen Rock `n` roll Zirkus schwimmen sollten, machte er einen verhängnisvollen (positiven) Fehler.  Er versah Sänger und Bandleader Warren Haynes mit einem Gen welches er vorher an noch keinem anderen Künstler probierte. Fatal! Es bewirkte nämlich dass genannter Künstler mit seinen Mitstreitern die Rock `n` roll Welt nicht nur umkrempelte, sondern dem Zeitgeist entsprechend völlig neu definierte, diverse Genres vereinte und ihre Musik auf eine Ebene transportiert, die irgendwie dann auch wieder göttlich ist, in Worten kaum zu beschreiben, und wenn man sie hört, einem jeglicher Erklärungsversuch verwehrt bleibt; Gov`t Mule !

Gouverment Mule, wie es ausgeschrieben heißt, findet in der groben Übersetzung die Bedeutung eines großen Hinterteils des Esels, tatsächlich. Fragt mich nicht wie man auf einen solchen Namen kam, aber im englischen klingt er irgendwie cool. Und somit hatten die Fans auch namentlich ihre Berufung gefunden.  Angelehnt an die „Deadheads“  von Grateful dead nannten sie sich fortan die „Muleheads“! Auch ich bin lange schon ein solcher geworden, und so fiebert man immer wieder neuem Material, aber vor allem den Live-Events entgegen, in denen man für gut 3 Stunden nicht mehr Erdenbürger ist, sondern Teil wird ausgedehnter Jams und irrsinnigen Solis, die einen für die Zeit des Konzertes weit weg vom hiesigen Treiben auf einen anderen Planeten transportieren. Ich durfte die Band schon dass ein -oder andere Mal erleben, und jedes Mal war wie einer Trip in eine andere Dimension, ganz ehrlich. Man kann es eigentlich kaum beschreiben. Spätestens am Ende dieses Artikels werdet ihr wissen warum und euch nach einem Auftrittsbesuch lechzen! Frontmann Warren Haynes ist ein wahrer Saitenmeister und Allrounder. Nicht nur Chef von Gov`t Mule, so ist er auch Mitglied bei den Allman brothers, spielt gelegentlich bei den Grateful dead, ist manchmal auf Solopfaden unterwegs und Unterstützer und Initiator zahlreicher musikalischer Wohltätigkeitsveranstaltungen. Privatleben?! Das Studio ist sein Haus, die Bühne seine Wohnzimmer. Seine Manie: Die E-Gitarre. Ständig unter positivem Stress lebt er den Rock `n` roll wie kein zweiter, begleitet von unglaublich guten Mitstreitern, die namentlich Matt Abts am Schlagzeug, Jorgen Carlsson (seit 2008) am Bass, und Danny Louis an den Keyboards (seit 2003) sind. Gründungsmitglied Allen Woddy (Bass) verstarb bereits im August 2000. Nach  wechselnden Bassmännern übernahm Andy Hess von 2003 bis 2008 dessen Aufgabe. In Europa mittlerweile eine feste, wenn auch nicht überall bekannte Größe, sind Gov´t Mule in den Staaten bereits zu Superstars avanciert und aus der Szene nicht mehr weg zu denken. Wie ist es zu erklären dass dieser Teufelskerl mit seinen Mannen es immer wieder schafft die Messlatte neu anzulegen, jegliche Trends zu ignorieren, unfassbare Songs zu kreieren, und Klangfarben aus seinem Arbeitsgerät rauszuholen, die nicht mehr weltlich klingen? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass diese fantastische Band tatsächlich existiert. Macht euch nun auf eine musikalische Reise gefasst, die ihr so schnell nicht mehr vergessen werdet, bzw. ihr im Anschluss an diese Ausführung sofort in den nächsten Plattenladen rennen werdet, garantiert.

 

Für mich ging es im Mai 2015 gleich zweimal zu jener fantastischen Band. Mit einem Doppelkonzert wollte ich mir endgültig die psychedelische Kugel geben. Am Dienstag den 12.05. zog es mich hierfür nach Stuttgart, wo der Tross im LKA-Longhorn Station machte, und nur 4 Tage später nach Köln, wo man in der legendären Live Music Hall den Fans so richtig einheizen wollte. Schon Wochen vorher währte die Vorfreude bei mir an, unendliche Stunden verbrachte ich vor meinem Hifi Turm und genoss sämtliche Live-Platten, die in meinem Besitz sind. Nun war es endlich wieder soweit ihre Bühnenqualitäten persönlich zu genießen, mich für jene Zeit im musikalischen Cosmos treiben zu lassen. Der berichterstattende Schwerpunkt wird im folgenden Beitrag auf dem Auftritt in Köln liegen, einfach weil es für mein Empfinden der bessere war und ich hier ganz besondere Augenblicke hatte.

 

Zunächst aber eine Zusammenfassung von Stuttgart: Nach einer abenteuerlichen Bahnreise (es begann mit Verspätungen und Anschlussverlusten) erreichte ich erst um 19 Uhr den Veranstaltungsort im Stuttgarter Stadtteil Wangen, das LKA-Longhorn. Das Rock `n` roll Raumschiff war natürlich schon längst gelandet, der Tour Bus stand vor der Tür, und an selbiger ging gerade der Einlass los.

Es war mit rund 28 Grad leider nicht nur ein sehr warmer, sondern auch ein recht schwüler Tag, was zusätzlich zur stressigen Anreise mein Nervenkostüm belastete, die Vorfreude zunächst etwas eindämmte. In der dunklen Halle war die Luft nicht besser und so schwitzte man leicht vor sich hin während man dem Auftritt entgegenfieberte. Es war 20.12 Uhr als die Rockaliens dann unter großem Beifall die Bühne betraten und ihr Set mit „World boss“ eröffneten. Da stand er nun vor mir, Warren Haynes, mein persönlicher Gitarrengott! Ich konnte es zunächst gar nicht realisieren, sah mich vor meinem inneren Auge vor dem Fernseher sitzen und eine Rockpalast Sendung auf  WDR sehend…. Aber nein, es war Realität! Ganz zu schweigen von ihrer Darbietung, die alles andere als Realitätsgetreu schien! Man begeistere uns mit ausladenden Improvisationen und krachenden Gitarren-Riffs, mit purem Bluesrock oder schwerem Südstaaten-Rock, Musik die nicht von jenem Planeten zu schienen sei.

Leider empfand ich die Soundanlage des LKA etwas übersteuert, die Lautstärke war recht hoch, hinzu kam die quälende Luft in der Halle, was den Spaßfaktor ein wenig reduzierte. Doch Warrens signifikante Riffs konnte all diesem kein Abbruch tun, mit selbstvergessener Hingabe spielte er auf seinen unterschiedlichen Gitarren. Ihm und seinen Mitstreiten waren die Begleitumstände aber nicht entgangen, und so konnte sich, zumindest bei mir, das Rock `n` roll feeling nicht komplett entfalten. Trotzdem war es eine grandiose Performance, die in einem fantastischem Tom Waits Cover „Going out west“, ganz am Ende münden sollte. Höhepunkt sicherlich eine rund 10-minütige Fassung von „Kind of bird“, einem Allman brothers Song, in dem ausgiebig gejamt wurde, und Keyboarder Danny Louis gar, wie zum Ende im Tom Waits Stück, eine Posaune auspackte, es war schier unglaublich.

Gouverment Mule erschufen eine akustische Klangbühne der sich niemand entziehen konnte, geschweige denn wollte! Warren spielte in "Kind of bird" verschiedene Figuren auf der Elektrischen, Danny und Jorgen an Keyboard und Bass  stiegen vollends mit ein, der Song wurde zum nächtlichen Raumschiff, entwickelte eine erstaunliche Klangtiefe. Ihre Musik hat das Potenzial den Leuten Emotionen zu vermitteln, für den Moment weit weg auf Reisen zu schicken. Jimi Hendrix sagte in einem Interview einmal passend dazu; „Man kann alles hören, was einen antörnt und einen auf die Reise mitnimmt. Die Leute wollen, dass man sie irgendwohin mitnimmt.“ Die Basslinien von Jorgen Carlsson fielen teilweise in beängstigend tiefe Tonlagen und erinnerten mich in manchen Sequenzen etwas an die Filmmusik von "The fog".

Matts Schlagwerk war Beispielhaft, mit seinen 61 Lenzen beherrscht er die Schießbude nach wie vor brillant. Neben Tom Waits (Going out west“) und den Allmans („Kind of bird“, “Worried down with the blues“) wurden auch noch Free gecovert („Mr. Big“), und die Steve Miller Band („The joker“). Die Band ist ja bekannt für ihre grandiosen Coverversionen!

 

Um 23.15 Uhr war dann Schluss, glücklich trat ich kurze Zeit später wieder unter freiem Himmel und verharrte noch eine Zeit am Tour Bus um mir das rege Treiben die Roadies anzuschauen, die die Instrumente der Band in einen Anhänger packten. Zu meiner Freude kam kurz darauf  Schlagzeuger Matt Abts aus dem Bühneneingang geschlendert und signierte auf Nachfrage meine mitgebrachte CD „Planet of Abts“, welche er einst als Soloprojekt  auf den Markt brachte. Nach weiteren 20 Minuten kam dann plötzlich Warren Haynes aus dem Bus, und ich war vollends beglückt.

 

Anschließend gönnte ich mir zwei schwäbische Hefespezialitäten an einer nahegelegenen Tankstelle, und ließ den Abend im Nachtzug zurück nach Köln (diesmal ohne Probleme) ausklingen…….

Was mir dann vier Tage später in der Domstadt widerfahren sollte ist eigentlich in Worte nicht wiederzugeben, trotzdem will ich mich bemühen erlebtes mit euch zu teilen, um sachliche Wörter ringen, was mir aber nicht leicht fallen wird. Es war mit Abstand das Beste was ich von den Jungs bisher live gehen habe, und entsprechend gebührend will ich nun versuchen euch das Ereignis nachfolgend zu vermitteln.

 

Die Live Music Hall; An sich schon eine kultige Veranstaltungsstätte, ein Club im Herzen des Stadtteils Ehrenfeld, war schon des Öfteren Gastgeber der Band. Außerdem durfte ich 2011 Warren Haynes hier bei seiner Solo Tour zu seiner LP "Man in motion" erleben. Viele Musikgrößen gingen hier bereits ein -und aus und bereiteten uns so manchen musikalische Sternstunde.

Eine solche zu feiern galt es auch am 17.05.2015 wo Gov`t Mule ihre Deutschlandtour beschlossen und ihren Fans noch mal richtig einheizen wollten. Wir schreiben also erwähnten Maitag, und da Köln fast um die Ecke liegt treffe ich bereits mehr als frühzeitig mitten im Herzen der Stadt ein – Ihrefeld, wie es im kölschen Jargon heißt. Der alles überragende Fernsehturm ist von jeder Ecke des Viertels zu sehen, ist aber nicht das, was Ehrenfeld ausmacht. Industrieruinen, kulturelle Vielfalt, Dialekt und Offenheit spiegeln hier den wichtigen Stadtteil wieder.

Frühzeitig stand ich dann in der noch kleinen Schlange vor dem Eingang des Clubs und wartete ungeduldig auf 19 Uhr, zu jenem Zeitpunkt seine Türen öffnen sollten. Nach dem Einlass füllte sich rasch das Innere der Halle, meine drei Begleiter und meine Wenigkeit sicherten uns einen Platz nicht unweit der Bühne. Ein paar köstliche Gerstensaftgetränke halfen uns die Zeit bis zu Konzertbeginn zu überbrücken. Es herrschte eine gelöste Atmosphäre im Publikum und irgendwie hatte ich zu diesem frühen Zeitpunkt schon das Gefühl heute etwas ganz besonderes zu erleben. Die Herren der (musikalischen) Schöpfung ließen dann auch nicht lange auf sich warten und betraten gegen 20.05 Uhr endlich die gute Stube, die sie mittlerweile tatsächlich für sie geworden sein muss, denn nicht das erste Mal war man heuer hier zu Gast. Ich fragte mich ob man wieder mit „World Boss“ eröffnete, wurde aber schnell eines Besseren belehrt. Gov` t Mule wären nicht Gov` t Mule würden sie nicht ständig ihr Set verändern. „Brand new angel“ war an diesem Abend der opener, ein Titel ihres 2006` er Album „High & mighty“. Sofort sprang der Funke über, knisterte vor sich hin, bereit zum ausbrechen. Es folgten eine Reihe Stücke aus ihren verschiedenen Alben, darunter „Mr. Man“, „Banks of the deep end“ oder Fool´s moon“. „No need tosuffer“ war der erste emotionale Höhepunkt (der ganze Abend war ein solcher, aber irgendwo muss ich es mal fest machen), ein Stück aus ihrem Album „Life before insanity“. Der Song berauscht dich auch ganz ohne Zugabe eines synthetischen Hilfsmittels, geht tief unter die Haut und schwelgt dich in freudige Erregung. Genau hier setze ich ein Ausrufezeichen, mache den Punkt fest wo das Konzert eine schier unbegreifliche Dimension annahm Alles was jetzt passierte war definitiv nicht weltlich, gehörte in Sphären die wir nicht verstehen, uns nur für die Zeit der Konzertes zugänglich werden. Einer der fundamentalsten Gitarristen unserer Zeit versetzte die Stadt gerade in einen akustischen Ausnahmezustand! Machen wir uns keine Illusionen, diese Band ist jederzeit in der Lage dich bei einem ihrer Konzerte in eine andere bewusstseinsebene zu avancieren, da verblasst jeder „code green“ aus Holland zu einem jämmerlichen Gewächs. Und irgendwie ging es mir gerade so….

Danach folgte mit „Kind of bird“  das Stück welches das erste Set beenden sollte, ein absoluter Markstein. Im Schwabenländle schwärmte ich ja schon von der klanglichen Darbietung des gleichen Songs, doch was uns hier erwarten sollte war nicht mehr sachlich erklärbar. Der Allman Jam entwickelte sich zu puren Ekstase, Matt, Jorgen und Danny bedienten ihre Instrumente nicht mehr, sie wurden einst mit ihnen. Ihr dynamisches Wechselspiel mit Warrens Lead erzeugt elektrifizierte Freude, was für eine außergewöhnliche Band. Das ist Rock `n`  roll als niveauvolle Kunstform, ein wahres Rockgewitter fegte gerade mitten durch das Herz von Köln. Mit elementare Hingabe knallte uns Warren ein psychedelisches Solo um die Ohren dass es dich glatt aus dem Saal pustete, solltest du dich nicht rechtzeitig  an irgendeinen realen Gedanken geklammert haben, der dich im hier und jetzt hält, bevor du auf eine transzendale Ebene katapultiert wirst. Ich ließ es geschehen. Und dann war da dieser Moment; Ein langer, aufsteigender Ton am Rande des ekstatischen schwang durch die Live Music Hall, ich bildete mir ein Spektralnebel zu sehen, und geleitete in musikalisch höhere Sphären, weit weg vom Ort des Geschehens. Das Akustikzentrum in meinem Gehirn geriet außer Kontrolle. Der Klang überwindet das Bewusstsein und drang tief in mein sublimes Innere ein. Eine bluesig-rockige Klangwolke schwebt hoch über der Halle, ich verlor jegliche Gefühl für Zeit und Raum. Warren hingegen stand wie ein Fels in der Brandung auf der Bühne und kontrollierte das Geschehen. Dabei war er der Auslöser. Es war unglaublich! Im Anschluss verabschiedete sich die Band in eine kurze Pause. Die hatten wir auch alle bitternötig…..

Für das zweite Set hängt sich Warren zunächst eine halbakustische Gitarre um den Hals, die ich so noch nicht gesehen hatte, und begann die finale letzte Stunde mit wunderschönen Blues Akzenten. „It`s my own fault“, ein John Lee Hoker Cover, eine emotional geladene, tiefgreifende Version, dass es dich einfach umhaute. Ich glaube die ganze LMH war ergriffen. Dankbar, den Tränen nahe. Thank you Warren! Zeit zum Ausruhen blieb jedoch nicht. Kaum war der letzte Ton verklungen, der Applaus abgeschwollen, begann in meinen Augen der Ausbruch, die Tirade! Ich weiß nicht was die Mannen in der Pause im backstage Bereich getrieben haben, Kamillentee haben sie sicher nicht getrunken. „Larger than life“  wurde im Anschluss mit einem solchen Enthusiasmus  offeriert dass dir einfach die Kinnlade entgleitet. Eine Rockhymne die dir keine Zeit zum atmen lässt, dich in ihrem Bann hält und du völlig aus der Fassung gerätst! Der Sound war glasklar, weitaus besser als im LKA Longhorn, die Atmosphäre knisterte, verdammt, irgendwas Unerklärliches lag nun im Luftozean über der Halle. Nach „No reward“ folgte das Drummsolo von Schlagzeuger Matt Abts wo er in Verbindung mit der Bühnenlichtshow eine gigantische psychedelische Atmosphäre erschaffte…….

Dann kam purer Boogierock ins Spiel – „Mr. High & mitghty“. In völliger Entäußerung knallten uns Gov` t Mule diese großartige Nummer um die Ohren dass es dir schwindelig wurde. Wenn auch einfach gestrickt und ein wenig an AC/DC erinnernd, schafften sie eine pure Rock `n` roll Aura, der sich niemand im Saal entziehen konnte. Die Dienstwilligkeit der Band ist immer 100 %, aber an jenem Abend wurde die Messlatte noch mal korrigiert. Die Stimmung unter den einzelnen Akteuren war fantastisch, es herrschte eine emotionale Polarität zwischen Band, Publikum und dem Universum! Meine beiden Begleiter und ich rockten außer Fassung auf unseren Plätzen, leichtes headbanging wurde zur Begleiterscheinung, der Song lebte. Und als ob nichts gewesen wäre hauten sie uns im nächsten Stück wieder eine wunderschöne Bluesnummer von Willie Dixon vor den Latz die dich gefühlsmäßig wieder aus den Angeln hob. Eine reine Achterbahnfahrt der Gefühle stellte diese Nacht für mich da -  Rock `n ` roll, Blues, Psychedelic, Herz was willst du mehr?! „I can`t quit you baby“ ging tief unter die Haut, wo der Song noch lange bleiben sollte. Der Saitenvirtuose servierte uns ein bluesiges Solo mit langen Linien über den Instrumenten der Rythmusfraktion. Die Rock-Jünger im Publikum dankten es ihnen ausgiebig!

Im folgenden „Mule“ versuchte ich mich erst mal zu sortieren obwohl mir das Stück nicht viel Freiraum dazu ließ. Was dann kam war das unglaublichste Finale was ich je erlebt habe auf meinen Konzert besuchen. Ohne Pause wurde von „Mule“ übergeleitet in – „Soulshine“ ! Alle Dämme waren schon lange, sehr lange gebrochen. Als Warren jedoch die ersten Takte von „Soulshine“ anschlug war es um mich geschehen. Gouverment Mule brachten mich an den Rand des Zustandes einer Transzendenz, ließen mich reisen. Kosmische Farben überall, heilende Klänge, Balsam. Das ganze passiert in meinem Kopf am Rande des Wahrnehmbaren, längst unterwarf sich mein Akustikzentrum dem Klangefüge auf der Bühne. „Soulshine“ ist eine der schönsten Nummern überhaupt die je geschrieben wurden, ich liebe diesen Song. Und dann war erst mal Schluss. Ein knappes Dankeschön an ihre „muleheads“, die Combo verschwand hinter der Bühne. Ich weiß gar nicht ob ich das so reell mitbekommen habe, ich erinnere mich aber dass ganz schnell Zugabenrufe aufbrausten, heftiger Beifall und Jubel.

Es dauerte nicht lange bis man Matt in Schutz der Dunkelheit wieder zu seiner Schießbude schleichen sah, Jorgen und Danny ihre Plätze einnahmen, und Warren bereits die nächste Gitarre aussuchte; Encore. Wer sich jetzt nicht irgendwo festhielt war selber schuld. Gov`t Mule holte einfach noch mal alles aus sich heraus, es war als wollten sie ihren Fans irgendwas Besonderes bieten, wobei der ganze Abend ja schon etwas solches war. Bob Dylan ist sich einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts, schrieb viele richtungweisende Songs und hat Poesie in seine Texte gebracht. Ihn wissen natürlich auch die Mannen aus den Staaten zu schätzen, und spielten zu seinen Ehren zu eine tolle Version seines „Masters of war“.

 

Anschließend bereitete man sich auf den allerletzten Angriff  vor. Tastenmeister Danny Louis griff zur E-Gitarre, womit klar war das man uns nun den Gnadenschuss geben wollte. Mehr Rock `n´ roll wie nun folgen sollte geht eigentlich nicht mehr. Kennt ihr diesen genialen Film „Lawless“ über die amerikanische Prohibition? Dort gibt es zum Ende eine große Schießerei aller beteiligten, die ganze Szenerie geht im Kugelhagel unter (übrigens lohnt sich der Streifen alleine schon wegen des Soundtracks, welcher von Nick Cave stammt). In einem solchen Kugelhagel befanden wir uns gerade; Zwei E-Gitarren feuerten Salve um Salve, das Auditorium das Ziel. Und ja, wir waren es gerne. Der Song dazu: „Rockin´ in the free world“ von Neil Young. Das Besondere daran, mittendrin, scheinbar aus dem Nichts heraus, schlug Warren Haynes einen Stakkato-Rhythmus  auf seiner Braut an das dich glatt umnieten würde, kämen tatsächlich Kugeln aus seinem Arbeitsgerät. So haute es dich aber akustisch weg. Mir war zunächst gar nicht bewusst das er hier genialerweise einfach eine Sequenz aus „Machine gun“ einbaute, dem Klassiker von Jimi Hendrix. Die Live Music Hall kochte, man stand entweder ungläubig unter den Zuschauern oder rockte was das Zeug hielt. Bei mir war es wohl eine Mischung aus beidem. Dann spielt Warren wieder das Leitmotiv von Neil Young“, mir fehlten die Worte, so etwas unglaubliches hatte ich noch nie gehört.

Das war es dann aber auch. Gouverment Mule haben alles gegeben, eine magische Aura erschaffen, irgendwas vom gleichen unter das Publikum versprüht, ich weiß es nicht. Was ich aber sagen kann ist, dass es eines der besten Konzerte war das ich jeh erleben durfte und sehr, sehr dankbar dafür bin. Lange werde ich hiervon zehren, mindestens aber bis zum nächsten Europabesuch der Band, hoffentlich schon im kommenden Jahr. Diese Band gehört nicht dem Establishment an, sie kennt keine Regeln und muss niemanden Rechenschaft ablegen, sie sind einfach nur Gov´ t Mule ! Mit welchen brachialen Qualitäten sie bei jedem Auftritt ins Feld führen ist wirklich unfassbar. Es ist keine Band die bloß die Zeit einfach nur wieder spiegelt, sondern sie umgestaltet, und das liebe ich an ihnen! Warrens Berufung ist es den revolutionären Geist des Rock `n` roll zu behüten und ihn weiter zu tragen. Und genau dass ist heute abend passiert ! Ein Fanfarenstoß!

 

 23.25 Uhr; Die Rockaliens entließen uns aus ihren akustischen Klauen und übergaben uns der klaren Nacht von Köln. Meine Begleiter und ich gingen irritiert aber mehr als Zufrieden Richtung nächstgelegener Verkehrsstation, ein cold one in er Hand zur Beruhigung, die Klänge der Band noch im Ohr und einfach nur glücklich. See you soon Warren, great show !

rockfrank

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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