rock will never die
   rock will never die

                              Vintage

Vintage“ ist im Allgemeinen ein Sammelbegriff für alte Gegenstände historischer Natur oder Objekte mit einem gewissen Alter. Eine gute Gitarre wird allerdings nie wirklich alt. Das weiß auch Thomas Dupré, ein junger französischer Musik-Journalist. Denn eine 1957`er GibsonModerne“ ist das begehrte Sammelobjekt in dem hier vorliegenden Roman, worum sich alles dreht. Aber existierte dieses Modell, welches angeblich nur 3-mal als Prototyp gebaut wurde, überhaupt, oder beruht die ganze Sache nur auf Geschichten und Legenden. Um jenes herauszufinden und somit eine beträchtliche Summe Geld einzustreichen, schickt der vermeintliche Lord den  jungen Franzosen in die Weltgeschichte, um sich auf die Suche nach dem genannten Objekt zu machen. Sein Bonus: 1 Millionen Dollar! Ferner dreht sich alles um Blues und Rock `n` roll, hintergründig und professionell recherchiert. Der Schreibstil des Autors zieht dich unmittelbar in seinen Bann, und du kannst das Buch nicht mehr weg legen. Dieser Bestseller ist Rock `n` roll!

 

Verfasser Grégoire Hervier ist ein französischer Schriftsteller und Musikliebhaber, der in seinem 3. Roman gekonnt und authentisch Fiktion mit Realität vereint, und damit eine Art kriminalistisches Roadmovie zum lesen erschuf. Neben dem ansprechendem Buch-Cover fällt vor allem die ungewöhnliche Aufteilung der Kapitel auf, die in „Vintage“ eben nicht als solche zu verstehen sind, sondern in der Struktur der eines Songaufbaus folgen; Intro, 1. Strophe, Refrain, 2. Strophe, Bridge, 1. & 2. Solo und Outro. Eine interessante und passende Idee. Bravourös geschrieben, fesselt der Roman von der ersten Seite an nicht nur Musikliebhaber, aber die dann wieder insbesondere. Durch die präzisen Recherchearbeiten des Autors entstand ein Mekka aus Blues und Rock `n` roll, erzählt durch die Suche nach einer einzigen Gitarre. Gleichzeitig entwickelt sich die Geschichte aber auch zum Kriminalroman. Das Buch ist eine Liebeserklärung an den Rock `n` roll. Sollte es je eine Hörbuchversion dieses fantastischen Romas geben, müsste sie definitiv auf Schallplatte veröffentlicht werden. Denn nichts anderes ist „Vintage“. Ein Buch wie eine Longplayer.

Exemplarisch und originalgetreu aus dem französischen übersetzt wurde „Vintage“ von Stefanie Jacobs und Alexandra Baisch.

 

Ausgerechnet ein junger Franzose also, so könnte man denken, bringt uns in „Vintage“ den Rock `n` roll näher. Wehe dem aber der jetzt denkt, Franzosen können doch kein Rock?! Weit gefehlt. Mal abgesehen von der im Erscheinungsjahr dieses Buches verstorbenen Musik-Legende Johnny Hallyday, denke man beispielsweise nur an Natchez, eine französische Southern-Rock Band(!), die sogar bzw. natürlich in Landessprache singt, was die Sache in Bezug auf Southern-Rock wiederum sehr exotisch macht. Aber auch junge aktuelle Bands mit ähnlicher Stilrichtung sind derzeit am Start, so die die sympathische Laura Cox. Doch zurück zu Thomas Dupré, der 25-jährigen Haupt-Protagonist in „Vintage“, der einen Aushilfsjob in einem Pariser Gitarrenladen hat, und im Auftrag seines Arbeitgebers eine jener gerade verkauften Instrumente persönlich an einen Käufer nach Schottland bringen soll; Lord Charles Dexter Winsley. Der undurchsichtig wirkende Kunde mit dem Adelstitel besitzt eine beachtliche Sammlung an originalen und äußerst seltenen Gitarren, welche er teilweise gekauft hat, teilweise persönlich von Musiker erhalten hat. Sein Wohnsitz: Das Boleskine-Haus, welches ehemals von Led Zeppelin Gitarrist Jimmy Page bewohnt wurde. Dupré ist zutiefst beeindruckt und bekommt von Lord Winsley ein verlockendes Angebot. Er soll den Beweis für seine Versicherung erbringen, dass die sagenumwobene „Gibson Moderne“ 1957 tatsächlich gebaut wurde, oder es zumindest einen Prototyp jener gab. Sein Lohn; 10% der Versicherungssumme über 10 Millionen Dollar! Der Lord war bis vor kurzem (angeblich) selbst stolzer Besitzer genannten Modells, bis es zu einem Diebstahl im Hause Boleskine kam. Um der Versicherung einen glaubhaften Beweis vorzulegen, schickt er den von Beginn an sympathischen Franzosen quer über den Erdball und kommt mit seinem scheinbar unerschöpflichen Scheckbuch für sämtliche Reisekosten und Spesen auf. Nach zunächst nur wenig befriedigender Heimrecherche entsendet der schottische Käufer Thomas Dupré nach Australien, wo ein Chinesischer Sammler, Herr Oshima, sein Feriendomizil hat, in welchem dieser eine nicht minder beachtliche Kollektion, meist aber modernerer Gitarren, untergebracht hat. Natürlich angeblich auch die „Gibson Moderne“……

 

Mit wenig Erfolg aber einem entschiedenem Hinweis geht es für den Musikliebhaber von Sydney aus geradewegs über den großen Teich nach Amerika, ins Mekka des Rock `n` roll – nach Memphis/Tennessee. Unbegrenzter Mietwagen inklusive. Dupré trifft sich mit einem zweifelhaften Elvis-Imitator, der angeblich eine „Moderne“ besitzt. Und diesmal sieht es zunächst tatsächlich danach aus. Doch so schnell ist das Abenteuer nicht vorbei. Im Gegenteil; Mittlerweile sind 2 Morde begannen worden, die beide im Zusammenhang mit dem mysteriösen Saiteninstrument stehen. Eine ernste Spur führt ihn dann nach Oxford/Mississippi, wo er mit Hilfe der Studentin Lorraine Williams, welche einen Aufsatz über „Tradition und Kreativität im Chicago-Blues der Nachkriegszeit“ verfasst hat, und an der dortigen Universität „Old Miss“ studiert, sowie ihrem Universitätsprofessor Vince Browning, einige wesentliche Fakten über einen gewissen Li Grand Zombi Robertsons raus findet, der Ende der 1950`er Jahre genau solch ein Instrument gespielt haben soll. Gemeinsam werden Recherchen angestellt, und mit Hilfe einer Plattenhülle findet man das längst vergangene Label „Cleftone Records“, sowie Informationen über dessen Besitzer und ehemaligen Angestellten, welches Thomas dann teilweise ausfindig macht und besucht (er fährt dafür bis nach New York), um neue Teile in seinem Puzzle zu erhalten. Unterdessen wartet ein ungeduldiger Lord im fernen Schottland auf handfeste Beweise, welche Dupré bislang nur unzureichend liefern kann, denn für die Versicherung ist es zu wenig. Nach einem Disput zwischen Auftraggeber und dem Franzosen, was dass kurzfristige Sperren der eigens für Dupré eingerichteten Kreditkarte zu Folge hat, ermutigt ihn Winsley zur Wiederaufnahme seiner Aufgabe, welcher Thomas dann auch gleich nachgeht. Namen von Gründungsväter des Blues wie Charley Patton, Son House oder Robert Johnson spielen plötzlich eine Rolle. Lorraine hat mittlerweile die noch lebende, jüngere Schwester Li Grands ausfindig gemacht und ein paar interessante sowie schockierende Informationen während eines Besuches bei ihr, erfahren.

Von hier an nimmt die Geschichte in „Vintage“ eine unvorhergesehene Wendung. Thomas Dupré bekommt, eher durch einen Nebendarsteller des Romans, Joey, ebenfalls an der „Old Miss“ studierend, ungewollt den entscheidenden Fingerzeig, dass über alles ein dunkles, schweres Thema schwebt; Der Okkultismus bzw. Satanismus. Langsam schließt sich hier auch der Kreis zu Lord Winsley, der, wie sich noch herausstellen sollte, in Wirklichkeit ein hochgradiger Betrüger ist. Unter falschem Namen wohnt er in einem schottischen Anwesen welch einst Jimmy Page bewohnte, in jenem aber zuvor auch schon der britische Okkultist Aleister Crowley lebte. Der okkultistische Bezug zu Rock `n` roll? Kein ungewöhnlicher, wenn man nur an Texte und Musik von Bands wie Led Leppelin, Black Sabbath  oder Cream denkt. Der Teufel war hier oft buchstäblich im Detail. Besonders Jimi Page von erstgenannter Band hat mit seinem Album „Lucifer Rising And Other Sound Tracks“, die Filmmusik zu dem 1972 vom skurrilen Filmemacher Kenneth Anger veröffentlichtem Streifen „Lucifer Rising“, die Mühlen ans rollen gebracht, in dem er ebenso skurrile und unheimlich anmutende Klangskulpturen in die Rillen presste. Der Bezug zur Moderne? Der wird in „Vintage“ weiter gesucht.

Nachdem ein unbekannter Absender die verschollen geglaubten Bänder Li Grand Zombie Robertsons an Vince Browning schickte, eröffnen dessen Aufnahmen den 3 Protagonisten nicht nur völlig neue Klangdimensionen, sondern führen auch zu ihrem nächsten Hinweis auf die „Moderne“, bzw. Li Grand Zombie Robertson. Versteckt in einer Textpassage des Sängers. Im U.S. Bundesstaat Louisiana stößt man dann auf Jungle Jack, ein alter Weggefährte Robertsons und Absender der verschollenen Bänder. Hier erfährt der Protagonist dann endlich und endgültig DEN entscheidenden, lang gesuchten Beweis auf die Existenz der Gibson „Moderne“. Zurück in Oxford, offenbart sich dann auch die Wahrheit über den angeblichen „Lord“ in den schottischen Highlands. Wieder ist es Nebenakteur Joey, der hier die wichtigen Informationen zusammen getragen hat.

Das unvermeidliche Finale findet derweil auf dem Friedhof statt, der als Li Grand Zombies letzte Ruhestätte bekannt ist, und wo sich übrigens auch die letzte Ruhestätte Robert Johnsons befindet. Hier taucht auch der tot geglaubte Elvis-Imitator wieder auf und liefert sich mit Dupré einen entscheidenden Kampf. Nein, es wird in keinerlei Hinsicht kitschig oder geschmacklos. „Vintage“ bleibt definitiv authentisch. Und die 1957 „Moderne“? Zumindest in dem hier vorliegenden Roman, existiert sie. Diese Erkenntnis bleibt aber dann auch wider Teil der Fiktion, denn ob sie nun tatsächlich anno 1957 gebaut wurde, und wenn auch nur als Prototyp, ist bis heute nicht wirklich erwiesen……

 

Fazit: „Vintage“ ist mehr als nur ein Buch. Es ist eine gelungene Zeitreise in den    Rock `n` roll, ein Fachbuch für Gitarrenliebhaber (denn alle Angaben sind genauestens recherchiert und mit viel Liebe wiedergegeben), ein Kriminalroman und/aber vor allem, ein Roadmovie in Buchform. Ein Roman wie ein einziger, langer Song !

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