in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

                           Sam Andrew  †

Ein Nachruf von Martin K.

Be A Brother

 

Es gibt kaum eine Band die mich so lang durch mein Leben begleitet wie Big Brother And The Holding Company. Mit 13 Jahren hörte ich sie zum ersten mal bewusst. Die Stimme von Janis Joplin, das expressive Gitarren Spiel von James Gurley, die lockeren Bass-Linien von Peter Albin, das treibende Schlagzeug von David Getz und die klare Rock-Linien von Sam Andrew Gitarre zogen mich sofort ihn Bann. Seit dem ist die Musik von Big Brother ein fester und sehr wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Mir war klar, „diese Band muss ich live sehen“! Trotz dem es noch etwa 13 Jahre dauern sollte, bis es dazu kommen sollte fühlte ich immer eine tiefe Verbundenheit und eine Art Freundschaft zu dieser Band, auch wenn ich sie bis dahin nie persönlich kennen gelernt habe. Umso schwerer fällt es mir nun die folgenden Zeilen zu verfassen:


Als ich am Sonntag (dem 15.02.2015) eine E-Mail von meinem Freund David bekam ahnte ich nichts böses. Als er mir jedoch mitteilte, das Sam Andrew am gestorben sei, konnte ich es nicht fassen! Ich war so sehr von dieser Nachricht geschockt, das mir die Tränen kamen! Zumal der 15.02. jetzt für mich nun eine zweite traurige Bedeutung bekommt, so ist es doch auch der Todestag meines Vaters. Das ich diese Nachricht ausgerechnet an diesem Tag bekomme, muss wohl Schicksal sein.

 

Sam Houston Andrew III kam am 18. Dezember 1941, in Taft, Kalifornien zur Welt. Dadurch dass sein Vater beim Militär war, war die Familie gezwungen oft umzuziehen. Bereits in jungen Jahren entdeckte Sam seine liebe zur Musik und gründete mit 15 Jahren, in Okinawa, seine erste eigene Band, die „Cool Notes“. Er widmete sich sein ganzes Leben dem Schreiben von Songs und bereits im alter von 6 Jahren komponierte er erste Melodien. Einflüsse für den jungen Sam waren wohl vor allem solche Rock'n'Roll-Größen wie Chuck Berry, Bo Diddley und Little Richard so wie der Delta-Blues. Nicht nur das er mit 15 bereits seine erste Band hatte, Sam bekam auch seine eigene wöchentliche TV-Show, eine Okinawa-Version von „American Bandstand“.

Kurz nach Sams Abschluss an der High School wurde sein Vater zur Hamilton Air Force Base im Norden von San Rafael, Kalifornien versetzt. Sam begann an der Universität von San Francisco zu studieren und kam so in Kontakt mit der Folk-Musik Szene der frühen 60er in San Francisco.
Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Paris traf er in der 1090 Page Street Peter Albin, was wohl die Geburtsstunde von Big Brother And The Holding Company gesehen werden kann. Der Name der Band hat sich die Gruppe während eines Monopolyspiels ausgedacht. Zusammen mit James Gurley – der seit November 65 Dave Eskerson in der Band Ablöste, da dieser laut amerikanischen Jugendschutzbestimmungen zu jung war um in Bars zu spielen -  schrieb Sam ein paar der besten psychedelic Gitarre Solos, welche 1997 auch vom „Guitar Player Magazine“ gewürdigt wurden. Das Magazin nahm die Arbeit von Andrew und Gurley an „Summertime“ in ihre „Top ten of Psychedelic solos in music history“ auf.


Ende 1965 hatte Big Brother endlich ihren ersten Live Auftritt bei einem Benefizkonzert im Open Theater in Berkley und bereits am 22. Januar '66 ihren ersten bezahlten Auftritt in der Longshoreman Hall. Chet Helms übernahm schließlich das Management und organisierte für die Band Auftritte in der gesamten Bay Area. Ein mal pro Woche traten sie zudem als Hausband in Helms' „Avalon Ballroom“ auf. Schnell avancierte Big Brother zu einer der angesagtesten Bands in San Francisco und Umgebung. Bevor Janis in die Band kam, sang Sam die meisten Stücke. Im Juni 1966 stieß schließlich auch Janis Joplin zur Band. Sie war von Sam beeindruckt. Nicht nur „weil er so gut aussah“ sondern auch weil er durch seine Intelligenz überzeugen konnte. Janis erzählte dass er auf Tourneen im Flugzeug, in Büchern las die in Latein waren, wobei jeder andere leichte Lektüren in der Hand hatte. 1968 verlies Sam zusammen mit Janis, die eine Solokarriere startete, Big Brother. Er trat Joplins Neuer Band, der Kozmic Blues Band, bei. Neun Monate und ein Album später ging jedoch er zu Big Brother zurück.


Nach dem sich Big Brother 1972 auflöste, zog Sam für 8 Jahre nach New York und studierte Harmonielehre und Kontrapunktig an der New School for Social Research sowie Komposition an der Mannes School of Music. In dieser Zeit verfasste er Musik für mehrere Filme in den USA und Kanada und schreib zwei Streich Quartette sowie eine Symphonie.


1987 vereinigte sich Big Brother neu und gingen seit her regelmäßig auf Tour. Und wenn sie mal nicht unterwegs waren, tourte Sam mit seinem Soloprojekt (The Sam Andrew Band).

2012 war Big Brother wieder auf Tour auch durch Europa. Unter anderem verschlug es sie am 10. Juni nach Mannheim. Ich wohnte zu dieser Zeit noch in Görlitz (an der deutsch-polnischen Grenze) und steckte gerade mitten in meinem Abitur. Es waren noch ein paar Prüfungen zu absolvieren und meine mündliche Geschichtsprüfung auch noch direkt am 11. Juni! Das hielt mich aber nicht davon ab mir eine Karte für das Mannheim-Konzert zu kaufen. Dadurch, dass ich mein Abitur nach holte, war ich glücklicherweise am Abendgymnasium und hatte somit etwas Zeit für die Rückreise. Ich fuhr also insgesamt 13 oder 14 Stunden bis Mannheim, war aber trotzdem noch gut drei-einhalb Stunden vor Konzertbeginn am Veranstaltungsort. Das Konzert fand im „7er Club“ statt und dadurch dass so früh da war (ich war der erste) konnte ich sogar dem Soundcheck lauschen. „Wenn der Soundcheck schon so toll klang“, dachte ich mir, „dann muss das Konzert großartig werden“. Und selbst dass sollte für mich persönlich noch eine Untertreibung sein, wie sich wenige Minuten später noch herausstellen sollte. An diesem Tag hatte ich – in Hoffnung auf Autogramme – das Debütalbum der Band bei mir. Eine Platte die mir sehr viel bedeutet da es erstens, die Originalpressung von Mainstream Rec. (aus dem Jahr 1965) ist und zweitens meine Mutter sie mir zu meinem 18. Geburtstag geschenkt hat. Wie dem auch sei...


...Als der Soundcheck zu Ende war, öffneten sich die Tore vom 7er Club und ein Mann lies einen VW-Bus (wahrscheinlich von Big Brother oder von der Vorband) vom Gelände fahren. Der Mann der den Kleinbus raus ließ sah mich an, sah meine Platte, stellte fest, dass ich wegen dem Konzert da bin. Da ich schon so früh da war fragte er mich wo ich her komme. Als ich ihm von meiner langen Reise erzählte schien er sehr erstaunt zu sein. Er rief schließlich zu einem zweiten Mann „Ey Chef! Kannst du hier was für ein Fan tun?“. Ich sollte einen Moment noch am Tor warten während er seinem Chef meine Geschichte erzählte. Als er wieder kam meinte er nur: „komm mit!“. Er führte mich zu einem Tisch im Vorhof vom Club und sagte zu mir: „Sets dich ruhig schon mal hin. Die Band kommt gleich. Sam checkt nur noch E-Mail und Peter isst noch, aber sie werden gleich kommen.“
„Passiert das jetzt wirklich“ dachte ich. „Träum ich oder wach ich“,  „War das jetzt ein Scherz oder meint er das ernst“. Ich konnte es einfach nicht glauben. Erst als Sam Andrew vor mir stand realisierte ich: „ja, das passiert wirklich“. Er gab mir die Hand, wir stellten uns einander vor und redeten. Er fragte mich ob es stimmt was er gehört hat, ob ich wirklich so weit nur für das Konzert angereist bin. Als ich ihm sagte dass es stimmt war er sehr erstaunt und hat sich sichtlich darüber gefreut. Bereitwillig unterzeichnete er mein Plattencover. Er verlies noch mal kurz den 7er Club, da er noch irgendetwas holen musste.
Schließlich war auch Peter Albin fertig mit essen und begrüßte genauso freundlich wie Sam, unterschrieb mein Plattencover und auch er stellte mir die gleiche Frage. Wir unterhielten uns noch eine Weile und auch er hat sich sichtlich darüber gefreut, dass ich diesen langen Weg für sie auf mich genommen habe.
Nach dem die Tore auch für den Rest der Konzertbesucher geöffnet wurden, unterschrieben Sam und Peter auch noch für alle anderen Plattencover, Bücher, Fotos und Schuhe (eine Mädchen aus Italien hatte Schuhe mit Motiven von Big Brother). Sam sprach mich, nach dem die meisten Autogrammwünsche erfüllt waren, erneut an und fragte mich ob es möglich ist das er ein Foto mit mir, mit seinem Smartphone machen würde, was ich ein wenig verwirrend fand, denn fragt nicht normalerweise der Fan ob er ein Foto mit seinem Star machen dürfe(?). Natürlich sagte ich ja, schließlich war es mir auch eine Ehre dass mich Sam danach fragte. Wir unterhielten uns dann noch eine weile und wir verstanden uns sehr gut.
Das Konzert wird für mich immer etwas ganz Besonderes sein und die Begegnung Sam und Peter, ihre freundschaftliche Art und die Tatsache, dass ich die beiden so persönlich kennenlernen durfte, werde ich immer als außerordentliches Privileg und eine große Ehre betrachten.
Es war wohl das schönste Konzert auf dem ich je war. Nicht nur da mir Big Brother unglaublich viel bedeutet und ich sie kennenlernen durfte, sondern auch weil ich an jenem Tag Frank und David kennen gelernt habe, mit denen ich bis heute in Kontakt stehe, mich mit ihnen über Musik austausche und sie als gute Freunde betrachte! Musik verbindet Menschen! Und das gilt wohl besonders für die Musik von Big Brother And The Holding Company! Denn etwa zwei Wochen nach dem Konzert, bekam ich eine E-Mail von David, mit dem Link zum damalig aktuellen Blog von Sam Andrew („Sundays with Sam“) auf der offiziellen Webseite von Big Brother. Als ich ihn mir ansah fand ich doch tatsächlich das Foto mit mir und Sam wieder welches er mit seinem Smartphone gemacht hat! Ich konnte es kaum glauben und ich fühlte mich sehr geehrt!

Sam Andrew erlitt im Dezember 2014 einen Herzinfarkt. Nach einer OP am offenen Herzen kam es zu Komplikationen. Er kämpfte noch 10 Wochen, doch er verlor den Kampf. Er starb am 12. Februar 2015, um 17:15 Uhr (Ortszeit) friedlich in den Armen seiner Frau Elise. Einen Tag später wurde die Nachricht auf der Facebook-Seite von Big Brother bekannt gegeben.

 

„Dear Friends,
Yesterday, ten weeks after his heart attack and the open-heart surgery that followed it, Sam lost his gallant fight to hold onto the life he lived so well. He died peacefully in Elise's arms at 5:15 pm. There will be much more to say about him in the days to come and there will come a time when we will gather together to remember him. Now is a time for Elise to regather her strength after the long vigil she has kept and the vital role she played in overseeing Sam's care. For now we can all remember him in our own ways until we can remember him together. He lived his life in music and art and a loving marriage. It doesn't get much better than that.


John Byrne Cooke February 13, 2015.“
(von der Facebook-Seite von Big Brother And The Holding Company, 13.02.2015)

 

Ich wünschte ich hätte ihn noch einmal live sehen können, eines seiner Konzerte besuchen können (sei es mit Big Brother oder mit der Sam Andrew Band), einfach nur um „Hallo“ sagen zu können. Aber ich werde immer an dieses tolle Konzert in Mannheim zurückblicken können und mich voller Glück an Sam und seine warmherzige und freundliche Art erinnern könne sowie an das Privileg diesen unglaublich netten Kerl kennen gelernt zu haben. Auch wenn ich ihn an diesem Tag, in Mannheim, zum ersten und leider auch zum letzten mal gesehen habe, betrachte ich ihn als ein Freund, den ich sehr vermissen werde. Schließlich begleitete er und Big Brother mich mehr als die Hälfte meines Lebens.
Doch die Erinnerungen an ihn und das tolle Konzert kann mir niemand nehmen und das ist wohl das größte Geschenk das ich je bekommen habe!
Danke Sam! Du wirst immer mit deiner Musik in unseren Herzen weiter leben! Sicherlich wirst du Janis und James wieder sehen! Ruhe in Frieden!

Musik heilt.

Sarah Smith

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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