in charge of rock `n` roll
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Wolfgang Niedecken - Zosamme alt

 

Sein ganz persönliches Dankeschön an seine Frau und das Leben !

Willkommen zu meiner ersten Platte des Monats! Da ich zurzeit in Umzugsmodalitäten stecke und im Zuge dessen viele Platten zwecks Transport schon sicher verstaut habe, breche ich gleich zu Anfang ein Tabu und fange heute mit einer CD Besprechung an, den warmen Klang der Platte aufs schmerzlichste vermissend, aber auch nicht wartend wollen, denn zu viele gute Scheiben bereichern zurzeit meinen Alltag. Aber keine Bange, schon bald greife wieder zum altbewährten Vinyl zurück

 

Was mir in den Tagen des frühen Herbstes 2013, und auch in dessen weiteren Verlauf, immer wieder durch die Ohren ging ist die 4. Soloplatte von Wolfgang Niedecken, „Zosamme alt“, welche er am 13.09.2013 veröffentlichte. Liebe Leser aus dem Süden, Norden und Osten der Republik, ihr kennt Wolfgang Niedecken wahrscheinlich nur als Frontmann der Gruppe BAP, die spätestens mit dem Song „Verdamp lang her“ die Konzertsäle und CD Player außerhalb deren Heimatstadt Köln füllten und die Band bekannt machte. Jedoch verfügt ist Sänger der Formation auch über hervorragende Soloqualitäten, und setzt diese von Zeit zu Zeit in verschiedenen Projekten um. So übertrug er einst Texte seines Idols Bob Dylan in kölsche Mundart und machte mit entsprechender musikalischer Umsetzung daraus das hervorragende Werk „Leopardefell“. Die Affinität zu Dylan ist wirklich ungeheuerlich. Mit der Zusammenarbeit der WDR Big band erfüllte er sich vor ein paar Jahren einen weiteren Traum. Heute jedoch konzentrieren wir uns auf erwähnte neue Solo LP, welche eine Hommage an seine Frau Tina darstellt, die ihm 2011 nach einem Schlaganfall durch ihre schnelle Reaktion vor schlimmeren bewahrte. Sein zwei Jahre später erschienenes Werk setzt sich aus diversen BAP Songs zusammen, die er im Laufe der Jahre für seine große Liebe schrieb, und welche er nun in akustischen, sehr ruhigen, folkigen Versionen für sie neu aufnahm und auf dem Album „Zosamme alt“ zusammen trug. Gleich beim ersten durchhören kamen mir gedankliche Vergleiche mit Bob Dylan, denn die meisten Stücke sind spärlich und authentisch instrumentalisiert, Songschreiberqualitäten stehen im Vordergrund, und außerdem hat Wolfgang für die Aufnahmen den langjährigen Gitarristen Bob Dylans, Larry Campell, arrangiert, sowie Stewart Smith, der bekanntlich für die Eagles in die Saiten griff. Was soll da noch schief gehen? Das ganze wurde dann auch noch artgerecht in Woodstock/New York  aufgenommen und in den legendären Electric Lady Studio in New York abgemischt. Freut euch also nun auf ein sentimentales, teils fragiles Singer/Songwriter Album, mit welchem Wolfgang Niedecken ein deutliches Ausrufezeichen ob seiner Qualitäten setzt, und seiner Berichtigung in jenem Genre erneut Zeugnis ablegt. Die nötigen „Rahmenbedingungen“ für meinen Bericht schafft die Jahreszeit von selbst. Relativ Früh bricht bereits die Abenddämmerung ein, mein „Auditorium“ dekoriert mit einem Teelichtkürbis, ein Glas Federweißer steht bereit. So gefällt mir die Atmosphäre.

 

„Zosamme alt“, der opener des Albums ist das einzig neue Stück auf dem Werk, denn alle anderen Songs sind, wie oben erwähnt, bereits auf verschiedenen BAP Alben in den vergangenen Jahren erschienen. Nun hat er jene Songs wieder aufgegriffen und akustisch neu eingespielt. Zosamme alt“ ging mir gleich unter die Haut. Wolfgang drückt hier seine ganze Dankbarkeit an Tina aus, auch Dank an das Leben im Allgemeinen, und stellt fest, dass man nach all den gemeinsamen Jahren nun auch zusammen alt wird. Der Song gibt einen kurzen Einblick auf die Stücke, die ihm folgen, reißen sie thematisch kurz an. Die beteiligten Instrumente sind, wie in allen Stücken des Albums, exakt auf seine Gesangsstimme angepasst, dezente Pedalsteeltöne geben dem Vocalstück die richte Würze. Ein wunderbarer Song. Im Folgenden „Rääts un links vum Bahndamm“ fährt es mir dann gleich unter die Haut. Das lange von mir nicht gehörte Stück, damals herausgebracht auf dem Album „Da Capo“, erscheint heuer in völlig neuem akustischem Gewand, weit entfernt vom ursprünglich rockigem Kleid, welches dem Song aber nicht minder gut stand. Ich wurde gleich eine Stufe sentimentaler, verlor mich in meinen eigenen Gedankengängen. Dass es sich hier um ein Lied für seine Frau Tina handelt wurde (für mich) hier völlig zur Nebensache. Letztendlich interpretiert sich der Hörer seine eigenen Gedanken in jeden Song, und ich denke mal so will es der Künstler im Allgemeinen auch haben. Ich selbst sehe mich in dem Stück durch einen Großstadtstadtteil laufen, den Alltag andere Menschen beobachtend. Die eingesetzte Harp im letzten Teil des Tracks setzt gefühlvolle Akzente.

 

Bei „Griefbar noh“ (Greifbar nahe), dem 3. Titel des Albums, wird es noch schlimmer. Reminiszenzen an Vergangenen kommen mir hoch, es wird gefühlsbetonter, der Song verbreitet eine herbstliche, authentische Melancholie. Süßlich rinnt mir der Wein durch die Kehle und verstärkt meine melanchonisch/schöne Stimmung. Danke Wolfgang. Das folgende „Nöher zu mir“ ist (neben einem Liebeslied) auch eine Anklage gegen den alltäglichen Wahnsinn, ausgelöst durch Medien, Gewalt und Unruhen in der Welt. Im Mittelpunkt dessen aber bleibt Tina; „Weck mich aus dem Alptraum“, singt er da. Sie ist sein Ausweg aus all dem Wahnsinn. Schon seltsam, die ganzen alten Klassiker so gänzlich neu arrangiert zu hören. Violine, Banjo, Orgel und Pedal-Steel, das ganze akustische Sortiment ist auf diesem Album vertreten.  Dat häst de joot jemaat Jung !

 

In „Paar daach fröher“ wirkt sein Stimmorgan mehr dominant, ohne aber das Gleichgewicht zu den akustischen Gerätschaften zu verlieren. Eine harmonisch perfekte Koalition. Erneut verleitet es mich zum (weg)-träumen. Eine Orgel verleiht dem Ganzen die richtige Würze. „Do jeht ming Frau“, Track 6, ist dann für mich die definitivste Liebeserklärung die Wolfgang seiner besseren Hälfte machen konnte. Welche Frau würde sich angesichts solch textlicher Komplimente nicht unglaublich wohl fühlen?! Glückwunsch Tina! Heimatlichen Gemütsbewegungen in Folge Wolfgangs Gesangsdarbietung kamen in mir auf, jedoch ohne derselben Anbiederung, und so wechselte ich zu diesem Zeitpunkt von süßlichem Federweißer auf herbes Kölsch. Lecker! Staunend sitze ich in der guten Stube, ob der Version von Lena begeistert. Alle damals Radiotauglichen Elemente wurden aus dem Song entfernt, reduziert und arrangiert aus das Wesentliche. Als nun vorliegender Folknummer gefällt mir das Stück fast besser als die Urfassung (sorry Wolfgang ;-) ). Mein Fuß wippt unaufgefordert im Takt, Wolfgangs erneut kräftige Stimme, Gitarren, und sogar Saxophoneinsätze machen aus dem ehemals poppigen Arrangement eine völlig neue Nummer!

 

Autogrammkarte Wolfgang Niedecken, erhalten auf einer Autogrammstunde in Köln

Posaunen(?!)einsätze geben dem nächsten Stück, „Ich wünsch mir, du wöhrs he“, im Mittelteil eine fast heitere Note, auch wenn der Autor des Liedes im Text gerade seine Liebste schmerzlichst vermisst. Und genau für diesen Teil sorgt im weiteren Verlauf des Songs eine gut platzierte Bluesharp, besser gehts nicht….. Das folgende „Jedanke em Treibsand“ ist ein textlich  resignierender Track, ebenfalls stammend, wie schon vorheriges Stück, aus dem Sonx Album, mit der Einsicht, einige Fehler gemacht zu haben und seine Beziehung damit zu gefährden. Ein zartes Streichinstrument haucht dem Stück hier authentisches Leben ein. Es folgt der Titel „Nie zo spät“, jener sich nahtlos den Vorgängertracks anschließt, auch hier mit bluesigem, also eher betrüblichem Inhalt, jedoch mit dem Hoffnungsschimmer im Refrain „Man säht et wör nie zo spät“ (Man sagt es wäre nie zu spät). Genau so geht der Blues, auch wenn die musikalische Umsetzung hier eher folkig ist, der Inhalt ist Blues! „Für Maria“ ist der 11. Titel des Albums. Es beginnt mit einer dezenten Bluesharp und Gitarre, bevor Wolfgangs beruhigende Stimme einsetzt. „Für Maria“ stammt ebenfalls aus dem 2004`er Album „Sonx“, und wurde brillant von Pop/Rock auf Folk umgeschmückt, nicht zuletzt durch die zwischendurch immer wieder die wohlklingende Bluesharp, mir fehlen die Worte. Für mich einer der stärksten Titel des Gesamtwerkes. „Magdalena“ gleicht dann wieder einer Anklage gegen Politik und Umweltzerstörung mit der Hoffnung, die er für sich in seiner „Magdalena“ findet. Ein nachdenkliches, schönes Stück, mit orientalischen Zwischenklängen.

Kurz vor dem Finale, denn es gibt noch eine Zugabe, dann ein Titel aus dem letzten, 2011 erschienenem BAP Album „Halv su wild“, "Waat ens jraad“ (Warte mal gerade). Die berühmten 3 Worte, die einem echten Rock `n `roll Mann doch einfach nicht über die Lippen kommen wollen….. Aber warte mal gerade; War der „Originaltitel“ nicht eh ein ruhiges, akustisch arrangierter BAP Song?! Zum Vergleich krame ich gerade mal das besagte Album hervor, die beiden Stücke möchte ich doch mal nacheinander hören. Und siehe an, im Prinzip beides folkig, sehr schöne Arrangements. Auf dem BAP Album macht sich Helmut Krumminga um der Gitarrenarbeit verdient, eine Geige begleitet ihn dabei, ein wunderbarer Song. In der Neuauflage kommt die Pedal-Steel erneut zum Einsatz, Wolfgang singt vielleicht etwas fragiler aber genau so schön, dezente Bläsereinsätze begleiten auch in diesem Track. Last but not least, der Verfasser dieses Textes mittlerweile restlos begeistert, kommt dann auch die „offizielle“ Hommage an Bob Dylan. Im original „All i really want to do“, wurde hier kurzerhand „eingekölscht“, klingt extrem Countrylastig aber keinesfalls Klischeehaft. In Wolfgangs Fassung heißt der Track nun „Alles, wat ich zo jähn wöhr“. Ein locker luftiges Musikstück mit eindeutiger Verneigung vor seinem großen Idol und natürlich an Tina!

 

Die Bonustitel, ein Auszug aus seiner Lesereise sowie 3 weitere tolle Stücke (lasst euch überraschen), lasse ich an dieser Stelle unangetastet, denn das „Hauptwerk“ hat mich wirklich sehr berührt. „Zosamme alt“ ist quasi ein Best of Album mit Liebesliedern an seine Gattin, und so gesehen ist es dann eigentlich auch ein Konzeptwerk, denn das Thema ist Programm, das man sich auf jeden Fall in Gänze zu Gemüte führen sollte, und nicht eben mal „durchzappen“ (holt euch also auf jeden Fall die Vinylausgabe).

 

Viel Spaß nun beim intensiven durchhören, ich sage euch es lohnt sich !

 

 

 

 

 

rockfrank

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler

Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

Joan Baez

Es genügt nicht, sich eine neue Regierung über den Kopf zu stülpen wie einen neuen Hut, und dann darauf zu hoffen, dass sich in der Rübe, die darunter steckt, etwas tut.

Frank Zappa

Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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© Frank Klitzing