in charge of rock `n` roll
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       Gov`t Mule - The Tel-star sessions

                                                              v.ö. 05.09.2016

Die neue Zeitrechnung beginnt im Jahr 1994

Auch wenn nun schon ein Monat seit der Veröffentlichung ins Land gestrichen ist, diese Zeit brauchte ich um dieses Album intensiv zu rezensieren, es bannte mich fast täglich aufs neue! Eine Band die schon alles erreicht hat, kontinuierlich neue Platten aufnimmt und permanent multipel auf Tour geht hat es eigentlich nicht nötig auch noch ein Archivalbum auf den Markt zu werfen. Und doch ist es bei jenem Personenkreis unerlässlicher denn je. Denn hier wurden nicht einfach hastigst irgendwelche verlorenen Stücke zusammengewürfelt, um irgendwas zu versilbern, nein, hier wurde handfest recherchiert und den Anhängern nicht vorenthalten, was so substanziell ist, aus der Frühphase der Band. Die Rede ist natürlich von den US Jamrockern Gov`t Mule. Frontmann Warren Haynes, Matt Abts und der leider im Jahr 2000 verstorbene Bassist Allen Woody gründeten 1994 als Nebenprojekt zu den Allman brothers diese mittlerweile nicht mehr weg zu denkende Formation, die sich schnell zu einem Selbstläufer entwickelte. Über 20 Jahre später entschied man sich nun ein Album zu veröffentlichen, welches ursprünglich als ihr Debüt fungieren sollte. 10 Songs, teilweise als Demoversionen, von denen einige nicht für ihr 1995`er Erstwerk ausgewählt wurden, bzw. in abgeänderten Einspielungen erschienen (5 Titel). Das ganze gibt es neben der CD Version auch in einer limitierten, weißen Vinyl Auflage, sowie als „normales“, schwarzes Vinyl. Ein „must have“ also für alle Muleheads! Alle Titel wurden neu gemischt und remastert und sind nun offiziell auf einem Album vereint.

 

Einzig „Just god paid“, ein lupenreines ZZ Top cover, wurde vorab veröffentlicht, und war mir daher schon publik. Kommen wir später ausführliche dazu. Der opener aber ist ein altbekanntes Stück, welches es schlussendlich 1998 auf ihre zweite Platte „Dose“ schaffte, „Blind man in the dark“. Grundsätzlich sowieso eines ihrer stärksten Stücke, bekommen wir es hier nun in einer früheren Rohfassung zu hören. Aufgenommen, wie übrigens alle Tracks des Albums, live eingespielt in den Tel-star Studios in Florida, im Juni 1994. Gerade der Faktor der Live-Einspielung, also alle Klangmittel in einem Raum, verleiht den Stücken eine gewisse Kompromisslosigkeit, eine Rohheit, die aussagt, dass hier ein Powerrocktrio am Werk ist. Das hört man dann auch gleich in den groovenden Bassläufen von Allen Woody und der allgemeinen Barschheit der Stücke. Warrens charakterliches Riff gibt den Kurs  in „Blind man in the dark“ vor. Die Aufnahme will gar nicht groß mit der Endfassung verglichen werden, denn sie schreit nach dem was sie ist. Eine eigenständige, brachiale Bluesrocknummer, getragen von den drei führenden Musikern jenes Genres. Besonders im letztens Drittel gibt es kein Halten mehr, die Protagonisten spielen als ginge es um olympisches Gold, man verliert sich völlig in seinem Element, der Hörer wird einfach aus der guten Stube gefegt. Was für ein Wahnsinn!!! Auch wenn es in der späteren Interpretation etwas kontrollierter, ein wenig abgefasster klingt, für mich absolut Perfekt, darf man mehr als Dankbar sein, zu jener frühe Fassung nun Zugang zu haben. Weit lehne ich mich nun  aus dem Fenster, und greife schon jetzt auf das Resümee der ganzen Scheibe vor; 1994 ist für mich die Geburtsstunde der Metamorphose von Musik zum Rock. Warren Haynes frappierende Fähigkeiten sind fast beängstigend. Beängstigend gut! Nie zeigt der Künstler dabei auch nur ansatzweise narzisstische Züge, er ist einfach wer er ist und lebt dass was er tut. Er ist ein  „Gott“!

 „Rocking horse“, um wieder ins Thema zu kommen, ist eines der Stücke, die es dann doch auf ihr 1995`er selbstbetiteltes Debüt, “Gov`t Mule“, geschafft hat, allerdings in einer abweichenden Einspielung als die vor uns liegende Frühfassung. Beide sind für mich unglaublich Perfekt, wobei es interessant ist nun die ursprüngliche Version zu hören, die mir fast ein wenig mehr zusagt, als jene ihres Debütalbums. Das nachfolgende „Monkey hill“ ist ebenfalls ein Titel ihres Erstlings. In beiden Fassungen ein bluesiger Stamper, begeistert „Monkey hill“ erneut durch seine schroffe, ungeschliffene Art, wie alle Songs von Tel-star sessions. Was das Trio hier musikalisch heraufbeschwört ist unfassbar gut. Warren verzerrte vocals tun ihr eigenes zur Sache. Spätestens hier fliegt der nächste Kronkorken durch mein Auditorium, es gibt kein Halten mehr! „.Mr. Big“ ist ein Cover von der Gruppe Free. Seinerzeit von Vokalist Paul Rodgers eingesungen ist es längst zu einem Klassiker des Rock `n` roll geworden. Und genau vor diesem Hintergrund gehen Gov`t Mule mit dem nötigen Respekt an die Sache, und machen ihre ganz eigene Version daraus. Sie eignen sich das Stück an und verwandeln es mit der nötigen Hochachtung in den so typischen Mulesound. Daher scheue ich auch jeden Vergleich mit dem original, zumal Free seinerzeit eine astreine Fassung auf den Markt gebracht haben, es ist und bleibt ihr Song. Ihn nun jedoch von den Eseln zu hören macht ihn in sich irgendwie neu. Man denkt nicht an Free, man hört einfach Gov`t Mule. Herausfordernd, offensiv, roh. Ein phänomenales Songcover!

 

Wer das im Frühjahr veröffentlichte Warren Haynes Konzert „Live at Emerson collage“ von 1993, also ein Jahr vor Gründung von Gov`t Mule, kennt (Rezension siehe hier http://www.rockfrank.com/platte-des-monats/warren-haynes-live-at-emerson-college-boston-november-93/ ), dem wird „The same thing“ nicht ungeläufig sein. Seine absolut fantastische, umwerfende Version des Muddy Waters Klassiker ist in meinen Augen nicht mehr zu toppen. Auch von den Allman brothers kennen wir jene Perle der Musikgeschichte. Überraschenderweise kriegen wir es jetzt noch mit der im Studio eingespielten Powertriofassung zu tun, ich bin im Eylsium! Auch hier gilt bereits erwähntes; Druckvoll, dreckig, derb. Nichtsdestotrotz habe ich gleich die o.g. CD vom Livekonzert rausgekramt (ist leider nur auf diesem Tonträger erschienen) und wollte doch mal eine Gegenüberstellung. Da habe ich mich aber sauber verschätzt…. Es sind zwei unglaubliche hammermäßige Versionen, die keinen Vergleich dulden. Auf der 93`er Aufnahme kommt zusätzlich ein Piano zum Einsatz dass von einem gewissen Danny Louis bedient wird, der später Mitglied bei Gov`t Mule werden sollte. Vielleicht klingt die jetzt veröffentliche Version etwas bluesiger, härter, die 93`er etwas souliger, ich liebe beide! Auch „Mother earth“ schaffte es in leicht abgewandter Ausführung auf ihr Debüt, und rockt in beiden Varianten  in bluesiger Tradition. Vor allem Woody dominierende Bassläufe tragen hier viel zum Groove des Sounds bei.

ZZ TOP ist eine Größe für sich, keine Frage. Wer ihren Auftritt im Rockpalast vom 19. auf den 20.04.1980 gesehen hat muss sie einfach lieben. Eine Boggie/Southernrock-Combo erster Güte, die bereits 1969 in Texas gegründet wurde. Gerade in den Anfangsjahren bildeten sie eine feste Wand in Sachen Bluesrock. Wenn man ihnen ihre kommerzielle und teilweise experimentelle Phase verzeiht, sieht man sich einem Trio gegenüber, das einzigartig ist. Ich denke, daraus resultiert auch die Huldigung, die Gov`t Mule ihnen mit „Just got paid“ erweist. 04:22 Minuten gebündelte Energie, die Band trotz vor Spielfreude und Euphorie, die Esel schmettern uns ein lupenreines Cover durch die vier Wände, das musst du erst mal verdauen….Gov`t Mule veröffentlichten kürzlich ein Animationsvideo dazu:

Auch „Left coast groovies“ steht ganz in der Tradition aller Songs auf dem Album. Übrigens ebenfalls ein Titel der es auf ihre Premiere schaffte.

Genauso wie der Kehraus ,„World of difference“. Es ist sofort zu meinem persönlichen highlight auf der Scheibe geworden, soviel vorweg. Gleich in zwei Versionen wird uns das Stück offeriert, im original mix und im alternate. Beide werden von Woodys schöpferischen Bassläufen eröffnet, jeweils in verschiedenen Tonlagen. Sofort ist man von der Magie des Songs gefangen. In fast schmerzlicher Trance wir der Hörer in eine Welt entwunden, die dich entführt von der realen, kaputten Welt vor deiner Haustür. Anderseits dich zwischen beiden Kosmen hin -und her schleudert, dich mit dieser und jener Seite quälend konfrontiert. Was immer Warren Haynes hier ausdrücken wollte, es trifft den Nerv der Zeit, auch nach über 20 Jahren. Mit tiefer Hingabe präsentiert uns das Trio das (für mich) stärkste Stück des Albums, fernab unverbindlicher Inhaltslosigkeit heutiger Musik, kreiert aus einem Destillat aus Feuereifer, Einfühlung und Leidenschaft. Konzentriert man sich nur auf den Refrain, verbunden mit der Energie der Musik, erhält man ein Spiegelbild der aktuellen Geschehnisse. Es ist wie eine doppelbödige Kunde, versteckt in diesem einen Song. Unabhängig vom Inhalt des Textes weiß man, dass die Welt kurz vor einem Infarkt steht. Nach wie vor bin ich der Meinung dass Warren Haynes die Zeichen der Zeit schon frühzeitig erkannt hat und auf seine Weise dagegen opponiert. Man muss es nur verstehen. Der alternate Track des Songs ist in der Wahrnehmung fast ähnlich, weicht aber hier -und da doch geringfügig ab. Die Botschaft bleibt.

 

Fazit:

Tel-star sessions“ ist ein unglaublich positiv ruppiges Album, was dem geneigten Fan auf keinem Fall in seiner Vinylsammlung fehlen darf. Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Warren Haynes ist vielleicht der letzter Dogmatiker des Southernrocks, auch wenn es wirklich gute, talentierte Nachwuchskräfte gibt. Jedoch die Authenzität eines Warren Haynes zu erreichen bedarf es einer langen Reise. Wohin auch immer unsere Reise gehen wird, Tel-star sessions“ ist ein perfekter Begleiter dafür.

Musik heilt.

Sarah Smith

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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