in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

Wann immer es mir schlecht geht höre ich „Nebraska“, wann immer ich mich schwach fühle höre ich „Nebraska“, wann immer es mir gut geht, höre ich Bruce Springsteen.

(rockfrank)

               Bruce Springsteen - Nebraska

Bruce Springsteen ist seit jeher meine musikalische Gesinnung, Held meiner Vergangenheit und manchmal noch Gegenwart. Sein schöpferisch vertontes Ethos ist bemerkenswert. Springsteen gibt sich als politischer Beobachter, lebt antirassistische Ideale, ist bodenständiger Rock `n` roller und einfach nahbar. Wann immer es mir schlecht geht höre ich Bruce Springsteen, wann immer es mir gut geht höre ich Bruce Springsteen. Meine emotionale Bindung zu diesem Künstler ist eng. 

 

Einer seiner (anfangs) ungeliebten Perlen ist auch nach weit über 30 Jahren eine solche geblieben (nur nicht mehr ungeliebt) – „Nebraska“. Nach dem Erfolgsalbum „The river“ hatten seine Fans und Kritiker dato sicher etwas anderes erwartet als die sparsam arrangierten und instrumentalisierten Songs auf „Nebraska“, aber Bruce Springsteen ließ sich nicht irritieren, ging seinen eigenen Weg.

Lange habe ich überlegt welche Vorgehensweise ich für dieses Werk wähle, denn es zählt zu einem meiner absoluten Lieblingsalben von Bruce Frederick Joseph Springsteen, dem entsprechend möchte ich es auch würdigen. 1982 erschienen, ich selbst war gerade 11 Jahre alt, konnte also noch gar nicht erahnen welch erhabenes Werk der Boss dato erschaffen hatte, wie sehr es mich viele viele Jahre später noch beeinflussen, begleiten sollte. Vielleicht ist es die melancholische Grundstimmung die sich durch das Album zieht und mich fasziniert, manchmal aufrüttelt, vielleicht jene verzagte Umsetzung einiger Songs, ihre Eindringlichkeit. Die produktionstechnische Kargheit des Albums und die eindringliche Erzählkunst des Künstlers haben durchaus ihre kosmischen Momente, man muss sie nur zulassen. Gemessen an den textlichen Inhalten ist es thematisch eher düster, passt also äquivalent zur erwähnten Melancholie, ohne dabei aber allzu depressiv zu wirken. Es sei dann man will es. Es geht um Schicksalsschläge, Verbrechen, Mord, Gewalt, gescheiterte Liebesbeziehungen und nächtliche Autofahrten. Aber auch die zeitweilen schwierige Beziehung zu seinem Vater verarbeitet er in dem Stück „My father`s house“. Aufgenommen alleine in einem dafür angemietetem Haus in Colts Neck - New Jersey auf einem Vierspurgerät erzählt das Album Geschichten von Isolationen und Missstimmungen in der ländlichen Bevölkerung, gezeugt durch die Situation in der Provinz. Viele der Stücke waren eigentlich als Demoversionen für das Album „Born in the U.S.A.“ gedacht, welches er anno 1982 geplant hatte, entschied sich dann aber doch für dieses nackte Werk als eigenständiges Album, wahrscheinlich um die Bedeutung der Lyriks hervorzuheben, welche im erwähnten Folgewerk, „Born in the U.S.A.“, bei teilweise ähnlicher thematischer Behandlung ja oft missverstanden wurden. Die spärliche Instrumentalisierung in Form von Akustikgitarre und Mundharmonika tut ihr eigenes zur Sache. Nur in zwei Songs kam zusätzlich eine E-Gitarre zum Einsatz. „Nebraska“ ist somit eine unaufdringliche aber wirkungsvolle Schöpfung, welche durchaus dem Folkrock zugeordnet werden darf. Für mich schon fast ein Kunsterzeugnis.

 

Doch zurück zur Vorgehensweise; Zunächst setze ich mich mit dem Album auf meinen Hörplatz. Es ist Mitte Juli, ich mag die langen Tage nicht. Mein „Arbeitszimmer“ liegt Richtung Westen, die Sonne hat ihre Intensität hier also schon verwirkt, außerdem ist es bereits früher Abend, sodass wenigstens eine annähernd authentische Grundstimmung herrscht. Eingehend betrachte die große LP Hülle. Das Artwork beruhigt mich. Ein Landstrich (in Nebraska?!) aus der Sicht eines Autofahrers, (was nicht verwundert, gerade in seiner Frühphase sang der Mann aus New Jersey gerne von Highways und Autofahrten), ziert das dunkel gehaltene Cover, wirkt beruhigend auf den Betrachter. Behutsam ziehe ich das Vinyl aus seiner Schutzhülle, auf dessen Foto der Boss nachdenklich in seinem Haus steht, und lege es vorsichtig auf den Plattenteller. Sanft setzte ich manuell die Abtastnadel in die Startrille.

Leises knistern setzt ein, sofort umgibt eine Aura den Raum. Der opener und gleichzeitig Namensgeber der LP, "Nebraska", ist ein melancholischer, ruhiger Folksong, bestimmt durch die markante Stimme des Interpreten. Gepaart mit seiner akustischen Gitarre bildet sich ein beruhigendes Charisma, welches auch gleich von mir Besitz ergreift. Eingeleitet und im weiteren Verlauf begleitend, wird der Track von Springsteens eindringlicher Harp, man ist sofort ergriffen. Sie gibt dem Song seine Relevanz. Achtet man hingegen auf die textliche Abfassung des Stückes, merkt man schnell dass es hier weniger um Harmonien geht, sondern um einen Serienmörder, der in Nebraska, zusammen mit seiner Freundin, elf Menschen ermordete. Weiß man also um das Handlungsgerüst, verinnerlicht sich man die Lyrics, begreift man erst wie Musik und Inhalt harmonieren, sich quasi ineinander fügen. Boss wie hast du das gemacht? Und so kann es passieren dass ich mich intensiv in das Stück versetze, es regelrecht einsauge oder meine eigenen Gefühle darin verarbeite, vorzugsweise in trübsinnigen Phasen elegischen Denkens.

 

"Atlantic city", der zweite Teitel des Longplayers, seit jeher ein Klassiker in Springsteens Repertoire, hat auch nach all den Jahren nichts von seiner Intensität eingebüßt. Eine wahre Perle, die man unbedingt auch mal live gehört haben sollte. Im Kern handelt er hier das Schicksal eines Kleinkriminellen ab, der anscheinend auf die schiefe Bahn gekommen ist. Der Refrain ist (ein)-prägend und unverkennbar, „meet me tonight in Atlantic city“. Ich liebe dieses Stück! Im folgenden „Mansion on the hill“ hingegen erzählt eine Kindheitserinnerung, fast wehmütig klingt Bruce Springsteen hier, gedankenverloren. Unwillkürlich schließe ich die Augen, lasse mich von dem Stück treiben. Was hat man nicht selber in der Frühphase seines Seins alles angestellt war von Dingen fasziniert, wie der Protagonist hier von einer alten Villa auf einem Hügel. Das angrenzende „Johnny 99“ erzählt inhaltlich von einen Mord, Bruce eröffnet den Track mit gespenstigem Heulen. Überhaupt zieht sich er Tod rein thematisch auf diesem Album durch viele der Songs, meistens durch gewaltsame Taten, wie eingangs erwähnt. Ungeachtet dessen erwische ich mich bei diesem Track beim dezenten mitwippen. Denn blendet man den Text mal aus, bleibt ein ungezwungener midtempo track, der sich selbstgenügsam gibt, sich aber trotzdem nachhaltig in mir einbrennt.

 

Es rauscht leise weiter zwischen den Titeln, die Nadel sucht sich ihren Weg durch das Vinyl, Rille für Rille. “Highway patrolman” ist ein ruhiger, folklastiger song der aufgrund seiner pessimistischen Befindlichkeit ein bisschen meine Gefühlswelt beschreibt. Irgendwie mag ich solche Stücke. Der besungene Charakter in diesem Vocalstück ist ein Staatsangestellter der einen nichts taugenden Bruder hat welchen er immer wieder von der schiefen Bahn zurück holt, ihn aus jedem Schlammassel zieht, und letztendlich entkommen lässt als er ihn nach einem Gewaltverbrechern selber jagen muss……Tragisch. Das für mich finale, finstere aber absolut fantastische „State trooper“ ist wohl einer der Höhepunkte depressiv wirkender Songs, ich suhle mich quasi in dem Stück. Seine Unmittelbarkeit trifft mich mit voller Wucht, der Song ist manisch, genau wie die Figur, der er umreißt. Lässt man das Stück näher an sich heran gewinnt es schnell an Tiefe und Intensität, bildet eine Allianz aus gequälter Psyche und innovative Klangästhetik, auch wenn das auf Grund der reduzierten Instrumentalisierung etwas überzogen klingt. Dass Springsteen hier eine E-Gitarre einsetzt gerät fast sekundär, so sehr nimmt einen das Stück ein. Man muss Text und Musik einfach im Kontext sehen, dann hat man den Song verstanden. Der bedrohlich wirkende Ausklang in Form eines hysterischen Schreis wirkt gleichzeitig wie ein Weckruf und bestärkt mich in meiner Psyche. Mit nur 03:15 Minuten fällt der Song gefühlt zunächst recht kurz aus, vielleicht ist aber genau dass der Schlüssel für seine Wirkung. Je öfter ich ihn höre desto mehr scheint er Besitz von mir zu nehmen….

 

Vorsichtig drehe ich die Platte rum und warte gebannt auf die weitere Tonkunst.

Und schon mit den ersten Klängen von „Used cars“ beginnt eine innere Entspannungsphase in mir. Keiner Ahnung was es ist, ich gebe mich einfach dem Stück hin, blende formulierte Inhalte aus und lasse mich vom groove treiben. Es klingt fast kultiviert, gemessen am Gesamtwerk. „Open all night“ dagegen besticht durch den plakativen Einsatz der E-Gitarre, fällt fast etwas aus der Rolle und gibt ein schnelleres Tempo vor, hält man sich das Album gänzlich vor Augen. Auch Bruce Stimmlage ist etwas höher angesiedelt, der Text wirkt relativ rapid abgehandelt. Das mag sich nun etwas aberkennend anhören, ist aber so nicht gemeint von mir. Es kommt nur etwas überraschend in der geraden ruhigen Spanne, die mich eingenommen hat. Die Figur in dem Song jagt derweil in einem frisiertem Wagen durch New Jersey auf dem Weg zu seinem Mädchen, welches irgendwo auf ihn wartet. Einfach ein cooler Rocksong, ohne Schandtaten, Kapitalverbrechen, Schurkereien oder Metzeleien. „My father`s house“ handelt um die gespaltene Beziehung zu seinem Vater, jenem er in einem Traum begegnet und in die Arme fällt, und dass alle Dinge, die sie auseinadergebracht haben, bedeutungslos sind. Er erwacht aus seinem Traum, fährt zu dem Haus, aber sein Vater ist nicht mehr da. Das Stück gewinnt unglaublich an Intensität und Schmerz, die ruhige Melodieführung gibt dem Ganzen einen würdigen Rahmen. Vocals und Harp bilden eine ungezierte Allianz.

 

Das letzte Stück der LP ruft dann doch noch so etwas wie einen Hoffnungsschimmer hervor - “Reason to believe”, an etwas Glauben, es geht weiter. Bruce Springsteen selber sagte einmal über seine Einstellung zur Kirche und Gott sinngemäß folgendes; Ich glaube nicht an das ganze dogmatische Zeug, aber die Idee das Leute zusammen kommen (in einer Kirche) um an etwas gemeinsames zu Glauben, die finde ich gut. Ich denke, jenes entspricht auch meiner Einstellung diesem Thema gegenüber. Ein versöhnlicher Abschluss also auf einem sonst eher missgestimmten Album. Übrigens war ursprünglich auch der Überhit Born in the U.S.A.“ für „Nebraska“ vorgesehen, schaffte es aber nicht auf die Platte und landete 2 Jahre später in einer rockigeren Version auf dem 1984 erschienen gleichnamigen Erfolgsalbum. Der Rest ist Geschichte. Anhören sollte man sich die ursprüngliche Version des Titels aber auf jeden Fall mal, um zu begreifen was Bruce Springsteen hier eigentlich publizieren wollte. Man findet ihn auf dem Box-set „Tracks“ bzw. auf der verkürzten Version „18 tracks“.

 

Was immer auch für eine Botschaft uns Bruce Springsteen mit „Nebraska“ kundgeben wollte, welche Gedanken ihn auch umtrieben solch ein Album aufzunehmen, musikalisch zumindest ist es angekommen. War er sich der Tragweite seiner Arbeit bewusst? Warum schloss er sich in einem Haus für die Session ein und nahm alles nur auf einem Vierspurgerät auf?! Verarbeitete er wohlmöglich eigene Sorgen? Fakt ist, ohne jene Platte würde mir heute etwas fundamentales fehlen. Sie umreißt meine eigenen, oft pessimistischen Gedanken, verstärkt innerliche Missstimmungen, gibt mir auf der anderen Seite aber auch das Gefühl eines Anstoßes, es geht weiter, „Reason to believe“ ! Aus der Atmosphäre die die Musik vermittelt hole ich meine Kraft oder lasse mich runterziehen, je nach Stimmung. Eine Referenzplatte die dass innere meiner Seele spiegeln kann und Emotionen in großen Ausmaß erweckt. Besser kann ich es nicht charakterisieren, man muss es einfach hören. Letztendlich hat mir das Album vielleicht auch geholfen mich mehr mit mir selber auseinander zusetzten, ein Stück reifer zu werden, nachdenklicher. Es ist ein tiefgründiges, erschütterndes, substanzielles Werk in der damals noch jungen Laufbahn des Ausnahmekünstlers Bruce Springsteen, fraglos.

 

Vom akustischen Standpunkt will noch gesagt werden das ich mir das Album im Anschluss auch noch mal auf CD angehört habe, und feststellen musste, es liegen Welten dazwischen. Die Vinylversion klingt sehr viel realer, näher und zugänglicher. Einfach fühlbarer. „State trooper“ z.B. wirkt im direkten Vergleich viel krasser als auf der Compact disc. Das alleine rechtfertigt schon die Anschaffung auf dem ausgewählten Tonträger.

 

 

 

rockfrank

rockfrank

Musik heilt.

Sarah Smith

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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