in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

Loreena McKennitt - Troubadours on the rhine

 

 

Live at SWR 1


Funkhaus Mainz


24.03. 2011

 

 

Ich greife in meiner Novemberbesprechung auf eine CompactDisc zurück, da das folgende Album bisher leider nur auf einer solchen erschienen ist. So brauche ich mir um verpasste Klangerlebnisse nach Vinylart wenigstens keinen Kopf zu machen, möchte aber den vor mir liegenden Tonträger keinesfalls missen und nehme den digitalen Fortschritt sozusagen „in Kauf“…. Auch möchte ich erwähnen dass dieser Tonträger in exzellenter klanglicher Qualität gefertigt wurde, es also durchaus lohneswert ist ihn ausnahmsweise in eine CD Schublade zu schieben, statt die Nadel aufzusetzen.

 Wenn jemand den Begriff „Weltmusik“ für sich beanspruchen darf dann ist es sicherlich jene Musikerin, die dieses Genre schon seit vielen Jahren beherrscht und uns mit ihren teils mystischen Texten, orientalischen Klängen und traditionellen Instrumenten, besonders aus dem „celtic folk“, regelmäßig verzaubert; Loreena McKennitt. Ihre Musik klingt beruhigend, manchmal schwermütig, melancholisch, aber auch hoffnungsvoll und farbenfroh. Insgesamt passt sie vortrefflich zur Vorstellung eines voranschreitendem Herbst, der die goldenen Tage hinter sich hat und sich stattdessen kühl, grau und launenhaft gibt, ab- und an aber die Wolkendecke lockert und ein paar wohltuende Sonnenstrahlen zulässt. Das heuer vor mir liegende Album heißt „Troubadours on the rhine“, und wer mich kennt, weiß, dass ich alleine den Titel schon reizvoll finde, welchen ich mit meiner Lieblingsregion an jenem Fluss assoziiere, wo die Aufnahmen auch tatsächlich stattfanden, das Mittelrheintal. Es handelt sich um ein exklusives Radiokonzert vom März 2011 im SWR 1 Funkhaus in Mainz, bei welchem ich das unglaubliche (Los)-Glück hatte diesem beiwohne zu dürfen. Es war ein faszinierendes, ergreifendes und auch persönliches Konzertereignis in intimer Atmosphäre, denn die Nähe zur Künstlerin war umliegend. Solch eine Okkasion gibt es wirklich nicht alle Tage. Rund 500 Gäste teilten mit Loreena und ihren Begleitmusikern diesen unvergesslichen Abend und trugen dazu bei ihnen ein würdiger Gastgeber zu sein.

 

(Foto: SWR1 Rheinland-Pfalz)

Troubadours; Das klingt für mich nach Herbst, das klingt nach dunklen Wolken, faszinierend aufziehenden Gewittern, unruhigem Flusslauf, Nebelbänken, nach Wirren, das klingt einfach mystisch. Es ruft den Eindruck hervor, wie es im Spätherbst in der Loreleyregion einfach sein kann. Für mich die Himmelsgegend des Mittelrheintals schlechthin. Wer den Landstrich kennt, oder auch nur ein paar Bilder sieht, weiß was ich meine. Wer Troubadours jedoch mal googelt, wird mit der Information aufgeklärt, dass es sich hierbei einst um die Bezeichnung von Komponisten, Sängern und Dichtern aus Südfrankreich handelte die die sogenannte Trobadordichtung verfassten. Außerdem gibt es eine Oper von Giuseppe Verdi mit jener Bezeichnung. Ich bleibe in meiner Fantasie aber lieber bei der oben beschriebenen Definition, einfach weil das Wort so schön ist! Loreenas Musik im Allgemeinen eignet sich aber natürlich nicht nur für solch herbstliche Ereignisse. Auch einen romantischen Sonnenuntergang, eine sich im Meer brechende Welle oder einen verträumten Landstrich würde ich jeder Zeit mit ihrer Musik unterlegen.

 

Doch zurück zum Radiokonzert, welches es nun zu hören gilt. Das Album beginnt mit einem Klassiker ihres Kataloges, „Bonny Portmore“. Ein unfassbar schönes Stück, vorgetragen in entspannter, ungezwungener Atmosphäre. Die Harfenistin sitzt gleich zu Beginn an ihrem liebsten, wohlklingenden Instrument. Das Lied ist ein traditioneller, irischer Folktune, der die Geschichte einer alten Eiche erzählt, die wohl auf einem hiesigen Anwesen, Schloss Portmore, gestanden hat, und im Jahr 1760 bei einem großen Sturm fiel. Ich will hier jedoch nicht zwingend auf alle 9 Stücke im Einzelnen eingehen, denn mir geht es um den Gesamteindruck des Konzertabends, und der ist durchgehend ergreifend und authentisch. Auf der Bühne waren seinerzeit nur noch ihre treuen musikalischen Begleiter, Caroline Lavelle, die ein wunderschönes Cello handhabte, sowie Brian Hughes an der Gitarre, mit dabei. Zusammen bildeten sie ein perfektes euphonisches Trio, welches durch ihre grandiose musikalische Umsetzung zu berauschen wusste. Höre ich nun aus den Boxen meiner HiFi-Anlage Titel wie „Down by the Sally Gardens“, The wind that shakes the barley oder „Between the shadows“, sehe ich die schroffen Felsformationen der Loreley direkt vor mir. Troubadours on the rhine. Über ihnen zeigt sich ein wolkenverhangener, launischer Himmel der kurz andeutet in Kürze sein Machtpotential durch entsprechende Entladungen aufzuzeigen, sich aber im kurze Zeit später wieder beruhigt, die Situation ungeklärt lässt, und sich dann von etwas Sonnenglanz doch noch zu etwas herbstlicher Idylle beschwichtigen lässt, die dem aufmerksamem Betrachter angesichts der Vereinigung von Musik und Natur einen wohltuenden Seufzer durch die Seele jagt. Zurück im Auditorium wechselt die Protagonistin zwischen Klavier und Harfe und setzt mit ihren beeindruckenden Songs ungeahnte Akzente. Vor mir steht, wie damals im Konzert, ein Glas Rotwein, draußen bricht langsam die Dämmerung herein, numinose Klanggebilde erfüllen den Raum. Der Himmel wirft seine letzte Helligkeit durch das Wohnzimmerfenster. Das Licht wirkt auf seine Weise bizarr, irgendwie sepiafarben. Zusammen mit Loreenas Stimme wirkt es wie eine perfekte Gilde. Ich bin berührt.

 

„Between the shadows“ ist ein Instrumentalstück, in welchem die Kanadierin an der Harfe sitzt, und die Gitarrenstimme ihre Berechtigung beweisen darf. Zusammen mit Carolines Cello ergibt sich ein makelloses Klanggebilde. Das Trio führt uns auf eine verträumte, instrumentale Ebene. Ich schaue aus dem Fenster. 2 Vögel suchen im Licht der anbrechenden Dämmerung einen geeigneten Schlafplatz, hoch oben in einem Baumwipfel. Derweil ziehen erneut dunklere Wolken ihre Kreise. Loreenas Texte erzählen Geschichten von ihren vielen Reisen, von Sagen und Mythen und erlebtem. Mein persönlicher Favorit ist die Ballade „The lady of shalott“, welche auf mittelalterlicher Literatur basiert, jedoch 1842, im viktorianischen Zeitalter, von einem englischen Dichter verfasst wurde. In ihr geht es um eine Dame die mit einem Fluch belegt ist der ihr verbittet jemals aus dem Fenster zu sehen. So sitzt sie oft singend in ihrem Turm und webt vor einem dem Fenster gegenüberliegenden Spiegel alles was sie darin sieht. Als eines Tages jedoch Sir Lancelot vorbeireitet kann sie nicht anders als sich umzudrehen und schaut aus der Fensteröffnung zu ihm hinab. Der Spiegel hinter ihr zerbricht. Mit einem Boot folgt sie Sir Lancelot so schnell sie kann. Doch unterwegs beginnen die Folgen des Fluchs, worauf die Lady of shalott ihr letztes Lied singt. Leblos kommt ihr Körper auf dem Boot in Camelot an.

(Foto: SWR1 Rheinland-Pfalz)

In „The bonny swans“ darf sich die E-Gitarre wieder etwas „austoben“, was hervorragend zum Finale passt, denn der offizielle Part ist damit leider schon vorüber. Was für ein emotionales, Gänsehautlastiges Konzert das war! Ein Fest für alle Sinne. Auch draußen ist das letzte Tageslicht mit den letzten Tönen verklungen, die Dunkelheit übernimmt nun für viele Stunden wieder das Geschehen. Natürlich gibt es noch ein Zugaben Stück „The parting glass“ auch eine alte schottische/irische Volksweise) ist dann auch ein Abschiedslied. Jemand verlässt seine Freunde und seine Freundin, hebt sein Glas zum Abschied. Warum er geht ist unklar, muss anscheinend mit sich ins Reine kommen.

 

 Ich verbleibe noch einige Minuten vor meinem Fenster, angetan von gerade gehörtem. Auf der anderen Seite der Scheibe dominieren erste kleine Regentropfen nun wieder das Herbstwetter, ein entspannter Nachmittag geht zu Ende.

 

Liebe Musikgemeinde. Wer sich das gerade beschriebene Konzert anhört bekommt natürlich nur einen sehr kleinen Eindruck über Loreenas Schaffen. Viele CD Veröffentlichungen gingen jener voran, voll mit fantastischen Balladen und Songs die auf ihre Weise berauschen und uns mitnehmen auf eine aufregende musikalische Reise quer durch die Kontinente.

(Foto: SWR1 Rheinland-Pfalz)

 

See you soon, euer rockfrank

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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