in charge of rock `n` roll
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                   Patti Smith - Horses 40 -                                     A celebration in Cologne!

Patti Smith – Punkikone, Lyrikerin, Künstlerin, Literatin, Songwriter, Malerin. Was hat diese Frau nicht schon alles erreicht, erlebt und durchlebt. Mein eigener persönlicher Bezugspunkt zu ihr, und wer mich kennt weiß was jetzt kommt, war natürlich der Song „Because the night“, jenen sie zusammen mit Bruce Springsteen geschrieben hat. Aber da ist viel mehr. „Because the night“ war nur ein kurzer, kommerzieller Erfolg in ihrer Laufbahn, ein Erfolg der eher störend wirkte, betrachtet man ihr Gesamtschaffen, denn Patti Smith ist soviel mehr als „Because the night“. Richtig bewusst, kennengelernt, habe ich sie erst durch ihr Buch „Just kids“. Ein fantastisches Werk über ihre frühe Jugend und ihre Beziehung zu Robert Mapplethorpe, einem renommierten New Yorker Künstler und Fotograf, zudem sie eine ganz innige Bindung hatte. Wer das Buch, die Geschichte kennt, weiß auch um die Entstehung ihres Debutalbums „Horses“ aus dem Jahr 1975. Ein Meilenstein in der Rockgeschichte der 70` er Jahr, zweifelsohne. Ich habe es viel zu spät kennen -und lieben gelernt, dafür aber dann umso intensiver. Immer hin wählte es der „Rolling Stone“ einst auf Platz 44 der 500 Besten Alben aller Zeiten! Ich habe nie begriffen ob man hier spezifisch von einem Punkalbum reden kann, denn bei Punk denke ich an härterer musikalische Gangarten wie z.B. die New York dolls, Sex pistols oder die Ramones Trotzdem zeigt „Horses“ sicherlich unüberhörbare Ansätze und darf wohl eher als eine Art Blaupause für den Punk dienen, welcher kurz danach seine Blütezeit erlebte. Aber auch in anderer Hinsicht ist es ein bemerkenswertes Album. Betrachtet man es von der lyrischen Seite bringt Patti hier außergewöhnlich zu Stande.  Anno 2015, also 40 Jahre nach erscheinen des Longplayers, entschloss sich die dato 68-jährige Patti Smith das gesamte Album noch mal live aufzuführen. Im Zuge dieser Tournee führte sie ihr Weg auch nach Köln, und ich nutze natürlich die Chance sie dort live zu erleben und mir ein Konzert anzuhören.

 

Wir schreiben also den 23.06.2015 als ich mich rechtzeitig auf den Weg in die Domstadt machte, wo Patti am Abend im Kölner Stadtteil Deutz, im dortigen open air Gelände „Tanzbrunnen“ auftreten sollte. Der „Tanzbrunnen“ liegt mitten im Rheinpark und existiert bereits seit 1957. Viele lokale Größen aber auch internationale Stars wie ZZ Top, Loreena McKennitt oder eben nun Patti Smith waren hier bereits zu Gast. Ich kenne das Gelände also ganz gut und erhoffte mir dadurch die Möglichkeit auf ein Autogramm. Aber Patti kann schwierig sein, wie man weiß….. Bei meinem Eintreffen gegen 16 Uhr höre ich schon von weitem die Klänge des Soundchecks. Ich näherte mich dem Areal durch einen Seiteneingang, der zu jenem Zeitpunkt noch nicht geschlossen war. Kurze Zeit später stand ich auch schon in Bühnennähe und sah den Gitarristen Lenny Kaye und den Rest der Band, von Patti Smith jedoch keine Spur.

Ein Foto nach dem Konzert. Blumen bestimmen das Bild im überall im Rheinpark.

Später hörte ich in einem Gespräch in der Warteschlange am Eingang dass Patti wohl nie einen Soundcheck mitmacht und erst kurz vor dem Auftritt das Gelände betritt. Ein freundlicher Security-Mensch bat uns nach kurzer Zeit das Gelände nun zu verlassen und uns zum Haupteingang zu begeben, wo später der offizielle Einlass sein sollte. Gesagt getan, stand ich dann direkt am Einlasstor und wartete auf 18 Uhr um möglichst weit vorne zu stehen.

Auf die Minute um 19 Uhr begann der Abend dann mit einem mir unbekannten aber sympathischen support. Ein junger Engländer(?!) eröffnete mit einem Plattenspieler(!) auf dem er auf Vinyl eingespielte Instrumente verlauten ließ und es seine Band nannte. Er selbst sang dazu und ergänzte sich selbst durch Gitarre, Perkussionen oder Piano, sehr interessant.

Nach einer kurzen Umbauphase war es dann aber endlich soweit; Patti Smith betrat das Gesehen, begleite von ihrer Band, von welcher zwei Musiker, Lenny Kaye und Jay Dee Daugherty, noch vom original Line up von 1975 stammten! Sanften Pianoakkorde eröffneten den Abend, die ersten Klänge von „Gloria“, dem opener des Albums. Der in Melodie und Text leicht abgewandelte Van Morrison Song beginnt mit den so berühmt gewordenen, von Patti Smith geprägten Worten, "Jesus died for somebody's sins not mine”. Die Künstlerin ist gleich von Beginn an emotional bei der Sache, vollauf in ihrem Element. Ich hatte keine Ahnung was mich bei jenem Auftritt erwarten würde, wusste nur dass sie auch launisch sein konnte und ihr Ding durchzieht. Und wie sie das tat, fantastisch! Die Band zog das Tempo an, raue Gitarrenstimmen, treibendes Schlagwerk, der Song entwickelt eine gewisse Eigenständigkeit. Dann folgt der der altbekannte Chorus, “Gloria”. Patti schreite die Worte fast heraus, ihre Stimme war impulsiv, rau, erdig, just rock! Die „grandmother of punk“ gab sich auch ganz so. Angerissene Jeans, forsches Auftreten, und gleich zu Beginn „rotzt“ sie mal eben an den Bühnenrand, geil ! Sie lässt von Anfang an keinen Zweifel das heuer eine Party gefeiert wird – Horses 40 !                                                                 

Der leichte reggaetouch in "Redondo beach" wird auch auf der Bühne heute Abend deutlich hörbar, die Band hat Spaß am Song, keine Frage. Anschließend erwarte ich „Birdland“, wenn mich meine Erinnerung an die Trackliste auf der LP nicht täuscht. Ein  9-minütige Epos mit vielen Facetten, ich bin gespannt. Inhaltlich ließ sich Frau Smith von einem Buch inspirieren, „The book of dreams“, welches die Geschichte eines Jungen erzählt der über seinen verstorbenen Vater halluziniert. Es gibt viel Lyrik in diesem Stück, und so zieht Patti ein Blatt Papier hervor, setzt sich eine Brille auf und beginnt „Birdland“. Impulsiver Sprechgesang, ein treibender Beat, getrieben von den genannten Lyrics erzählt sie den Song scheinbar aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Mannigfaltigkeit ihrer Stimme hat über die Jahre nichts eingebüßt. Mal kreischend, mal eindringlich, ruhig und wieder laut,  sie lebt! Irgendwann zerknüllte sie ihren „Spiekzettel“, warf ihn auf die Monitorboxen, spukte erneut in gleiche Richtung und versetzte das Publikum mit dem intensiven Song in Entzücken. Genau zu diesem Zeitpunkt frischte der Wind merklich auf und Patti stand fast wie im Sturm auf der Bühne, gab dem Song seine verdiente Faszination!

“Horses” wurde übrigens in den bekannten “Electric Lady-Studios” eingespielt, jener “Bauherr” einst Jimi Hendrix hieß. Viele Overdubs brauchte man dazu nicht. Es wurde live aufgenommen, was man dem Werk auch definitive anhört, es so wertvoll macht. Ein Album das man nicht vernachlässigen darf.

 

Mit „Free money“ folgte mein persönlicher Favorit. Ein rockiges, fetziges Stück auf das die Menge gleich einstieg. Köpfe oder Haare flogen durch die Luft, die selbige brannte. Der Begeisterungsjubel im Anschluss fiel entsprechend intensiv aus! Patti wies nun tatsächlich darauf hin dass die erste Seite der Platte rum sei und deutete symbolisch das Wenden einer LP an (wie man das halt früher nun mal tat) und es nun mit „Kimberly“ und „Break it up“ weiter ging. „Break it up“ widmete sie Jim Morrison, der ja einer der Hauptgründe war, warum sie sich Anfang der 1970`er Jahre letztendlich für den musikalischen Weg entschied. Ihre Band war versiert und professionell, Lenny Kaye nach wie vor ein hervorragender Musiker, bisher ein rundum gelungener Auftritt.

„Land“ war dann der zweite 9-Minuten Brecher des Abends. Ein gewisser „Johnny“ ist darin die Hauptperson, dessen Geschichte Patti uns eindringlich nahe brachte. Sie wandte den Text dafür etwas ab und ließ genannte Figur durch „Cologne“ laufen, auch den Dom „the big cathedreal“, erwähnte sie zur Freude aller Anwesenden. Wer „Land“ kennt, weiß um den Aufbau und die Struktur des Stückes, die Dramaturgie des Songs und seine Faszination. Genauso erlebte ich diese 9 Minuten auch, es war ungeheuerlich. Auf dem Höhepunkt ihre Erzählung leitete die Band mitten im Song erneut in „Gloria“ über, man wusste gar nicht wie einem geschah, ein wahrer musikalischer Sturm fegte durch das rund des Tanzbrunnens. Die Unmittelbarkeit des Schaffens traf mich voll und ganz. Wahnsinn !!!

 

„Elegie“, und nun wurde es wieder sehr ruhig, ist nicht nur Jimi Hendrix gewidmet, sondern allen verstorbenen wichtigen Menschen auf ihrem Weg. Und auch ihr Publikum forderte sie fast anrührend auf an die eigenen xx zu gedenken, die wir im Laufe der Jahre verloren haben. Eine bewegende Ansprache der Künstlerin, gefolgt von einer elegischen Pianoballade die dich nicht loslässt.

Dann war der „offizielle“ Teil der Show vorbei, Patti stellte ihre Mitstreiter vor und bedankte sich bei ihren Fans. Anschließend gaben ihre Musiker ein eigenes Stück zum Besten, in jener Zeit Patti Zeit hatte in den Fotograben zu kommen und ihre Fans persönlich zu begrüßen. Hautnah kam sie auch an mir vorbei. Zurück auf der Bühne durfte natürlich der Klassiker schlechthin nicht fehlen; „Because the night“! Nun wirkte es wie ein „Familienfest“, alle waren glücklich, sangen mit oder tanzten. Das Konzert endet bereits nach 1:38 Stunden mit der einzigen „echten“ Zugabe „My generation“, ein „The Who“ Cover in dem es nochmal richtig laut auf der Bühne wurde. Patti sang inbrünstig, reckte die Fäuste, zerriss Saiten ihrer Elektrischen, sprang wild herum. „Wir sind Träumer die die Welt verändern können“, „You´ re free“, you` re free“ schrie sie immer wieder mit viel Pathos.

Das Publikum weiß um die Faszination von „Horses“, aber auch um die arrivierte Künstlerin selber. Patti Smith zu erleben ist fast zu einem xxx geworden. Gebührend wurde sich dann auch mit viel Applaus verabschiedet. Danke Patti, Danke Köln !

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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