rock will never die
   rock will never die

  Zappa Munich ´80 

 

3-fach LP orange vinyl v.ö. 31.03.2023

Zugegeben, der Autor dieser Rezension hatte zum Zeitpunkt des Konzerts erst 9 Altersstufen auf dem Lebenskonto, was also den Hauptgrund dafür darstellt an diesem Konzert nicht in Persona teilgenommen zu haben. 2023 dann, mittlerweile im 53. Lebensjahr durfte er zumindest die Veröffentlichung jenes Ereignisses vor 33 Jahren miterleben und fühlte sich, angesichts dieser großartigen Aufnahmen, in die Zeit zurückversetzt. Eine wilde musikalische Orgie, verteilt auf 3 Longplayern, alternativ in orangenem Vinyl. Dagegen wirkt das Coverdesign für Zappa Verhältnisse relativ brav. Ein lässiger Protagonist mit großer Sonnenbrille und Gitarre umhängend. Nun gut, er hat es ja auch nicht mehr selbst gestalten können. 

Bleiben wir aber zunächst bei der Hülle, das sorgfältig ausgestaltete Gatefold-Cover (es kursiert allerdings auch eine frühere Bootlegpressung hiervon), ist mit wortreichen Linernotes im Inneren ausgestattet, welche detaillierte Informationen zum Konzert preisgeben. 

 

 

Die Abtastnadel des Thorens402 DD bewegt sich langsam von ihrer Ausgangsposition in der Startrille zu Track 1 des Vinyls und fängt zunächst die Atmosphäre in der Olympiahalle zu Beginn des Konzerts ein, bevor in Track 2 in "Chunga`s revenge" übergeleitet wird, ein Instrumentalstück aus dem gleichnamigen, 1970 erschienenen Album Frank Zappa`s. Langgezogene Tonfolgen seiner 6-saitigen eröffnen den Song, welcher sich insgesamt über 07:14 Minuten zieht. Ein akustisches Hörerlebnis par excellence. Neben Zappa selbst bestand die damalige Band aus Ike Willis und Ray Wight ((beide guitar und vocals), Arthur Barrow (bass), Tommy Mars (keyboard), sowie David Logeman (drums). Die Band stellt er dann auch am Ende des Titels, verbunden mit einer allgemeinen Begrüßung, vor. Es folgen "Keep it greasy", von "Joe`s Garage" und "Pick me, i`m clean", welches erst ein gutes Jahr später auf dem Album "Tinsel Town Rebellion" veröffentlicht werden sollte. Zappa`s mitunter "knarziger" Gitarrensound bildet die Leitfigur in diesem Vokalstück und übernimmt fast die ganze zweite Hälfte des Tracks, fantastisch!

 

Dann gilt es auch schon die Platte zu wenden, bevor es auf Seite B mit dem bekannten, con den Fans gefeierten, "City of tiny lites" weiter geht. 09:11 Minuten die dich fesseln, nicht mehr loslassen und vor allem Frank`s brillianate Gitarrenarbeit erneut in den Vordergrund platzieren, wo er musiktechnisch in einer exponierten Lage spielt. Ein spannungsreicher Ort, den zu besuchen es lohnt. "Pound for a brown" beansprucht anschließend den gesamten Rest der B-Seite und wird bestimmt durch das Werken von Tommy Mars am Keyboard und der Rhythmus-Sektion Barrow/Logeman`s. Aufbrausender Zwischenapplaus zur Mitte des Stückes von den Rängen der Fans ist zu hören, bevor Frank abermals die Leadstimme durch seine E-Gitarre übernimmt.  Rund 12.000 Zuschauern wohnten damals in der hiesigen Olympiahalle jenem Ereignis bei. Zeit, die zweite Platte behutsam aus ihrer Hülle zu ziehen. "Cosmik debris" leitet Seite C ein, ein Titel aus Zappa`s Konzertfilm "Roxy - The Movie", welche die 3 Auftritte der Band, (damals noch mit den Mothers of Inventions, im Dezember 1973, festhält. Es folgen "You didn`t  try to call me", "I ain`t got not heart", "Love of my life" (kürzester Track der LP) und "You are what you is".

Das Sextett war an jenem letzten Konzert der "Spring & Summer Tour 80" in München glänzend aufgelegt und spielte sich vergnüglich, aber professionell, durch das Programm.

 

 

"Easy meat", ist dann der erste Titel zu Beginn von Seite D. Erneut aus dem erst ein Jahr später erschienenen Werk "Tinsel Town Rebellion". Frank`s bravouröses Schaffen auf seiner Stratocaster zieht dich erneut in seine Magie und lässt Dich den Alltag für 11:02 Minuten vergessen. Phänomenal! Der Tonarm des Thorens arbeitet sich weiter durch die Vertiefungen des orangefarbenem Vinyl`s und präsentiert uns bis zur Schlussrille noch "Mudd club", "The meek shell inherit nothing", "Joes`garage" (vom gleichnamigen Album) und "Why does it hurt when i pee?", dessen Übersetzung ich mir an dieser Stelle erspare... Jener Song stellt auch das offizielle Ende des Konzerts da, von welchem sich Zappa mit den Worten "Thanks for coming to the show, good night", verabschiedete.

 

Zwischenfazit: Lupenreine, klangliche Qualität liegt hier auf 3 qualitativ hochwertig gepressten Tonträgern vor, was sicher auch daran liegt, dass jenes Konzert 1980 unmittelbar nach den Aufnahmen digital bearbeitet wurde, was eine Premiere in den Veröffentlichungen des Musikgenies darstellte. Verantwortlich hierfür zeichnete sich damals Claus Wiedemann, Zappa`s Toningeneur deutscher Herkunft, der für sein ausgeprägtes Qualitätsschaffen bekannt war.

 

Die vorletzte Seite der dritten Langspielplatte hält dann noch einige Schmankerl bereit. „Dancin´fool“ eröffnet den Reigen, ein Song aus dem 1979 erschienenem Doppel-Album „Sheik Yerbouti“, welches einen Wendepunkt hin zu einer kommerziellen Phase in Zappa`s Karriere darstellte. Der burleske, komödiantenhafte Zugang seiner Texte kommt hier auffällig zum Vorschein. Die einleitenden Klänge zu „Bobby Brown“ wurden von Beifallsbekundungen der Fans begleitet. Die extravagante Version des Songs glich einer Anmaßung im christlich religiösen München, den Fans war es jedoch egal und sie feierten die provokativen Zeilen des „erfolgreichsten“ Songs des Amerikaners. Der ausgelassene Charakter von „Ms. Pinky“ führt die Platte fort und mündet vor dem finalen Wenden der 3. Platte in „Stick it out“. Und das hat es in sich: Ohren auf, Frank Zappa singt die sexistisch/machohafte Nummer zum Teil auf Deutsch! Er hat es sich eigens für das Konzert in München übersetzen lassen. „Fick mich, du miserabler Hurensohn“, klingt es durch das Rund der Halle, christlich oder nicht, die Fans feierten es vergnüglich ab. Im zwanghaft katholisch geprägten München der 1980`er Jahre sicher keine Selbstverständlichkeit, doch den Zappa-Jüngern war es einerlei. Die D Seite des Vinyls erstreckt sich dann abermals auf nur 2 Titel, welche die unwiderruflich letzten beiden Stücke des Konzerts vom 03.07.1980 in der Münchener Olympiahalle darbieten. „Nite owl“, aber vor allem das sich über 10-minuten erstreckende „The Illinois enema bandit“, einem Song über eine wahre Geschichte des straffälligen Michael Kenyon aus Chicago, gab dem Maestro nochmal die Gelegenheit sich vollends an seiner Klampfe zu profilieren und meisterhafte Gitarrenläufe zu präsentieren. Fantastisch! Die letzten Sekunden gehören dann nochmal den Fans und man spürt die Energie in der Halle förmlich.

 

 

Fazit: Ein beeindruckendes Werk, welches nicht nur für eingefleischte Zappa Fans empfehlenswert ist. Verarbeitet in berster Qualität, rundet der warme Klang der Vinylausgabe die Sache final ab. Abermals unterstrich Zappa hier seinen musikalischen Perfektionismus, welcher bei ihm auch künstlerisch administrative Anforderungen umfasste, denn nichts blieb bei ihm auf einen Zufall beruhend. Mehr kannst Du nicht verlangen. Die Archive der Nachlassverwaltung Zappa`s scheinen noch gut gefüllt zu sein, und wir dürfen uns auf weitere Veröffentlichungen freuen. 

 

 

 

 

 

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