in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

    Rolling Stones - "no filter" in Düsseldorf

09.10.2017 - Esprit Arena

PHOTO BY: rockfrank

Stell dir vor du wachst auf und hattest den bisher besten Rock `n` roll Traum deines Lebens. Sechs jungen Briten gründen 1962 eine Rockband, sind zuerst brav, dann rebellisch und schließlich unsterblich. Sie stehen nachfolgend nunmehr seit 55 Jahren auf der Bühne und zelebrieren ihre Rebellion, wenn auch nicht mehr in der gleichen Form wie ein halbes Jahrhundert zuvor. Du wachst auf und denkst, was für ein Traum, so eine never ending Rock `n` roll Combo müsste es wirklich geben...... Du greifst unter dein Bett nach der aktuellen Playboy-Ausgabe, hältst aber stattdessen ein Comic in der Hand. Auf dessen Titelseite prangen zwei große, rote Lippen und ein Gesicht  mit Furchen, wie du sie nur aus einem Gebirgszug kennst. Dann entdeckst du ein paar Augen und merkst das es menschlich ist. Sein Name: Mick Jagger.

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Der Typ sieht ein wenig aus wie der Frontmann der Band aus deinem Traum und ist in gewisser Weise dass Synonym eines jeden Playboys. Du machst das Radio an, vom Vorabend war noch WDR 4 eingestellt (wie peinlich), doch die ersten Klänge die da aus dem Äther quäken sind „It`s only Rock `n`roll but i like it“! Verdammt, das war gar kein Traum. Gut, 1965 war der Autor dieser Zeilen eher noch der Beuteltraum seines Vaters, und er hätte sich gewünscht schon ein paar Jahre früher das Licht der Welt erblickt zu haben, aber der Rest ist echt. Die Band heißt Rolling Stones und steht auch im 55. Jahr ihrer Gründung alles andere als im Abseits.

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Zeitsprung: 20.06.1995, Köln – Müngersdorfer Station; Mein bisher einziger Konzertbesuch eines Rolling Stones Gig. „Zu den alten Säcken gehst du noch hin?“, musste ich mir damals von meinen Kumpels anhören. „Die sind doch schon längst in Rente….“. Pustekuchen. Geschlagene 17 Jahre später, anno 2017, touren die zwar mittlerweile nun doch in die Jahre gekommenen Briten, immer noch um den Globus und vermitteln den Menschen ihre Botschaft vom Rock `n` roll. Charlie Watts (76), Keith Richards (74), Ron Wood (70) und Mick Jagger (74), werden einfach nicht müde, und ihrem Ruf, „größte Rock `n` roll Band der Welt“, einmal mehr gerecht. Mag man über die fortgeschrittene Evolution in ihren Gesichtern denken was man wolle, Tourmüdigkeit kann man ihnen jedenfalls nicht vorwerfen. 1995 war es die „Voodoo lounge“ Tournee, die die Fans in der Domstadt begeisterte. Heuer war der Austragungsort rund 40 KM nördlich, in Düsseldorf, und die Tournee wurde „No filter“ betitelt. Sämtliche Eintrittskarten waren trotz sehr hoher Preise in Windeseile ausverkauft, sollte es doch die letzte Tournee der Stones sein. Letzte Tournee? Ich meinte sowas schon mal 1990, 1995, 2000, 2006, 2011, 2014 und 2017 gehört zu haben…. Die alten Knochen lassen sich nicht unterkriegen. Und das ist gut so!

09.10.2017, Düsseldorf – Esprit Arena; Ein letztes Mal Rolling Stones, zumindest für meine Wenigkeit, soviel ist sicher. Und es sollte nochmal ein Fest werden. Gegen 18.30 Uhr herrschte am Stadion reger Betrieb. Schwarzmarkthändler boten überteuerte „Restkarten“ an und überall sah man die Tongue auf T-shirts prangen. Entweder unter rundlich geworden Bäuchen, an schmalen Typen oder blonden Groupies. Aber auch junge Fans waren dabei, die jene Band wahrscheinlich heute zum ersten -und letzten Mal gesehen haben. Über Regen brauchte man sich keine Gedanken zu machen, das Dach der Arena wurde eigens für diese Veranstaltung geschlossen.

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Um 19.15 Uhr sollte das Konzert mit einem kalifornischen Suport beginnen, der mir nicht unbekannt war; Die „Rival sons“. 2010 traten sie bereits als Vorband für AC/DC und Alice Cooper auf. Eine gute Visitenkarte also. Und die 2008 gegründete Band aus Long Beach um Sänger Jay Buchana, welche stilistisch gerne zwischen Led Zeppelin, Deep Purple oder Black Sabbath tangiert, heizte dann auch mächtig ein. Mit „Electric man“, „Pressure and time“ oder „Keep on swinging“ begeisterten sie die noch nicht ganz gefüllte Halle.

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Dann war es soweit: Um 20.30 Uhr ging das Licht in der Arena aus, Jubel schallte durch das Geviert des Stadions und die Bühne wurde in ein blutrotes Licht getaucht. Überlaut tönten die Klavier-Akkorde von „Sympathie to the devil“ durch die Beschallungsanlage, begleitet von den obligatorischen „Uhh-Uhh“ rufen der Fans. Die Stones betraten das Geschehen. Überdimensionale Leinwände machten das Konzerterlebnis auch in weiter Entfernung zur Bühne noch zu einem „Wohnzimmererlebnis“. Jetzt gab es kein halten mehr unter den nun  45.000 Besuchern. Ausverkauft. Der Innenraum tobte, enthusiastische Beifallsbekundungen von den Rängen. Das Publikum war bunt gemischt, vor allem in der Altersstruktur. Auffällig aber im Laufe der Show, die Sitzplatzzuschauer waren auch welche. Zwar stürmischer Applaus, aber mal seinen Allerwertesten aus dem Hartschalensitz erheben, gab es nur hier und da mal. Schade. Die ersten 15 Minuten waren bereits ein kleiner „Best of“ Teil; „Sympathie for the devil“, „It`s only Rock `n` roll (but i like it)“, „Tumbling dice“. Man wusste zu begeistern. 

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Mick Jagger war bestens auf das Konzert vorbereitet, begrüßte seine Anhänger auf Deutsch und wagte sogar ein „Düsseldorf heulau“. Die vier Herren von den britischen Inseln wirkten professionell, aufgeräumt und hatten sichtbar Spaß an ihrer Arbeit. Von Altersschwäche keine Spur. Schon mal gar nicht bei Frontmann Jagger, der gewohnt lässig und laziv über die Bühne tanzte, wenn auch auf die sonst gern genommenen Sprints von Rand zu Rand verzichtete. Es sei ihm angesichts seiner 74 Jahre verziehen. Dafür erzählte er gut gelaunt dass die Band 1965 zum ersten Mal in Düsseldorf gelandet seien, zu ihrem ersten Deutschlandkonzert in Münster. „We love Düsseldorf“, so der Bandchef. Einzig bei Keith hatte ich das Gefühl dass er ab –und an mal eine falsche Seite anschlug, aber hey, es sind Stones da vorne, alles gut!  Drummer Charlie Watts ist von jeher die Ruhe selbst, und war übrigens der einzige, der seinem Alter entsprechend gekleidet war. Aber das ist ja Geschmackssache…….

Mit „Just your fool“ und „Ride `em down“ wurde anschließend eine kleine Bluessession aus ihrem gefeierten 2016 erschienen Album "Blue & lonesome" eingeleitet, in welcher Jagger eine fantastische Harp spielte und Keith und Ron einen wunderbaren Blues praktizierte. Die Jungs kamen in dieser Phase so richtig in Fahrt, hatte man doch sicher den großen Erfolg des Albums im Hinterkopf. 

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Es folgten „“Get off my cloud“ und das fantastische „You cant`t always get what you want“, im dem Jagger zur Akustik-Gitarre griff. „Paint it black“ wurde roh und dreckig dargeboten, ein echter Klassiker im Reportrait der Band. Auffällig, die absolut perfekt abgestimmte lightshow und die auf den XXL Leinwänden dargebotenen Livebilder vom Konzert, die je nach Stimmung und Song in Farbe und Gestimmtheit angepasst wurden. Es war schon beeindruckend. In „Honky tonk woman“ sprangen endlich mal zwei Mädels aus meiner Reihe von ihren Sitzen und tanzten ausgelassen zu dem 1969`er Klassiker. Endlich wurden die Sitzplätze wach....

 

Einen kleinen Abschnitt möchte ich hier Keith Richards widmen. Der Brite aus Dartford in der Grafschaft Kent ist der Motor der Stones, haut immer wieder gravierende Riffs aus seiner „Braut“, und ist für mich die authentischste Person im Ensemble der Engländer. Auch wenn er sich heuer vielleicht mal vergriffen hat, er gibt dem Sound die Würze.  In jedem Konzert bekommt er seine ganz persönliche Würdigung, wenn er seinen Chef für zwei Songs am Mikro ersetzt. In Düsseldorf waren es „Happy“ und „Slipping away“. Letzteres wurde zu einem emotionalen Höhepunkt. Keith zündete sich eine Kippe an, und trug den Song mit teilweise brüchiger aber mehr als authentischer Stimme vor. Es war sein Moment, und den genoss er sichtlich. Während der verdienten Ovationen kniete er sich auf den Boden und bedankt sich bei seinen Fans. Er wirkte etwas fragil, aber das machte ihn sympathisch. Während der Bandvorstellung durch Mick Jagger, kam Keith ans Mikro und teilte uns unter dem Gelächter des Auditoriums mit: „It`s great to be back. It`s great to be anywhere“. That`s Rock `n`roll !!

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Sieben Gastmusiker waren übrigens zusammen mit den Stones auf der Bühne. Neben Backgroundsängerin Sasha Allen auch der ihr langjähriger Tourkeyborder und Perkussionist Chuck Leavell. Die folgenden sechs Titel waren dann wieder eine „greatest hits“ Show, ganz im Sinne der Fans. „Miss you“, „Midnight rambler“, oder „Start me up“, brachten das Rund des Stadions zum kochen. Mick Jagger hatte zu jeder Zeit das Geschehen unter Kontrolle und gab alles für die 45.000. Erinnerungen, Emotionen und Vergängliches, all das wurde plötzlich gegenwärtig. Kein Auflehnen mehr gegen die Gesellschaft, keine Rebellion, kein Aufheizen der Jugend, aber die Rückblende an eine unvergessliche Zeit. Dieses kam besonders nochmal bei „Brown sugar“ und „Jumping jack flash“ zum Tragen, welche Songs dich für einen kleinen Moment nochmal in jene Zeit zurück katapultierten.

"Jungspund" Ron Wood (70) bei der Arbeit.
Glücksstrahlende Fans im Innenraum.
Bandchef Mick Jagger.

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Nach 1 Stunde und 50 Minuten endete dann der offizielle Teil der Show. Soweit ich es im Halbdunkel erkennen konnte verließ man gar nicht erst die Bühne, sondern sammelte sich nur kurz im Hintergrund und war bereit für die Zugabe. Die erste Encore-Nummer wurde dann auch mein persönlichster Moment jenes letztes Stones abends. „Gimme shelter“ wurde angeschlagen, und das Geschehnis wurde für mich noch mal gefühlt authentisch. Nicht dass es dass vorher nicht gewesen wäre, aber irgendwas veränderte sich. Den Gesangspart teilte sich Mick nun mit Backgroundsängerin Sasha Allen. Gemeinsam schritten sie über den T-förmigen Steg zum Bühnenende und trugen den Song in solcher einer Authentizität vor, dass man sich einer Gänsehaut nicht erwehren konnte. Ich war wie weggetreten, völlig aufgehend in dem Song.                                                          

Backgroundsängerin Saha Allen.

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Dann war es soweit; Wenn die ersten Klänge von „Satisfaction“ erklingen, ist es gleichzeitig der letzte Titel des Sets. Und der wurde zelebriert. Es war ihre letzter Song im vermutlich letzten Deutschlandkonzert in der Vita dieser großartigen Band. Und irgendwie spürte man das. Die Arena rastete nochmal völlig aus, überall feiernde und tanzende Fans, manchmal nicht ohne ein Tränchen in den Augen. Derweil zogen die „Steine“ den Klassiker  in die Länge, ließen durch Keith und Ron immer wieder das Intro ertönen, es glich einer Endlosschleife. Als wollten sie nicht loslassen. Es war pures Adrenalin, was die 45.000 im letzten Akt mit ihren Idolen verband. Nach gefühlten 10 Minuten gab der Bandchef an Charlie Watts das Zeichen zum Schlusspunkt, und „Satisfaction“ verklang im Rund der Arena. Mick und die Band verneigten sich vor dem Publikum, vielleicht nicht ohne Wehmut. Es war ein ergreifender Moment.

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Fazit; Ob Eintrittspreise zwischen 200 – 600 Euro nun gerechtfertigt sind oder nicht, ist und bleibt Ansichtssache. Jeder kann das für sich selber entscheiden. Die Rolling Stones jedenfalls brauchen sich auch mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren und im 55. Jahr ihres Bestehens vor nichts und niemanden zu verstecken. Im Gegenteil. Sie klingen immer noch authentisch, echt und überzeugend. Die jugendliche Rebellion ist freilich gewichen, aber der Stolz ihres Schaffens geblieben. Und das ist gut so. Und vielleicht gibt es ja doch noch mal ein Wiedersehen, mit Mick, Keith, Ron und Charlie. Die Fans würden es ihnen danken!

 

„It`s only Rock `n` roll, but we like it“. Wie recht sie haben.

 

 

 

 

rockfrank

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Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

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Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

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Gary Moore

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Layla Zoe

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Wolfgang Niedecken

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