in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

           Gov`t Mule - Dark side of the Mule

                                                                         Eine psychedelische Zeitreise

Gov`t Mule; Traditionell geben sie jährlich ein Halloween- und ein Silvesterkonzert in den Staaten. Diese haben immer ein bestimmtes Thema als Aufmacher, in denen sie ihren Vorbildern huldigen. Neben Pink Floyd  (die heute zum Tragen kommen), standen schon Bands wie Led Zeppelin, die Stones, Jimi Hendrix oder  Neil Young auf dem Themenplan. Jedoch wären Gov`t Mule nicht Gov`t Mule würden sie die Songs genannter Künstler einfach nur bestmöglich covern. Nein, sie hauchen ihnen zusätzlich neues Leben ein, eignen sie sich  an, und verändern sie ab -und an mit dem nötigen Respekt. Es ist zwar dann noch, wie in diesem Fall hier, Pink Floyd, irgendwie aber auch etwas ganz anderes. Auch wenn man sagen muss dass Government Mule sich bei den Floyds relativ nah am Original gehalten haben. Doch dass tut dem Ganzen keinen Abbruch, denn die Jungs sind nicht umsonst die Rock `n` roll Kapelle überhaupt, auf ihrem Terrain unantastbar. Man muss es gehört haben, eigentlich vor allem live erlebt haben, um es zu begreifen. Zumindest ersteres wollen wir jetzt tun!

 

Frisch vom Händler meines Vertrauens halte ich die noch laminierte Doppel LP in meinen Händen und reiße voller Vorfreude die Folie in Stücke…. nein, nein, bin ja nicht bekloppt… Behutsam, aber doch ungeduldig entferne ich also sorgsam die Schutzfolie. Dann halte ich endlich das große Klappcover in den Händen. Es war Halloween 2008, also der 31.10. jenes Jahres. Für mich einer der schönsten Tage im Jahr überhaupt. Gov`t Mule huldigten in jener Nacht eines ihrer Lehrmeister, Pink Floyd. Wie der Albumtitel schon verrät bezieht man sich hier größtenteils auf das Album „The dark side oft he moon“, aber auch andere Floyd Klassiker werden behandelt. Nach eingehender Betrachtung des Covers ziehe ich die erste Platte aus ihrem Innersleeve und lege sie auf den Plattenteller. Zugegeben, ich bin natürlich auch Pink Floyd Liebhaber, aber kein ausgesprochener „Hardcorefan“. Das verschafft mir den Vorteil die Songs mit einer gewissen Unvoreingenommenheit zu bewerten. Anderseits will ich heuer gar nicht groß bewerten, eher eine Party feiern, denn dass letztendlich irgendwas anderes als ein „Sehr gut“ auf dem Zeugnis stehen könnte, verbittet sich bei dieser Band naturgemäß.

 

Pappnasen vor der Tür, aber das Kölsch (Bier aus dem Rheinland) auf meinem Tisch, so lasse ich mir den Fasching gefallen. Die Nadel setzt zum opening, die Spannung steht förmlich im Raum; „One of these days“. Im original aus dem Pink Floyd Album „Meddle“, ein düsteres, sich stufenweise aufbauendes reines Instrumentalstück, welches gewaltiges Potenzial besitzt. Also wie geschaffen für die Jamrock-Pioniere. Und die Herren lassen sich auch nicht lange bitten. Majestätisch und scheinbar unheilbringend eröffnen lange, dunkle Bassläufe das Spiel. Erst nach 2 - 3 Minuten kommt Warren Gitarre sachte ins Rennen, die Bassläufe von Jorgen Carlsson bestimmen weiter die Grundhaltung. Dann wieder Warrens Lead, jetzt gibt er Gas. Immer wieder ist das begeisterte Publikum deutlich zu vernehmen. Die Jungs auf der Bühne machen in kürzester Zeit (wenn auch in Reichweite an der Urfassung) etwas ganz eigenständiges aus dem Stück, phantastisch! Jorgen Carlsson, anno 2008 gerade frisch zur Band gestoßen, ist zudem großer Pink Floyd Fan. Entsprechend euphorisch bedient er den basslastigen Titel. Die „Erkennungsmelodie“ von „Fearless“ ertönt, Warren singt unverkennbar Warren, Gänsehaut. „Fearless“, also furchtlos oder mutig, vom gleichen 71` er Album ist ein ruhiger, Gitarren getragener Song  der einen glatten Kontrast zum opener darstellt. Das Auditorium in Boston stimmt bereits jetzt Freudengesänge an, es ist unglaublich. Ich dämme die Beleuchtung im Raum, beobachte das Stroboskoplicht am Plattenteller und gebe mich ganz den Songs hin. 

 

„Pigs on the wing part 2“ ist genau so kurz wie im original, wo es zusammen mit part 1 den Vor -und den Abspann des Albums „Animals“ bildet. Wenn ich mich nicht täusche, der 10. Longplayer von Pink Floyd und ein sozialkritisches Werk in welchem Roger Waters die Menschen in 3 Klassen unterteilte. Ein einfach gehaltenes Stück, Warrens prägnante Stimme nur von einer Gitarre begleitet, nach rund 1:30 Minuten ist es auch schon wieder vorbei. Es wird sofort übergeleitet in „Comfortably numb“, ein Klassiker der Floyds. Auch hier scheut sich die Jamrockband nicht der Nummer den nötigen Respekt abzuringen und trotzdem ihr Ding daraus zu machen, so jedenfalls meine subjektive Meinung. Man hat sich für die gesamte Session übrigens etwas ganz besonderes ausgedacht. Warren Haynes benutzt während des Konzertes nicht seine geliebte Les Pauls, nein er bedient sich einer Telecaster bzw. Strato, also original Pink Floyd Werkzeuge, ein genialer Schachzug! In „Comfortably numb“ kommt dieser Umstand so richtig zum Tragen, sein ergreifendes Solo zum Ende des Titels ist der Hammer. Das ist Rock` n` roll in höchster Entfaltung!

Die B-Seite besteht indes aus nur zwei Titeln, was angesichts ihrer Länge schon für sich spricht. „Shine on you crazy diamond part 1-5“ und „Have a cigar“. Erstere mit rund 9 Minuten sicher ein erster Höhepunkt des Konzertes, soweit man überhaupt von einem solchen sprechen kann. Immer noch klingt mir der Sololauf von „Comfortably numb“ im Ohr. Ist das zu steigern? Entschuldige Warren, ich wollte dich nicht beleidigen….. Bassist Jorgen Carlsson, Tastenheld Danny Louis und Drummer Matt Abts tun ihr eigenes zur Sache, bilden eine feste, unüberwindbare Einheit, eine Rockwand. Die Töne die der Frontmann wiederum gleich zu Anfang aus seinem Arbeitsgerät holt könnten auch irgendwo anders im Klanguniversum entstanden sein, das steht schon mal fest. Wow! Die Atmosphäre ist geladen, Fans rasten hörbar aus. Was die Band hier aus dem Stück rausholt ist schier unglaublich. Sie haben das Rad quasi neu erfunden, keine Frage. Eine psychedelische Reise zwischen den 1970`er Jahren und dem hier -und heute. Mir fehlen die Worte. Mit „Have a cigar“ beschließt sich die B-Seite der ersten Platte. Da mir der Song gerade nicht unbedingt gängig im Hirn rumschwirrt, sehe ich ihn fast wie ein Eigenprodukt der Band, bin ergriffen von seiner Intensität. Mule Urgestein Matt Abts (übrigens festlich im rosafarbenen Sakko gekleidet) übernimmt hier gar den Gesangspart, ohne seine Snares und Becken nur eine Sekunde seiner Kontrolle zu entziehen, während Warren weiter das Leitmotiv spielt. Ron Holloway Einsatz am Saxophon verleiht dem Stück einen jazzigen Touch, bevor Warrens Lead wieder die Kontrolle übernimmt. Everything is perfekt!

 

Dann ist die erste von zwei Vinylplatten auch schon durch, erwartungsvoll nehme ich die 2. Scheibe in die Hand und übergebe sie in die Obhut meines Plattendrehers. Übrigens; Das ganze Halloweenkonzert dauerte rund 3 Stunden und beinhaltete auch eigene Songs. Das hier auf Vinyl erschienene Set ist nur der Pink Floyd Part, um den es ja an jenem Abend im Wesentlichen ging. Wer aber die komplette Show sehen und hören will sollte unbedingt auf die limitierte CD/DVD Version zurückgreifen. Fast vergesse ich ein frisches Blondes bereitzustellen, so bin ich im Element. Weiter geht die Party. Langsam senkt sich der Abtastdiamant erneut in die Startrille, gebannt erwarte ich den nächsten Song: „Breathe (in the air)“. Wir erinnern uns an ein knapp 01:15 Minute langes Intro im original, bevor der Song Fahrt aufnimmt. Ähnlich gestalten es sie Protagonisten bei ihrem Auftritt an Halloween, bevor Warren Stimmorgan einsetzt. Man schwebt wie auf einer Wolke durch den Song, ich lasse mich treiben. „Time“, es klingelt es läutet es tickt. Government Mule geben den Takt an! Lange schon sitzt der Rezensent nicht mehr im Sessel sondern spielt Lufttelecaster…... Das Stück ist brillant. „Time“ gleitet dann fließend in „The great gig in the sky“ über, welches vor allem von Dannys Keyboard und dem inbrünstigen Backgroundgesang von Durga McBroom, Machan Taylor und Sophia Ramons getragen wird. Dass Durga McBroom und Machan Taylor zwei originale ehemalige Backgroundsängerinnen von Pink Floyd waren gibt dem ganzen nochmal eine besondere Klasse! Die Muleheads sind fassungslos ob der Darbietung. Auch sitze unglaubwürdig im Raum, begeistert, verzaubert, berauscht (musikalisch).

 

„Money“ wird von Gov` t Mules hervorragender Interpretation wieder durch eine hammermäßige Saxophoneinlage kontrastiert. Warren spielt sich nicht in einen Rausch, nein, e r   i s t   d e r Rausch! Ja Mensch wie schweinegeil klingt dass denn?? Nadel zurück, noch mal hören, ich flippe gleich aus! Erneut drehe ich das Vinyl, um zur finalen letzten Seite aufzulegen. „Shine on you crazy diamond“ kennen wir noch von der B-Seite der ersten Platte, da war es part 1-5. Nun kommt von der neunteiligen Komposition, die einst als Huldigung an Syd Barrett gedacht war, part 6-9 auf der D-Seite an die Reihe. Wieder nehmen uns Warren und seine Band mit auf eine Reise voller individueller Klänge, mitreißendes Gitarrenlicks und tollem Gesangspart. Was alleine Ron Holloway auf seinem Saxophon hier raus haut ist furios. Futuristisch, psychedelische Töne geben im letzten Drittel von part 6-9 den Takt an, ich sitze zwar noch in meinem Zimmer, irgendwie aber auch nicht. Und als ob das gar nichts wäre, schlägt Warren zum Finale lässig die ersten Akkorde von „Wish you were here“ an, verfällt in Jam-Sphären. Noch einmal legen sich die Interpreten ins Zeug, hauen alles raus was geht, verzaubern uns. Mit irrationaler Hingabe spielt sich Warren Haynes durch den Titel, er ist und bleibt ein Gitarrengott! Zum Schluss singt die geschlossene Fangemeinde Choral den Refrain „Wish you were here“, und feiert sich und die Band, wow. Wer bitte schön braucht noch Karneval? Was für ein Trip! An Authentizität eigentlich kaum zu überbieten, that`s Rock `n` roll !

Das dieses Doppelalbum ein Pflichtkauf ist, ist eigentlich überflüssig zu erwähnen. Government Mule halten die Rock `n` roll Fahne so was von hoch das es fast beängstigend ist. Beängstigend geil. Im Mai sind die Mannen wieder in deutschen Landen unterwegs. Mehr brauche ich wohl nicht zu sagen……

Musik heilt.

Sarah Smith

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Frank Klitzing