in charge of rock `n` roll
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            Auf den Spuren von Janis Joplin

Janis Joplin, Big brother & the holding company

Frankfurt am Main und Mannheim am Rhein

Unbürgerliches Verhalten , gegen alle gesellschaftlichen Auflagen rebellieren und eine Stimme  die ihres gleichen sucht - Janis Joplin! Viele Bücher sind rund um diese Ausnahmeerscheinung bereits erschienen, viele Rezensionen über ihre Platten geschrieben. Hier geht es dem Autor aber nicht um ihre Biografie, sondern heute will ich einfach nur Spaß haben! Zu gern hätte ich einen Trip nach San Francisco unternommen um auf ihren Spuren zu wandeln und die Stadt unsicher zu machen, aber ich habe erst mal klein angefangen, und fuhr am 10.06.2012 nach Frankfurt am Main;

 

Es war Frühjahr 1969. Nicht das ich da schon irgendein Mitspracherecht hätte, dass Licht der Welt erblickte ich erst 2 Jahre später, aber hier beginnt nun mal meine Story. Janis Joplin, mittlerweile eine nationale Größe in den Staaten, bricht zu ihrer ersten Europa Tour auf und besucht in diesem Rahmen auch Deutschland, wo sie in Frankfurt am 12. April ihr einzigstes Deutschlandkonzert in der dortigen Jahrhunderthalle gab. Ihre Band hieß zu dieser Zeit The Kosmic blues band und ihre Musik war mit dieser Combo soulig angehaucht und weiter wild. Janis liebte die Bühne, es war der einzigste Ort wo sie sich wohl fühlte, wo sie all ihren Kummer ausleben konnte und sich im Publikum verlor. Ein Konzert war der Moment wofür sie lebte. In einem Buch von Gottfried Blumenstein – „Janis Joplin“, las ich einst: Janis Joplins Ideal war der totale Bühnenrausch. Sie wollte in jedem Konzert mit dem Publikum ein Fest der Liebe, Ekstase und Sexualität feiern. Über ihre unvergleichliche raue Stimme brauche ich wohl keine weiteren Worte zu verlieren. Stimmbänder jener Art findet man heute nur noch selten, ansatzweise können hier Dana Fuchs oder Beth Hart mithalten. Am erwähnten 10.06.2012, und jetzt komme ich zur meiner Geschichte, spielte ihre erste Band, die Big brother holding company im, von Frankfurt aus gesehen, 88 KM entfernten Mannheim in einem dort ansässigem Lokal namens 7er Club. Drei Gründungsmitglieder der Band die einst mit Janis Joplin musizierten sind noch aktiv aus der in jener Zeit legendären San Francisco Band. Sam Andrews, Peter Albin und David Getz. Sie treten ab und an noch mit wechselnden Frontfrauen auf und pilgern durch die Lande. Das wollte ich mir nicht natürlich entgehen lassen; Drei originale Bandmitglieder von Big brother die einst mit Janis auf der Bühne standen. Mit der Frau über die ich schon so viele Biographien gelesen habe, deren Werdegang mich nach wie vor fasziniert. Und nun die Gelegenheit ihre ehemaligen Mitstreitern zu erleben, da musste ich einfach hin. Der Preis dafür war hoch; Es gab keine vernünftige Rückfahrtmöglichkeit mehr für mich und so reiste ich in der Erwartung nach Mannheim die anschließende Nacht größtenteils auf dem dortigen Hauptbahnhof zu verbringen….

 

So kam es zunächst dass ich mich an jenem Junisonntag um 14.44 Uhr in den ICE von Köln nach Frankfurt setzte, auf dem Weg zur Jahrhunderthalle, die ich vor dem Mannheimer Konzert unbedingt besuchen wollte.

Ausgerüstet mit einer Digitalkamera, einer alten Bootleg Vinyl LP  von einem Konzert in San Francisco 1967, einer kühlen Dose Bier und einem Streifen Voltaren Tabletten (man wird ja nicht jünger….), düste ich, leider nicht ganz so entspannt wie gedacht, denn der Zug war ziemlich ausgelastet, mit Tempo 250 KM/h und mehr durch den Westerwald, in stiller Vorfreude auf dass anstehende Ereignis. Auf der parallel laufenden A3 mühten sich teure Karosserien ab, dem ICE etwas kontra zu bieten, erfolglos. Ich raste weiter `gen Frankfurt, Wolken und Sonne wechselten sich am Himmel ab, etliche Tunnel unterbrachen diese Kulisse. 15.48 Uhr, Frankfurt; Nach nur etwas über  eine Stunde stieg ich  aus der weißen Schienerakete und suchte die S-Bahn Linie 1 auf, welche mich zur Station Frankfurt (Höchst) - Farbwerke bringen sollte, wo sich die Jahrhunderthalle befindet. Nach kurzer Fahrt dort angekommen, war ich vom ersten Blick an berührt. Die Halle strahlt einen eigenartigen Charme aus, weit ab von allen Arenen, Stadion oder sonstigen Multifunktionsstätten.

Man fühlt sich gleich in der Zeit zurückversetzt. Tatsächlich fand an diesem Sonntag, was ich aber nicht wusste, eine Plattenbörse dort statt. Wie passend! Man befand sich zwar gerade schon im Abbaubetrieb, es war mittlerweile 16.30 Uhr, trotzdem hatte ich noch die Gelegenheit kurz in der ein- oder anderen Kiste zu stöbern, vielleicht schnell eine Platte von Big brother ergattern. Letztendlich bin ich nicht fündig geworden, aber die Beste Scheibe hatte ich ja eh bei mir. Seitlich der Halle entdeckte ich einen Treppenaufgang zum oberen Konzertsaal der Halle, welche in verschiedene Räumlichkeiten aufgeteilt ist. Und hier überkam es mich, dass definitive „Ich fühle mich in der Zeit zurück versetzt“ Gefühl. Als ich vor dem Eingang der oberen Halle stand in der Janis damals wohl spielte, hinter den gläsernen Türen altmodische Vorhänge entdeckte, welche die Sicht ins Innere verwehrten, fühlte ich mich Janis auf merkwürdige Weise verbunden, vielleicht auch nur der Zeit von damals im Allgemeinen, irgend so etwas.

Ich fühlte förmlich die Menschen von damals durch die Türen ins Innere strömen, in der Erwartung Janis Joplin & the Kosmic blues zu erleben. Überhaupt war hier ein Ort der Stille, Zeit zum gedanklichen abschweifen.

 

Auzug aus Ihre setliste damals;

 

Raise Your Hand
Try(Jast A Little Bit Harder)
Me
Maybe
Summertime
Ball&Chain
Take Another Piece Of My Heart

 

Spätestens nach meiner Rückkehr am Frankfurter Hauptbahnhof holte mich die Gegenwart bedingungslos und ohne Rücksicht auf meine Gefühlswelt wieder ein. Lärm, Stress und volle Züge warteten nur darauf mein Nervenkostüm zu testen. Ich hielt stand, wenn auch widerwillig. 18.50 Uhr, Mannheim Hauptbahnhof; Nach einer stressigen 38-minütigen ICE Fahrt, beeilte ich mich um meinen Anschluss nach Mannheim  - Neckarstadt zu erreichen, wo Big brother & the holding company heute spielen sollten. Der 7er Club lag am Rande des Hafengebiets, das Viertel strahlte eine entsprechende authentische Stimmung aus. Der in die Jahre gekommene Club passte wie Faust aufs Auge hierher. Äußerlich etwas verwildert, aber keineswegs unattraktiv, haben im dunklen Inneren wohl schon einige Akteure in die Seiten gegriffen.

Die Zuschauerkulisse am Abend dagegen war ein Trauerspiel. Beim Konzert selber zählte ich rund 20 Leute, da waren aber schon 3 oder 4 vom Personal dabei. So etwas hatte ich zuletzt in Duisburg von einem Konzert der schwedischen Band „The circle“ erlebt. Für die Musiker sicher kein schöne Erlebnis. Für uns allerdings umso mehr, denn die Sache hatte etwas von einem Wohnzimmerkonzert, einer Privatveranstaltung, nur für uns. Aber hey, hier waren nicht Circle am Werk, hier standen die Jungs von Big brother & the holding company auf der Bühne, immerhin eine der bedeuteten San Francisco Bands seinerzeit. Zu meinem Entsetzten erfuhr ich dann noch dass der Drummer, David Getz, krankheitsbedingt ausfiel und ein Ersatzmann hinter der Schießbude saß. Nun gut, ich nahm es wie es war. Die Vorfreude auf das Konzert sollte diese Tatsache nicht trüben. Aber noch mal zum Publikum, und jetzt hört genau hin; Der Kern dieser kleinen geselligen Runde bestand aus zwei Franzosen, die irgendwo im schönen Frankreich bereits früh morgens um 05 Uhr mit dem Auto gestartet sind um dieses Konzert heute mit zu erleben, David aus Berlin, der eigentlich aus Kalifornien kommt aber in der Hauptstadt lebt und extra für Big brother angereist ist, Martin aus Görlitz, der unumstritten mit rund 700 KM die weiteste Anreise hinter sich hatte, und einigen anderen verstreuten Leuten aus dem Lande. Soviel zur Popularität der BandJ Von David erfuhr ich dass er Janis bereits als 14-jähriger in einer Universität in Kalifornien LIVE erleben durfte, da sein Vater dort arbeitete und ihn zu den dortigen Konzerten mit nahm. Bewundernswert! Neid und Freude für David schwelgten in meinem Kopf. Janis live zu sehen muss ein umwerfendes Erlebnis gewesen sein. Behalte die Erinnerung gut bei dir, lieber David! Lange vor Konzertbeginn schlenderte Peter Albin bereits durch die Halle und dem dazugehörigem Biergarten, schrieb fleißig Autogramme und stellte sich für obligatorische Bilder zur Verfügung. Genau was ich mir wünschte. Meine alte Bootlegscheibe war schon mal von einem Mitglied signiert und ein Foto im Kasten (siehe oben). Peter war sehr umgänglich und unterhielt sich lange mit seinen Fans auch wenn wir in einer sehr überschaubaren Menge um ihn herum standen. Durch seinen Hut und sein „Strandhemd“ wirkte er eher wie ein Badeurlauber, es verlieh ihm aber eine sympathische Note. Später gesellte sich dann Sam Andrew zu uns, der ebenfalls zuerst die Autogramm- und Foto wünsche erfüllte.

Sam nahm sich viel Zeit für seine Fans, fragte mich sogar nach meiner Arbeit und wo ich wohnte, selbst meine Frau interessierte ihn. Ein Herzenslieber Kerl, der gleich den Kontakt zu uns suchte. Dann geschah etwas unglaubliches, ich konnte es nicht fassen; Sam Andrews zückte sein Handy und bat mich doch ein Bild von ihm mit ein, zwei Fans zu machen, danach auch mit mir!! Wie bitte?! Ich stand also völlig fassungslos im Areal des Biergartens, das Handy von SAM ANDREWS in der Hand und erfüllte seinen Bilderwunsch… Unglaublich. Das ist Rock n roll Freunde. Das ist es was uns verbindet, hier sprechen wir alle dieselbe Sprache. Ich werde das nie vergessen.

 

Pünktlich um 21Uhr ging es dann los, allerdings nicht mit Big brother, sondern eine Vorband aus München Namens „Moonband“. Wer Folk/Country, Bob Dylan oder ruhige Springsteen Nummern mag, dem kann ich diese jungen Musiker nur wärmstens empfehlen. Sie zauberten im nu eine authentische, warme Stimmung in das Auditorium, weit ab von Stress und Hektik, und ich war gleich gefangen von ihrer Musik. Beim letzten Song schlenderte ich noch mal in den Biergarten wo Peter Albin immer noch bei einem Gläschen saß, und jemand ihn informierte dass sie nun auf die Bühne müssten. „Do i have to work now?“ fragte er amüsiert.

Dann ging es los! Big brother, nun gut, sie bestanden nur noch aus Sam Andrews und Peter Albin, kamen mit Ersatzdrummer, einem 2. Gitarristen, Tom Finch, und einer „Frontfrau“ Namens Mary Bridget Davies auf die Bühne und hauten gleich in die vollen, in dem sie die Show mit „Down on me“ eröffneten. Puhhh, eine Röhre ähnlich wie Janis hatte Mary auf jeden Fall. Sie suchte gleich den Kontakt mit dem Publikum und spielte sich locker in den Vordergrund, immer im Einklang mit ihren Musikern und in ständiger Konversation mit ihnen. Es folgten eine Reihe Janis Joplin Hits, aber auch eigene Kompositionen von Big brother.

 

Und so wurden wir Stück für Stück durch alte Zeiten geführt, vorgetragen von einer Solisten, die sich ihrer Rolle sehr wohl bewusst war und diese auch professionell und mit viel Gefühl umsetzte. Down on me, Combination of the two, I need a man to love, Call on me, Bobby McGee, und und und, es war fantastisch, der Funke sprang sofort über. Ich möchte hier ausdrücklich betonen dass es ein tolles Erlebnis, ein klasse Konzert war, jedoch vermisste ich mein persönliches Janis feeling, welche mich Stunden zuvor noch an der Jahrhunderthalle in Frankfurt beschlichen hatte. Es war ein gelungener Auftritt der Band, keine Frage. Und klar, es war nicht mehr 1969, es war 2012 und Peter und Sam nicht mehr 25 sondern um die 70J Aber dafür hatten sie es noch verdammt gut drauf! Alle Musiker beherrschten ihre Arbeitsgeräte exzellent und füllten die kleine Halle mit energiegeladener Stimmung. Ich möchte dieses Erlebnis nicht missen und bin Dankbar die beiden Jungs noch live erlebt zu haben.

 

Die Big brother setlist heute;

 

Down on me

Combination of the two

I need a man to love

Call on me

Unbekannt (wahrscheinlich neueres bb Stück

By, By Baby

Blindman

Summertime

Turtle Blues

Me & Bobby McGee

Unbekannt (wahrscheinlich neueres bb Stück

Unbekannt (wahrscheinlich neueres bb Stück

Women Is Loser

Peace Of My Heart

Ball & Chain

 

 

Als die Band von der Bühne ging und wir um eine Zugabe buhlten, kamMary Bridget Davies dann noch einmal alleine zurück. Und als sie dann gefühlvoll Mercedes Benz als einigste Zugabe anstimmte, da beschlich es mich doch ein wenig, das Janis Gefühl. Ganz leicht nur, aber für einen Augenblick war es da. Danke Mary!

In diesem Sinne, keep on rocking`, 

 

 

 rockfrank

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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