in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

           Johnny Winter 

 

Woodstock feeling in Aschaffenburg

 

Johnny Winter (John Dawson Winter III, so sein vollständiger Name), bedarf hier wohl kaum einer größeren Vorstellung, der „Vater des Blues-Rock“ wie man ihn gerne nennt dürfte einer der bekanntesten Vertreter der Sparte Texas-Blues sein. Viele Künstler zählen ihn gerne zum Vorbild und er genießt einen absoluten Ausnahmestatus in der Szene. Der Gitarrenvirtuose ist ein Meister seiner Kunst, selbst im Alter. Auch wenn mal der ein oder andere Ton bei einem Auftritt daneben (gehen soll), muss man ihm dieses bei seinem Lebenslauf einfach zu gestehen. Ein Wunder dass er überhaupt noch auf der Bühne steht. Martins und meinen Respekt hat er jedenfalls. Unvergessen sein Auftritt im legendären Rockpalast am 22.04.1979, als er in den frühen Morgenstunden in der Essener Grugahalle ein regelrechtes Bluesfeuerwerk startete. Nachdem der gebürtige Albino lange an den Folgen einer Krankheit litt, ist er seit einigen Jahren wieder in den Clubs dieser Welt unterwegs und begeistert seine Anhängerschaft. Einen Auftritt wie in Essen dürfen wir heuer sicherlich nicht erwarten, trotzdem ist die Gespanntheit groß, denn Johnny Winter ist ein Virtuose seiner Spielart, zweifelsohne. Es wird bestimmt kein Konzert wie jedes andere was ich an jenem Tag erleben sollte, einen Woodstock Veteranen live zu sehen ist heut zu Tage eher eine Seltenheit geworden.

 

Aschaffenburg ist noch mal gute 48 Bahnkilometer von Frankfurt entfernt, mein Ziel war zunächst jedoch die hessische Mainmetropole, denn hier besuchte ich vorher eine Ausstellung der besonderen Art. Die Avantgardekünstlerin Yoko Ono stellte in der dortigen Schirnkunsthalle ihre Exponate zur Schau. Das ganze verband ich mit einem Treffen meines Freundes Martin, der mich zur Ausstellung und später auch zum Konzert nach Aschaffenburg begleiten würde.

Wir suchten anschließen die Schirn-Kunsthalle auf, in welcher Yoko Ono in dieser Zeit ihre Ausstellung „Half-a-wind show, eine Retrospektive laufen hatte. Es war also wieder soweit; John Lennon zog mich erneut in seinen Bann. Denn eine Yoko Ono ohne ihren berühmten Ehemann ist wohl kaum denkbar. Und so ließen wir uns von kuriosen, manchmal bizarren, einnehmenden, wunderbaren Dingen frappieren.

Interessant war die Möglichkeit ein Telefongespräch mit Yoko selbst führen zu können, kein Witz! Hierzu stand ein Sprechapparat in der Mitte eines Plexiglaslabyrinths, welches sporadisch klingelte. Yoko rief also tatsächlich aus New York oder wo gerade ihr Aufenthaltsort war, auf diesem Apparat in der Ausstellung an, und lies es einige Male läuten. Befände sich zur dieser Zeit jemand im Labyrinth und schaffte es rechtzeitig zum Telefon, hätte er tatsächlich Yoko her self an der Strippe! Nun gut, bei uns blieb das Endgerät leider stumm, aber alleine der Gedanke war reizvoll.

 

Nun wurde es Zeit für die weiterreise nach Aschaffenburg. Um 16 Uhr erreichten wir bayrisches Hoheitsgebiet und stiegen bei gleichem tristem Wetter wie in Frankfurt aus unserem Zug. Aschaffenburg wirkte gleich etwas beschaulicher, nicht so hektisch wie das große Mainhattan. Die Fußgängerzone, in welche der Veranstaltungsort lag, war schnell erreicht, von weiten sahen wir bereits den Colos-Saal. Eine nette, überschaubare Location mit Restaurantanschluss. Der hungrige Fan kann sich also vor dem Event noch einmal in gemütlicher Atmosphäre stärken.

Wir kamen unmittelbar beim Soundcheck an und lauschten so bereits vor dem Eingang den ersten Klangfragmenten, welche uns durch die geschlossene Tür erreichten. Vor dem Gebäude sahen wir ein großes Wohnmobil stehen, und vermuteten gleich das Johnny Winter mit diesem Vehikel durch die Lande reist um die verschiedensten Städte seiner Tour bequem zu erreichen. Wenig später sahen wir uns bestätigt, als Johnny tatsächlich das Fahrzeug verließ, Bingo. Das war unsere Chance vielleicht schon vor dem Konzert ein Autogramm zu ergattern. Allerdings war ich zunächst etwas konsterniert, denn Johnny wirkte sehr fragil und instabil. Wer ihn lange nicht gesehen hat, erschrak fast etwas. Aber es war JOHNNY WINNTER! Was uns allerdings in den nächsten Minuten widerfahren sollte ist schier unglaublich. Zunächst ging die Legende, begleitet von einer Dame aus der Crew in ein gegenüberliegendes Haushaltswarengeschäft und kaufte sich, Achtung, einen Satz Salz- und Pfefferstreuer! Nun gut, Mitbringsel aus „good old germany“ müssen sein. Kurz vor seinem „mobilen Hotel“ fragten wir seine Begleiterin dann auf dem Rückweg höflichst nach einem Autogramm, worauf sie uns zu deuten gab, dass wir ein paar Minuten warten sollten. Und es geschah wovon wir nicht zu träumen wagten. Die Tür des Caravan öffnete sich erneut und wir wurden herein gebeten, unglaublich. Da saß er nun; Stolz, aber gezeichnet von einem exzessiven Lebenswandel begrüßte Mr. Winter uns per Handschlag. Thank you! Die Autogramme waren rasch erteilt, meines auf einem Schlagbrett, Martin brachte eine Amiga LP mit, da bot man uns noch die Möglichkeit eines gemeinsamen Fotos an. Wir waren Baff…

Glücklich und ungläubig betraten wir wieder bayrischen Boden und mussten uns erst mal sortieren. Besudelt von vergangenen Minuten, stellten wir uns zum Einlass, wo wir so ziemlich die ersten waren, dem zu Folge dann auch einen Platz in der 1. Reihe des Konzertsaales erhaschten. Wieder Bingo. Um etwa 20.10 Uhr war es dann soweit. Johnny Winters Begleitband betrat die Bühne, und Johnny wurde über Lautsprecher angekündigt. Der Meister selbst betrat kurz darauf die Szenerie und wurde von frenetischem Applaus empfangen. In guter alter Manier eröffnete er die Show dann mit den Worten: „You want some Rock ´n ´roll?“, und die ersten Töne von „Johnny B. good“ ereilten unsere Lauschlappen. Yeah, that`s Rock ´n´roll!

Angesichts seines Zustandes befürchtete ich ehrlich gesagt ein kleines Desaster, aber Johnny Winter wäre nicht Johnny Winter, wenn er nicht seiner Qualitäten überzeugt wäre. Und tatsächlich, meine Zweifel waren schnell weggefegt, und ich schämte mich fast meiner Gedanken. Mangelnde Stringenz kann man dem Mann wirklich nicht vorwerfen. Er beherrschte seiner Lazer vortrefflich, war fokussiert bei der Sache. Leider waren meinem Empfinden nach seine Gitarrenstimme sowie seine organische etwas zu leise eingestellt, so dass der Sound von der zweiten Gitarre übertönt wurde. Überhaupt war die Abmischung recht laut im Saal, so dass eine differenzierte Unterscheidung seiner Gitarre sehr schwierig war. Johnny spielte jedoch exzellent auf, und wir waren dankbar ihn erleben zu dürfen. Ein wenig mehr Emotionalität in seiner Gestik hätte ich mir gewünscht, aber in Anbetracht der geschilderten Umstände und eines zusätzlichen Schnupfen, der ihm an diesem Abend erschwerend belastete, war das eine beeindruckende Vorstellung. Es folgten altbekannte Stücke wie „Little shool girl“. Auch die Stones Nummer „Jumpin´ jack flash“ durfte natürlich nicht fehlen. Die Rythmusarbeit seiner Band versprühte Energie und zauberte einen lebhaften Sound auf die Bühne.

Die Fans waren restlos begeistert und drückten jenes in reichlich Beifallresonanz aus. Nach rund einer Stunde erhob sich der Woodstockveterane von seinem Hocker und verließ mit seinen Spielgefährten das Geschehen. Der Beifall wollte jedoch nicht abklingen, und backstage heizte Johnny durch sein Mikro die Menge an, bevor er dann diesmal mit seiner Gibson vor der Brust, das Auditorium erneut betrat. Und dieses Instrument war eine physische Schönheit. Verschleißerscheinungen am Korpus, welcher auf viele Auftritte und jahrelange Treue schließen lassen, bildschöne Beschaffenheit in ihrer ganzen Existenz. Dementsprechend klang sie dann auch; bluesig, rockig, ekstatisch, tremolierte sie in die Menge. „Dust my broom“, im Original von Robert Johnson, war die erste Zugabe, und es fetzte! Dass er als Schlussnummer ausgerechnet „Highway 61 revisited“ von Bob Dylan wählten, brachte Freund Martin in hochgradige Verzückung, ist Bob doch sein großes Idol. Und die Nummer rockte, Johnny gab noch mal alles. Wunderbar! Mein Fazit: Entgegen diverser Aussagen Johnny Auftritte wären zeitweilen eine Katastrophe kann ich jenen Kritikern nur entgegensetzten, dass seine Darbietung in Aschaffenburg von Professionalität gezeichnet war, und Johnny, wenn auch leicht angeschlagen, auf entsprechendem Niveau gespielt hat.

Durch den pünktlichen Konzertbeginn und dass Fehlen eines support erreichten wir bereits um 22.36 Uhr  eine Fernbahn Richtung Köln, in der Martin mich noch bis Frankfurt begleitete. Glücklich über das Erlebte und Stolz auf ein Autogramm eines Woodstock Altgedienten, ließ ich den Tag bei ein paar bayrischen Bierspezialitäten im ICE ausklingen und schloss ein Wiedersehen mit Mr. Texasblues nicht aus……

 

rockfrank

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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