in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

                  Tom Waits  -  Bad as me                 

Um die Jahreswende 2015/2016 hörte ich im Radio einen Song der mir tief unter die Haut ging, mich mit seiner ganzen Vehemenz traf; „New years eye“. Die Stimme des Sängers war unverkennbar, aber das Stück kannte ich noch nicht. Mein Musikfundus in Sachen Tom Waits beschränkte sich bis dato nur auf ein paar einzelne Titel des Protagonisten, beschämend….. Das sollte sich sofort ändern, und ich bestellte „Bad as me“, das dazugehörige Album zu jenem Song, unmittelbar beim Online-Händler meiner Überzeugung. Tom Waits! Jeder kennt  den Song „Tom Traubert´s  blues“ und das raue, unverwechselbare Timbre des Amerikaners. Ihn jahrelang nur beiläufig wahrgenommen zu haben kommt mir nun sehr beklagenswert vor…..  Aber dieser Song, „New years eve“, der ließ mich einfach nicht mehr los, ich brauchte zwingend das Album dazu. Umso größer nun die Freude den Longplayer mein Eigen nennen zu dürfen und ihn zu charakterisieren, sofern mir das möglich ist. „Bad as me“ ist das 20. Studioalbums des Musikers, der nicht nur Musiker ist, sondern auch Schauspieler, Komponist und zeitweilen auch Buchautor. 1973 erschien sein erstes release, „Closing time“. 38 Jahre sind seither vergangen, bzw. bis zum Erscheinen von „Bad as me".  Die Vorfreude ist groß,  die Erwartungshaltung neutral. Im Plattencover findet sich ein 16-seitige Bocklet, jenes die Texte und diverse Fotos beinhaltet. Das Album produziert und größtenteils das Songwriting übernommen hat übrigens Toms Ehefrau Kathleen Waits, die sich auch für die Fotos im Booklet verantwortlich zeichnet. Das nenne ich mal eine harmonische Beziehung.

Doch wann hört man ein Album am besten, wenn man um seine Intensität weiß, seine Ungeschliffenheit, seine emotionale Wirkung? An einem kalten Winterabend. So war es jedenfalls bei mir. Dunkel und kalt. Das ist irgendwie meine gefühlte Voraussetzung für eine Waits-Platte, was aber nicht heißt dass das Album unbedingt düster und kalt sein muss. Ich lasse mich also einfach überraschen!

Der Longplayer nimmt seinen Anfang mit  Chicago. Verwirrung macht sich breit. Der Song beginnt in meinem Waits Verständnis eher untypisch. Treibende Rhythmen, unruhiges Klangbild und Waits mit gepresster Stimme. Ich bin überrascht. Das íst natürlich der Tatsache zu Schulden dass ich eher die ruhigeren Nummern von ihm kenne und entsprechend gesinnt war. Unbeirrt bekommt „Chicago“ eine zweite Chance, eine dritte. Und ja, je öfter der Track läuft, umso sympathischer wird er, entwickelt ein erstaunliches Eigenleben. Bläsersätze kristallisieren sich heraus, Banjo, es swingt und rockt, ein rotziger, stampfender Blues. Längst wippe ich im Takt, lasse mich von Waits Timbre fesseln. "Raised right man" erfüllt dann wohl eher meine (jetzt schon) über den Haufen geschmissene Erwartungshaltung. Das Tempo etwas gedrosselt, ich fühle mich irgendwie ins Chicago der 50` er Jahre zurückversetzt. Tom klingt rau klagend, “They`re ain`t enough raised men". Klasse! Der dritte Titel, "Talking at the sam time", entspricht dann endgültig meiner musikalischen Vorstellung des Mannes aus Kalifornien. Ruhiges Grundthema, reduzierte Klänge, beruhigend. Waits singt hier etwas höher als sonst, eine Seite die ihn aber nicht weniger symphatisch macht, es passt einfach zum Song. Das anschließende "Get lost" lässt dich dann gleich wieder aufleben, die Melodie ist genügsam, Thomas Alan (sos ein bürgerlicher Name), klingt fast vergnüglich.

 

"Face to the highway" ist einer dieser magischen Tom Waits Songs, die dich sofort in seinen Bann ziehen und dich nicht mehr loslassen. Nun bin ich vollends im Waits-Universum angekommen, genau dass habe ich gesucht. Überhaupt makiert der Titel eine Art Wendepunkt auf der LP. Ab hier wird es intensiver, bedeutungsschwerer, rauer. "Face to the highway" ist eine Botschaft der du dich nicht entziehen kannst. "I`am going away" ist die erste Textpassage von "Face to the highway" und besagt damit gleich worum es in dem Stück geht; Abschied. Ein Mann der Abschied nimmt und seinen Weg gehen will. Aufbruchstimmung. Ein passendes Thema, gemessen an dem schwermütig anheimelnden, fast depressiven Klangleid welches "Face to the highway" trägt. Eine echte Perle auf der LP, keine Frage. Des Künstlers Phrasierungen tun ihr Eigenes zur Sache, man hört Gitarren, Gongschläge, diverse Zupfinstrumente. Es ist Tom Waits !

"Pay me" ist ein klassischer Waits Song, getragen von einer ruhigen Melodie mit verträumten Pianoausklang. Fast romatisch. Achtet man hingegen auf den textlichen Inhalt des Titels, merkt man schnell, dass der Song alles andere als romantisch ist, sondern eine ironische Abrechnung mit dem Etablissement, dem Kontrollorgan der Musikindustrie und des Showbiz. Eine gelungene Vorstellung!

 

Zur Halbzeit kann man auf  jeden Fall festhalten dass das Album bisher aus verhältnismäßig kurzen, prägnanten Stücken besteht, die trotz ihrer Bündigkeit sehr leidenschaftlich und resolut sind.

"Back in the crowd" ist gleicherweise eine ruhige Nummer, akustisch getragen, des Künstlers Stimme diesmal fast nuschelnd, aber trotzdem deutlich. Ich finde es persönlich vielleicht etwas zu simpel, durchschnittlich, aber das ist nur meine persönliche Meinung. Überzeugt euch selbst. Dann folgt "Bad as me". Der Titelgeber der Scheibe kommt unzüchtig, lüstern, verworfen daher und ist ein Stampfer erster Güte. Rotzige Saxophoneinlagen, Waits whiskygetränkte Stimme, es rumpelt. Inhaltlich geht es hier wohl um eine gebrochnene Liebesbeziehung. Dem Rezensator gefällt`s. Das gefühlsbetonte „Kiss me“ beginnt mit typischen Plattenspieler-Rauschen und macht den Song, selbst auf  CD, dadurch sehr authentisch. Man fühlt sich zurückversetzt an alte Blues-Zeiten. Irgendwo sitzt ein Typ an einer Bar, auf dem Tresen vor ihm ein Glas Whisky, im Hintergrund ein dezentes Piano. Wow, eine klasse Nummer! Waits Stimme wird, wie so oft, zum Instrument, ist fest in dem Song verankert. 

Das folgende, geniale "Satisfied" ist eine Hommage an die Rolling Stones und dessen Überhit ("I can`t  get no) Satisfaction".  Waits schreit es förmlich heraus, "Satisfaction", "Satisfaction", "Satisfaction"!, immer wieder. Wen wunderts da dass Keith Richards himself hier als Studiomusiker einen Gitarrenpart beisteuert und somit kräftig im Song mitmischt! Das ist aber nicht alles; In insgesamt 4 Stücken auf "Bad as me" mischt das Stones-Urgestein mit. Aber noch eine andere Legende ist hier mit von der Partie. Die Harp im Song bedient nämlich niemnad geringeres als Charlie Musselwhite,  der auch auf "Chicago", "Raised right men", Bad as me" und "Hell broke luce" zu hören ist. Da gibt es wohl eine tiefe Freundschaft zwischen den drei Musikern. So bleibt es auch nicht aus dass Keith im nachfolgenden "Last leaf" selbst vor`s Mikro tritt und als Toms Duettpartner agiert. Eine wunderschöne Ballade, nur von akustischen Gitarren begleitet. Ein mehr als gelungens Debut der beiden Musiker. "Hell broke luce" is ein brutal klingender, eindringlicher Antikriegssong, der dir tief in den Verstand einhämmert endlich aufzuwachen. Es muss also doch mal politisch werden. Und dass ist anno 2016 (auch wenn das Album aus 2011 stammt) mehr als wichtig, und richtig! Man hört Maschinengewehrsalven, gellende, wutentbrannte Gitarrenbeiträge und Waits mit eindeutigen Texten:: "Was hat der Präsident nochmal gesagt ? Egal, dafür bekommen alle`ne geile Parade." Waits nimmt Stellung. Lasst es uns ihm nachtun! Die Welt wird nicht besser!

 

Ausgerechnet nach diesem heftigen, aufwühlendem Statement folgt der Song des Albums, wesegen ich den Longplayer eigentlich überhaupt gekauft habe: "New years eve". Nach der aufreibenden Stimmung von "Hell broke luce" nun wieder die Kurve zu kriegen ist nicht einfach und ich bin kurz geneigt eine Pause einzulegen. Aber nein, ich brauche jetzt genau DIESEN Song! Ich hörte ihn dann auch, unfähig jedoch anschließend die passenden Worte zu finden. Das erledigte ich in einer ruhigen, kalten Winternacht, einige Tage später; 03 Uhr! Ich verkrümmelte mich hierfür unter einen Kopfhörer, um den Song noch intensiver zu wahrzunehmen. Charlie Musselwhite leitet ein, Harp, Zupfinstrumente, Ruhe. Waits zähmt seine Artikulation, singt fast besinnlich die ersten Zeilen. Trotzdem bleibt der gewohnt raue Unterton, der "New years eve" seien Authenzität verleiht. Textlich klingt das dann so: 

The door was open I was seething
Your mother burst in it was freezing
She said it looks like it's trying to rain
I was lost I felt sea sick
You convinced me that he'd left
You said keep talking but don't use any names
I scolded your driver and your brother
We are old enough to know how long you've been hooked
And we've all been through the war
And each time you score
Someone gets hauled and handcuffed and booked

 

Der ganze Song wirkt beruhigend, anheimelnd, friedlich. Es ist ein Stück welches wir zurzeit gut gebrauchen können. Mittendrinn dann macht Tom einen Schwenker auf "Auld lang syne", einem englischen Volkslied, welches meist zur Jahreswende gesungen wird. Eine Reminiszenz an die Verstorbenen des vergangenen Jahres. Im deutschen kennt man es unter dem Titel "Nehmt Abschied Brüder". Anschließend geht es in die letzte Strophe, um dann endgültig mit dem Refrain von "Auld lang syne" auszuklingen. Unheimlich schön. Wenn die Welt am endgültigen Abgrund steht, und weit sind wir davon wohl nicht mher entfernt, ist "New years eve" sicher einer der letzetn 5 Songs, den ich dann hören will.

Fazit: Saxophone, Trompete, Bass-Klarinette, Posaune, E-Bass, Gitarre und Keith Richards! Das Album klingt, gerade in den ruhigen, sehr melancholischen Passagen, melancholisch schön. Waits verleiht dem Longplayer die nötige Intensität. Seine Stimme ist und bleibt das bedeutendste Charakteristikum seiner Platten und hat einen unverkennbaren Wiedererkennungswert. In jedem Fall eine lohnende Anchaffung die einem so manchen dunklen Abend versüßen kann. Tom Waits hat nichts in der lange Plattenpause eingebüßt, er ist und bleibt der Meister der düsteren Töne und des rauen Timbre.

 

Ulf Kubanke vom Internet-Radio laut.de rezensierte über "Bad as me" unter anderem: "Eine LP für eine bessere Welt". Dem ist nichts mehr hinzuzufügen......

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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