in charge of rock `n` roll
                       in charge of rock `n` roll

                      25 Jahre Gov`t  Mule

Quintessenz und Sinnesrausch

Genies unterliegen keinen Regeln. So in etwa könnte man die 5 Ausnahmekünstler beschreiben, die seit nunmehr 25 Jahren Klangwelten erschaffen, welche gefühlt aus einem anderen Universum stammen. Allen voran ihr charismatischer Frontmann Warren Haynes, dessen Schaffenspsychologie über jede normale Vorstellungskraft weit hinausgeht. Ein Feuergeist, der es zusammen mit seiner Band schafft, aus einer Mixtur von Southern-Rock, Heavyblues, Blues, Funk, Country, Rock und Soul eine gesellschaftliche Rolle einzunehmen, die nicht nur eine soziale Funktion hat (man setzt sich immer wieder mit politischen Themen und dem Zustand der Gesellschaft auseinander), sondern und gerade auch, dem geneigten Zuhörer eine musikalische Pforte öffnet, welche allenfalls einem Tonvisionär wie Jimi Hendrix vorbehalten war. Leader Warren Haynes ist nebenbei zudem noch in diversen Nebenprojekten tätig und veröffentlicht regelmäßig Soloalben.

 

Als Warren Haynes, Allen Woody und Matt Abts im Jahr 1995 ihr selbstbetiteltes Debutalbum auf den Weg brachten, konnte noch niemand ahnen, welch musikalisches Beben sie damit auslösten. Ein Beben, welches sich auch nach mehr als 25 Jahren nicht beruhigen will. Auffallend im Southern-Rock verwurzelt leben sich viele weitere Genre-Elemente im Klangfeld ihres Gitarrensounds aus, wobei ihr dynamischer, mitunter rauer Bluesrock, das kraftvolle Fundament ihrer Tonsprache bleibt. Allen voran jedoch prägen Warrens feinbesaitete Virtuosität und seine markanten Riffs ihren sound. Eigentlich „nur“ als Nebenprojekt 1994 gegründet (Warren und Allen waren fester Bestandteil der Allmann Brothers), entwickelte sich ihre Musik schnell aus dem Fahrwasser der Allmans zu einem ganz eigenen Sound, welchen sie emotional und handwerklich perfektioniert haben. 2001 dann der unerwartete Tod des Bassisten Woody Allen, der in einem Hotelzimmer an einem Herzinfarkt starb. Es folgten die beiden Tribut-Alben „The deep end“ und „The deep end vol. 2“, auf welchen verschiedene Bassisten dazu eingeladen wurden, Woody zu Ehren Gov`t Mule am Bass zu begleiten. In den Jahren 2003 – 2008 entscheid man sich folglich für Andy Hess als Bassman (ehem. The Black Crows), bevor man ab 2oo8 den Schweden Jorgen Carlsson als festes Bandmitglied unter Vertrag nahm, welcher bis heute die kräftigen Saiten seines Arbeitsgerätes zupft. Außerdem erweiterte man 2003 auch noch das Soundgefüge der Combo durch die Aufnahme eines Keyborders, welcher fortan und bis dato Danny Louis ist, der den Stil der Band durch seine Tastenarbeit mit einer zusätzlichen, prägnanten Note dekoriert. Das klassische Power-Trio Lineup war fortan ein Quartett. Mit unverfälschter Energie und kultureller Nachhaltigkeit schaffen es Gov`t Mule immer wieder dich ein Stück weit von diesem durchgeknallten Planeten zu holen, in eine andere Stratosphäre zu befördern und dich dort ihrer Tonschöpfung auszuliefern. Maßgebend ist hier sicherlich Frontman Warren Haynes, welcher keine formalen Strukturen beim Komponieren zu kennen scheint. Allenfalls Bruce Springsteen ist noch in der Lage mit seiner musikalischen Schöpfung bestimmte Stimmungen zu vertiefen, Sinnbereiche zu berühren. Der seelische Haushalt erfährt hier -wie da seine Genugtuung. Die schöpferische Glut der Band ist förmlich spürbar. Ihre Musik ist über STrecken komplex und somit nicht gleich für jedermann zugänglich. Befreift man aber ihre Inrention dahinter, das Lebensgefühl, ist man im Stande, seine Gefühlslagen differenziert zu reflektieren.

 

Den emotionalen Gehalt eines Gouverment Mule Konzerts hingegen zu bestimmen scheint aus Sicht des Schreibers schier unmöglich. Du verlässt das Konzertareal mit einem Gefühl der Befreiung, der vollständigen musikalischen Befriedigung, ob des eben erlebten. Ob Jorgens Bass-Stakkato, Matts eindringliche Drums oder Dannys grandiose Keyboardeinlagen. Die Eigendynamik, das blinde Vertrauen, manifestiert sich auf der Bühne und überträgt sich sofort auf das Publikum. 10-minütige oder längere Jams sind hier keine Seltenheit. Sowohl die musikalische, als auch die vokale Darbietung der Band ist enorm. Sie finden immer wieder neue Formen der Ausdruckssteigerung und lassen die Bühne in Flammen aufgehen. Legendär auch ihre Halloween -und Silvesterkonzerte, bei denen sie sich regelmäßig fremder Partituren habhaft machen, um Songs von Led Zeppelin, Pink Floyd, Hendrix, Free oder den Rolling Stones auf ihre ganz eigene Art zu interpretieren. Musik der Helden ihrer eigenen Vita. Die Demut des Rock `n` roll gegenüber findet man nicht nur in jeder einzelnen Komposition der Band, sondern vor allem auch in ihren außerordentlichen Coverversionen.

Man baut nahezu religiöse Empfindungen zu jener Band auf. Ein Spiegel der Seele. Für den Autor dieser Zeilen ist es die absolute Musik. Man fühlt sich in den Emotionen ihrer Tonkunst gefangen. Die Unmittelbarkeit und die Härte, mit der hier Dur und Moll so manches Mal aufeinanderprallen bringt dich schnell an den Rand des Wahnsinns. Eines positiven Wahnsinns. Gov`t Mule ignorieren einfach die Modifikation des Grundzeitmaßes und geben dir Raum für deine eigene Vorstellungsgabe. Sie transportieren ein Lebensgefühl in rockaffinen Gefilden und lassen sich nicht auf kommerzielle Einschränkungen ihrer Kreativität ein. Die Band dient weiter ihrer eigenen Ewigkeit und erreicht eine Reputation, die jeder Kritik strotz, gelangt in eine Dimension, die nur den wenigstens Musikern vorbehalten ist. Warren Haynes übernimmt hier die zentrale Rolle, ist das Energiezentrum, schafft es immer wieder durch seine Kreativität den Zuhörer in seinen Bann zu ziehen, ihm Orte zu öffnen, die zugänglich nur durch das Schaffen seiner Befähigungen sind. Ein Pygmalion der Kryptologie, wenn man so will. Die Welt versucht zu sterben, so kommt es einem manchmal vor, wenn man sich die grenzenlose Unfähigkeit politischen Wägens einiger sogenannter Volksvertreter betrachtet. Warren Haynes setzt mit Gov`t Mule sein handwerkliches Ausdrucksmittel dagegen und macht die Umstände erträglicher ! Nicht zuletzt auf ihrem aktuellen Album, „Revolution come…Revolution go“, dokumentiert.

 

Im Jubiläumsjahr 2019 gibt es zwar aktuell keinen neuen Longplayer der Band, aber immerhin zwei Livemittschnitte ihrer Konzerte im April 2018, welche sie anlässlich ihres bevorstehenden Wiegenfestes im Capitol Theatre in Port Chester im US-Bundesstaat New York gegeben haben. „Bring on the music  - live vol. 1 und 2“ erscheint am 28.06. auf jeweils blauem und lilafarbenem Doppel-Vinyl.

 

 

Bleibt zu hoffen, dass uns die Esel noch viele Jahre begleiten werden. Gegen den Strom des Zeitgeistes schaffen sie uns eine Welt, in derer zu leben es erträglich erscheint. Ihre Musik ist die Assistenz durch unsere Biografie, Helfer, Motivator und Lebenströster.

 

 

 

 

Ein mulehead

Kommentare

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Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

Es wird keine Beatles Reunion geben, solange John Lennon weiter tot bleibt.

George Harrison

Das M in MTV stand nie für Musik, es stand schon immer für Money.

Neil Young

Wir mögen alles, was eine heftige Reaktion gegen die Norm darstellt.

Jim Morrison

Ich möchte zeigen, dass Gospel, Country, Blue, Jazz und Rock ein und dasselbe sind.

Etta James

I like beautiful melodies

telling me terrible things.

Tom Waits

Als dann feststand, dass Donald Trump gewonnen hatte, haben wir (Gov`t Mule) umgehend einen ausgedehnten Blues gespielt, um das ganze so aus unseren Systemen herauszukriegen.

Warren Haynes

Eine gute Sache an Musik ist, dass wenn sie dich trifft, du keinen Schmerz spürst.

Bob Marley

Man wird Bob Dylans Lieder auch dann noch hören, wenn wir alle längst tot sind.

Bruce Springsteen

The blues had a baby and they call it Rock`n` Roll.

Muddy Waters

Mick ist Rock, ich bin Roll.

Keith Richards

Ich weiss nicht wer ich bin. Aber das Leben ist zum Lernen da.

Joni Mitchell

Ich habe geträumt, dieses Land hätte mal wieder eine gescheite Regierung! Aber es war nur ein Traum! "Well done, Germany!"

Elton John

Jesus wurde gekreuzigt, weil er bemerkt wurde. Deswegen verschwinde ich häufig von der Bildfläche.

Bob Dylan

Wenn du dich an die 60er erinnern kannst,

warst du nicht dabei. 

Paul Kanter (Jefferson Airplane)

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Wir können uns nicht aussuchen wie wir sterben - oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben.

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Life is what happens when you have made other plans.

John Lennon

Auf der Bühne habe ich Sex mit 25.000 Menschen. Anschließend gehe ich nach Hause. Alleine.

Janis Joplin

Musik ist eine eigene Lebensform.

Jimi Hendrix

Before Elvis there was nothing.

John Lennon

Clarence hat die E Street nicht verlassen, als er gestorben ist. Er wird sie verlassen, wenn wir sterben.

Bruce Springsteen

Der Blues und eine gute Predigt haben viel gemeinsam.

Muddy Waters

Janis starb an einer Überdosis Janis.

Eric Burdon

Blues ist harte Arbeit.

Gary Moore

Music takes us to a spiritual place.

Layla Zoe

Rock `n` roll ist Weltmusik.

Wolfgang Niedecken

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