rock will never die
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The Waymores

photo by: Lyza Renee

Ich traf dass Country-Duo The Waymores während ihrer Europa-Tour in Köln und sprach mit ihnen

über traditionelle Country-Musik, ihren Werdegang und anderen Themen. In dem lockeren Gespräch erzählten Kira und Willie viele Anekdoten und hatten reichlich Spaß.

 

rockfrank: Kira, Willie: Danke, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, für rockfrank.com ein paar Fragen zu beantworten. Ich fühle mich geehrt. Ist dies Euer erster Besuch in Europa bzw. Deutschland? Welche Eindrücke habt Ihr bisher sammeln können?

 

Kira: Wir freuen uns, hier zu sein! Nein, tatsächlich tourten wir 2019 schon einmal hier. Wir kamen rüber, starteten in Großbritannien, nur wir als Duo.  Dann trafen wir die Jungs von der Band und sind durch den Tunnel hier rüber und spielten drei, nein, vier Wochen hier.

 

Willie: Ja, vier Wochen waren es. Wir spielten zwei Wochen in England, nur wir zwei; dann trafen uns die Jungs in Brighton, wir probten, schnappten uns den Van, ab durch den Tunnel und dann vier Wochen in Europa. Tatsächlich spielten wir in der gleichen Bar hier, dem EDP (Em Drügge Pitter). Für mich ist es das dritte Mal, dass ich hier spiele; tatsächlich habe ich bereits mehrere Male in Köln gespielt, als mich meine Solokarriere 2006 hierhin führte. Ich habe ja ein paar Auftritte während meiner Solokarriere gehabt, lange bevor wir als The Waymores starteten. Interessanterweise haben wir uns direkt, nachdem ich von jener Tour nach Hause kam, kennengelernt.  

 

Kira: Was für ein großartiger Tag für Dich!

 

Willie: Stimmt. Was für ein großartiger Tag (schmunzelt, Kira ebenso).                                Aber ja, ich liebe Köln, ist wahrscheinlich eine meiner Lieblingsstädte, von allen, die ich gesehen habe.

 

Kira: Es ist einfach wunderschön.

 

Willie: Ich bin dann immer total aufgeregt. Wir sind heute direkt in die Innenstadt, sind direkt zum Dom gegangen. Der Anblick raubt mir jedes Mal den Atem, weißt Du. Jedes Mal, ist es wie das erste Mal, wenn ich ihn sehe.

 

rockfrank: Waymore war auch der Beiname von Country-Legende Waylon Jennings. Habt Ihr Bezug auf ihn genommen, als Ihr Euch für diesen Bandnamen entschieden habt? Ist Waylon eines eurer Vorbilder?

 

Kira & Willie einstimmig: Ja, absolut, eines unserer Idole.

 

Kira: Ihr werdet geschockt sein, aber den meisten Leute ist diese kleine Tatsache gar nicht bekannt, also fragen sie auch nicht so danach. Sie fragen eher “Wie seid Ihr auf Euren Bandnamen gekommen?”, und dann müssen wir erklären, dass es Waylon Jennings Spitzname war. Aber das ist zu 100 Prozent, warum wir uns dafür entschieden haben; weil wir Waylon Jennings so sehr lieben.

 

Willie: Wir hatten beide Solokarrieren, bevor wird uns kennengelernt haben, und wir suchten nach etwas, das wir zusammen machen könnten. Ich ging auf Tour und kam pleite zurück. Und dann ging sie (Kira) auf Tour und kam ebenfalls pleite zurück. Und ich sagte so, ich kann das…(nicht mehr), es macht mich kaputt. Also überlegten wir, was wir zusammen machen könnten. Aufgrund meiner Verpflichtungen meinem Plattenlabel gegenüber konnte ich meinen Namen nicht so ausreizen, nur nebenher in ein paar kleinen Bars spielen, um etwas extra Geld zu haben. Also begannen wir etwas zusammen. Aber, wie ich schon sagte, wir konnten dafür nicht den Namen Willie Heath Neal benutzen. Also überlegten wir, wie wir uns nennen könnten. Und ich sagte “Lass uns einfach The Waymores” sein, und dabei blieben wir.

 

Kira: Ich war ein bisschen angetrunken, als ich dem zugestimmt habe; ich mache mir nicht so viel aus dem Namen. Ich wünschte, wir hatten uns anders genannt.

 

Sandra B: Wie denn?

 

Kira: Ich weiß nicht, was es geworden wäre.

 

Willie: Wir hatten da einen Namen, aber den können wir nicht sagen.

 

Kira: (lachend) Nein, definitiv nicht. Wir hatten ein paar Überlegungen angestellt…Mittlerweile glaube ich, The Waymores passt zu uns, auch weil wir damit eine Marke kreiert haben. Aber lieben tue ich ihn (den Namen) immer noch nicht.

 

Willie: Ich liebe ihn immer noch, ich mag ihn, ich stehe immer noch zu ihm. Wisst Ihr, wir leben in Atlanta, Georgia, in den Staaten. Und zuerst dachte ich, lass uns The Atlanta Waymores sein, Aber dann wurden es ‘nur‘ The Waymores, und ich mag es immer noch. Ich denke, es ist ein guter Name. Es klingt wie der Name eines Paares, als ob wir Kira und Willie Waymore wären.

 

Kira: Stimmt, viele Leute denken, dass es unser Nachname ist.

 

Willie: Und wir schauten uns um und dachten, sicherlich hat jemand diesen Namen schon markenrechtlich geschützt, was aber nicht der Fall war. Wir ließen ihn schützen, nun besitzen wir ihn, auch die Domain. Und dann trafen wir in Nashville auf eine Band, die auch den Namen hatte. Und das waren ein paar ziemlich erfolgreiche Songschreiber, drei Songschreiber. Sie touren nicht wirklich, machen nicht viel derart, nur ein paar Gigs in der Stadt. Und einer von diesen Jungs – und die hatten tatsächlich ein paar Songs für Waylon Jennings geschrieben - hat sich an uns gewandt und sagte „Ihr wisst, das wird merkwürdig werden, wenn wir mal touren sollten…“. Und ich sagte „Nun, es wird dann für Euch alle merkwürdig sein, weil wir ja Inhaber der Marke sind und uns die Domain gehört. Wir besitzen alle Rechte für uns“. (Kira und Willie lachen beide). Aber sie haben es wirklich gut aufgenommen.

 

Sandra B: Nun, wir lieben ihn (den Namen). Wir lieben The Highwaymen.

 

Kira: Oh ja, The Highwaymen, wir lieben sie auch.

 

Willie: Ja, unbedingt. Wisst Ihr, es ist eine sehr subtile Sache (Anspielung des Bandnamens auf Waylon Jennings). Und wenn Du das kapierst, dann hast Du es wirklich kapiert. Und wenn Du es kapiert hast, dann seid Ihr die Art von Menschen, die wir bei unseren Shows dabeihaben wollen. Wenn Ihr wisst, dass ‚Waymore‘ Waylon Jennings‘ Spitzname ist, da stehen die Chancen sehr gut, dass wir Euch bei uns dabeihaben wollen. Weil Ihr genug über dieses Musik-Genre wisst, wenn Ihr sogar das wisst.  

 

Kira: Und jedes Mal, wenn ich Willie sage, dass ich den Bandnamen nicht mag, erinnert er mich daran, dass ich ihm aber zugestimmt habe.

 

Willie: Du dachtest, er wäre super, (bei uns) da draußen auf der Veranda…

 

Kira: Vorne auf der Veranda, auf unserer Hollywood-Schaukel.

 

 photo by: Velveteen Visions

 photo by: Chad Edwards:

 

rockfrank: Ihr seid seit 2013 als Country-Duo unterwegs und haltet mit Euren warmherzigen Kompositionen die traditionelle Fahne hoch, ohne großartige Zugeständnisse an die moderne Country-Musik zu machen. Wie wichtig ist es für Euch, in so schnelllebigen Zeiten wie diesen, sich zu „besinnen“ und den Fokus auf ruhigere, traditionelle Musik zu legen?

 

Kira: Wir hatten da noch nicht so richtig begonnen. Wir spielten ein bisschen in unserer Stadt. Das Touren haben wir erst um 2018 herum begonnen.

 

Willie: Ja, 2018. Wir spielten unsere erste Tour 2019, quer durch die Staaten.

 

Sandra B: …Und Euren Fokus auf die traditionelle Countrymusik betreffend…?

 

Willie: Das ist wichtig für uns. Weil das Zeug, das man im Radio hört…das ist keine Countrymusik. Wisst Ihr, wir sind ein Country-Act (vom Lande), und wenn wir Musik machen, dann kommt da Country raus. Das Zeug im Radio…ist wirklich traurig, dass es Country genannt wird. Eigentlich ist es Identitätsdiebstahl. Das sagte auch George Jones (Anm. George Glenn Jones, der 2013 verstorbene großartige Country-Barde) z.B. über Taylor Swift. Sie hat ja auch als ‚Country-Star‘ begonnen.  „Nennt doch diesen Mist nicht Country, das ist Identitätsdiebstahl“. Versteht Ihr, ich bin Country. Ich hasse es, wenn die Leute immer so tun „Oh ja Country!“ und denken, Du redest über Jelly Roll, oder was auch immer dieser Müll ist. Ich sag dann immer „Nein, nein, nein. Wir sind Country“. Wir sind Hank Williams, Waylon Jennings, Willie Nelson – Countrymusik. Kennt Ihr Dale Watson? Er macht tollen Underground-Country, er ist ein sehr traditioneller Typ.

 

Kira: Er kommt aus Texas. Also, geboren wurde er in Alabama.

 

Willie: Er ist in Birmingham (Alabama) geboren, lebte aber lange Zeit in L.A. Aber jetzt, den Großteil seiner Karriere, hat er in Austin, Texas verbracht. Es gab da einen ziemlich großen Ruck (in der Szene). Vor langer Zeit kamen all diese großen Country-Typen zusammen – dieser Versuch, Countrymusik auch in den Pop-Charts zu landen, ist so alt, so lange es die Charts schon gibt. Als es mit den Charts losging, gab es immer mehr Geld mit den Pop-Charts zu verdienen als mit den Country-Charts. Und so haben die Plattenproduzenten schon immer nach einem Countrysong gesucht, den sie in den Pop-Chart platzieren konnten, solange es die Charts schon gibt. Also kamen diese Typen zusammen und riefen die CMA (Country Music Association) ins Leben. Witzigerweise, um Countrymusik als authentisch zu bewahren und diesen ganzen Schlamassel da rauszuhalten. Und schaut Euch jetzt die CMAs an – es ist Müll. Wisst Ihr, die Vereinigung der Countrymusik (CMA), die haben es eigentlich angefangen, damals. Aber jetzt gibt es da diesen großen Ruck. So, wie mit Dale Watson. Sie nennen es Ameripolitan, es ist traditionelle Roots-Musik, es ist amerikanisch, nicht Americana. Eine Menge Leute benutzen den Begriff ‘Country’ überhaupt nicht mehr, um diese Musik zu beschreiben, weil er mittlerweile so verzerrt ist. Sie nennen es Ameripolitan. Ein wirklich wichtiger Begriff, der da umgeht, es gibt ein jährliches Festival, und es ist bedeutsam. Also, dass ist der (neue) Begriff; sie versuchen, das, was wir machen, umzubenennen, weil Countrymusik so befleckt ist. Wenn ich Leuten auf der Straße sage, dass wir Countrysänger sind, sagen sie „O.k. So wie Kane Brown“. Also, nein. Nein. Das sind wir nicht. Nur, weil etwas eine Steel-Gitarre hat, ist es noch keine Countrymusik. Nur, weil ich vielleicht einen Hammer und Nägel habe, macht mich das noch nicht zu einem Zimmermann.

 

rockfrank: Die Herangehensweise bei Euren Kompositionen ist sehr respektvoll und zeugt von einer gewissen Ehrfurcht in Bezug auf die tradierte Country-Musik. Welche inhaltlichen Aussagen trefft Ihr in euren Liedern? Was ich so rausgehört habe, sind es oft Alltagsthemen oder zwischenmenschliche Belange. Haltet Ihr Euch bewusst mit zum Beispiel politischen Inhalten oder Statements zurück, um dem Hörer vielleicht einen „Zufluchtsort“ zu bieten, wo er sich mit Eurer akustischen Musik für ein paar Stunden mental von dieser „kranken“ Welt abgrenzen kann und ganz in Euren Songs aufgeht?

 

Kira: Ja. Wir vermeiden politische Aussagen grundsätzlich. Die meisten unserer Songs, ich würde sagen, 98% unserer Songs, sind einfach lebensnah. Über Dinge, die wir durchlebt haben, Dinge, die wir durchgemacht haben. Wenn Du nämlich versuchst, über Sachen zu schreiben, die Du selbst nicht kennst, dann kommt es ziemlich künstlich rüber. Auf diese Art machst Du dann Pop-Country. Also schreiben wir über Dinge, die wir kennen. Und was das ganze politische Zeug angeht…Wir sind Countrysänger. Überhaupt haben die sozialen Medien eine Atmosphäre in der Welt kreiert, wo jeder glaubt, seine Meinung sei von Belang. Und die Wahrheit ist, ist sie aber schlicht nicht. Genauso, wie unsere Meinung über Politik nichts dazutut, hat nichts mit unserer Musik zu tun. Und ist zudem unsere eigene Angelegenheit, nicht die von anderen.

 

Willie: Da gibt es ein Interview mit Elvis Presley, das mir besonders aufgefallen ist. Das ist eine Sache, auf die wir die Leute immer hinweisen. In diesem Interview von 1975, hat ihn eine Dame über den Vietnamkrieg befragt. Und er sagte „Süße, ich bin nur ein Entertainer und sage lieber nichts dazu.“ Und ich dachte so – boom! Genauso ist es. Und wenn wir etwas zu sagen hätten, dann würden wir es mit einem Song sagen. Wir können es nicht ausstehen, wenn Du rausgehst, ein Konzert besuchst, und der Künstler, den Du eigentlich magst, fängt an, zwischen den Songs quasi zu kandidieren. Und dann fangen sie an, ihre politische Meinung mitzuteilen, weißt Du. Viele Leute da vor der Bühne sind dahin gekommen, um ein Konzert von einem Künstler zu sehen, den sie mögen, um genau all das zu vergessen. Um diese ganze politische Aufregung mal zu vergessen. Sie kamen dahin, um davor zu flüchten, weil sie Deine Musik lieben. Und nun stehst Du da, die eine Hälfte von ihnen beschämend, die andere womöglich nicht. Das ist widerlich, und so etwas machen wir einfach nicht. Wir wollen Freude bringen. Ist mir egal, was Du politisch denkst. Ich möchte, dass Dir unsere Songs dabei helfen, durch eine vielleicht schwere oder schlechte Zeit zu kommen.

 

photo by: Lindsay Garrett

 

rockfrank: Wie läuft generell der Schreibprozess bei Euch ab, wenn Ihr an neue Songs geht? Woher kommen Eure Inspirationen? Braucht Ihr vielleicht einen bestimmten Ort für eine Idee, eine bestimmte Atmosphäre, ein Aha-Erlebnis, oder fallen Euch Melodie und Text buchstäblich im Schlaf ein, so wie einst Keith Richards eines Morgens mit dem Riff von „Satisfaction“ in seinem Kopf aufgewacht ist? Wer ist überhaupt von Euch beiden für das Schreiben neuer Songs zuständig?

 

Willie: Das ist eine coole, eine gute Frage. Songschreiben kommt in den verschiedensten Formen vor. Ich habe diese Theorie, dass die Songs da irgendwo im Universum herumschweben, und Du bist die Antenne, und Du empfängst den Song. Und das Leben, das Du gelebt hast, die Schicksalsschläge, die Du durchlebt hast, das Leid, das Du erlebt hast und all die anderen Dinge haben Deine Antenne konditioniert, ausgeformt, um bestimmte Songs zu empfangen. Also, ich weiß, ich habe Songs geschrieben, die einfach aufgetaucht sind, und mein Kanal ist dann auf Empfang und ich merke „Oh mein Gott, da kommt gerade ein Song bei mir rein, jetzt gerade“. Und dann hören wir sofort auf, zu spielen oder was auch immer wir gerade tun.  

 

Kira: Wir müssen dann mit dem aufhören, mit dem wir gerade beschäftigt sind.

 

Willie: Bei ihr (Kira) ist es das gleiche. Sie hat da zum Beispiel was geschrieben, und dann haben wir Pläne abgesagt, wenn sie sagt „Ich hab‘ einen Song, da ist was auf meiner Frequenz, da kommt ein Song rein, den muss ich sofort runterladen“. Aber manchmal schreiben wir auch ein bisschen an einem Song und legen ihn dann für einen Weile auf Seite, um uns später weiter damit zu beschäftigen. Vielleicht das Signal ist für einen Moment unterbrochen und kommt später wieder rein. Ich schreibe schon eine ganze Weile, hatte viele Alben veröffentlicht, bevor Kira und ich uns begegneten. Und ich war da schon einige Jahre nicht mehr in der Lage gewesen, einen Song zu schreiben, habe einfach keinen empfangen. Also versuchte ich, mich dazu zu zwingen, einen Song zustande zu bringen, aus mir rauszupressen, aber das war dann total künstlich und ich glaubte es selbst nicht wirklich (was ich geschrieben hatte), und ich dachte, das ist Müll.                    Ich konnte noch nie mit jemandem zusammen Songs schreiben. Ich kannte Leute, als ich in Nashville gelebt habe, die sagten „Hey, lasst uns treffen und zusammen einen Song schreiben“. Erklär mir mal, wie funktioniert so was? Das ist so wie „Lasst uns treffen und zusammen ein Gemälde machen“, verstehst Du. Ich wusste einfach nicht, wie sowas geht, ich wusste nicht, wie Leute zusammen was schreiben können. Aber dann ging das mit Kira und mir los und es…(klappte). Das Erste, was wir zusammen geschrieben haben, da kam ich eines Tages nach Hause, und sie sagte “Ich habe da diese Strophen geschrieben, aber ich finde keinen Refrain dazu“. Sie wusste es nicht, aber ich hatte einen Refrain für einen Song geschrieben, ungefähr 15 Jahre vorher, hatte aber nie die Strophen dazu mit meiner Antenne empfangen. Alles, was sie empfangen hatte, war dieser Refrain. Und sie (Kira) kam rein und spielte diese Strophen, und ich meinte “Ich habe den anderen Teil zu dem Song. Ich hab’ ihn seit 15 Jahren.” Und ich spielte den Refrain, und er passte perfekt. Sie ist die einzige Person, mit der ich jemals in der Lage war, zusammen schreiben zu können. Sie ist die andere Hälfte von mir. Weißt Du, sie ist mein rechter Arm…Und oftmals trägt sie da einen Teil von einem Song mit sich herum, den Teil, den sie empfangen hat, und ich habe den anderen Teil empfangen. Meine Antenne wurde sozusagen repariert, als sie in mein Leben kam. Vorher war sie einfach kaputt. Da kamen keine Songs meines Weges entlang. Da war ich nun, ein Songschreiber, und hatte seit fünf oder sieben Jahren keinen guten Song mehr empfangen. Und dieses Gefühl von ‘Sinn’, wenn da ein Song durchkommt, Du ihn schreibst, das war weg. Eines der glücklichsten Dinge, die ich jemals gefühlt habe – weg. Und dann fingen wir zusammen an, und sie hat meine Antenne mit Klebeband wieder zusammengefügt.

 

Sandra B: Das ist ein riesiges Kompliment, Kira.

 

Kira: Ja, das ist es.

 

Willie: Vermutlich hat sie eine andere Sichtweise dazu.

 

Kira: Nein, das ist eines der größten Komplimente, die ich jemals in meinem Leben bekommen habe. Und Willie hat mir alles, was ich über Musik weiß, beigebracht. Zu wissen, dass er so fühlt, ist eine Ehre. Und überhaupt, es ist niemals so aufgeteilt, er schreibt dies und ich schreibe das. Damit hat er Recht. In diesem Moment, wo einer von uns sagt “Ich hab‘ einen Song, an dem ich gerade arbeite”, hört der andere sofort mit allem auf und wir konzentrieren uns darauf. Wir können uns nicht einfach hinsetzen und es erzwingen, so wie er schon sagte. Es kommt, wenn es kommt. Und manchmal ist es schlechtes Timing. Wir haben schon Sachen abgesagt, wir haben eine Menge Dinge unterbrochen; ein andermal ist es gerade passend und kommt zur richtigen Zeit.

 

Willie: Wisst Ihr, ich habe das schon oft erlebt. Du hörst, da hat einer einen Song, und Du kannst genau merken, da hat jemand diesen unglaublichen Refrain geschrieben oder diese unglaubliche Strophe, und dann kommt die zweite Hälfte des Songs und es wird irgendwie schwach. Du merkst genau, da hatte jemand einen tollen Refrain, hat dann aber die Strophen nur erzwungen, um den Song zu Ende zu schreiben. So kannst Du das nicht machen. Du musst den Song sich selbst vollenden lassen.

 

photo by: David Guest

 

rockfrank: Was ist eure Motivation, weiter zu machen, immer neue Songs zu schreiben?

Willie: Songs zu schreiben, das ist einfach etwas, das ich tun muss. Sie passieren einfach. Wir empfangen sie, wie ich schon sagte, und ich kann nicht…das Schreiben forcieren. Sie kommen einfach, wenn sie kommen.

 

Kira: Genau. Es ist auch nicht so, dass wir uns aktiv dazu motivieren müssen, weil es wie Atmen für uns ist. Wir könnten ohne Musik nicht überleben, ohne das Schreiben, ohne Songs zu schreiben.

 

Willie: Ja, sehr gut gesagt!

 

rockfrank: Willie, das Zusammenspiel Deiner Bariton-Stimme mit Kiras einfühlsamem Timbre ergibt ein hohes Maß an künstlerischer Vielseitigkeit, welche sich in Eurer Arbeit eindrucksvoll niederschlägt. Welche Reaktionen auf Eure Musik und Alben habt Ihr in der Öffentlichkeit, vielleicht auch in Europa, in den letzten Jahren bisher erfahren dürfen?

 

Kira: Zeitweise sind wir richtiggehend schockiert über die Reaktionen auf unsere Musik. Weil, eigentlich machen wir ja die Musik oft genug nur für uns selbst. Wenn dann andere es dann so sehr genießen, das bedeutet alles für uns. Und wir haben jede Menge wirklich guter Reaktionen bekommen, auch von den Verkaufsstellen in Amerika, Europa und Großbritannien.

 

Willie: Ja, und ich denke, unsere Stimmen passen wirklich gut zusammen. Der Bariton und Kiras wunderschönes Timbre. Ich glaube, sie ergänzen sich sehr gut. Wir singen ja nicht so viele Harmonien zusammen, und die Oktaven, die tiefen und die hohen, die passen gut zusammen und geben dem Ganzen einen wirklich reinen, aufrichtigen Sound.

 

rockfrank: Ihr seid in der Gepflogenheit eines Paar-Duos unterwegs, jene Tradition hat eine lange Geschichte. Die Bekanntesten dieser Art waren ohne Zweifel June Carter & Johnny Cash. Seht Ihr Euch gerne in einer solchen Tradition oder mögt Ihr einen solchen Vergleich eher nicht, weil Ihr selbstredend ein eigenständiges Musik-Duo darstellt, das, meiner Meinung nach, unheimlich viel Authentizität und Unverfälschtheit ausstrahlt?

 

Kira: Wenn uns Leute mit den traditionellen Country-Paar-Duos vergleichen, bedeutet das, das sie unserer Musik genau zugehört haben.  Und von jedem, der sich unsere Musik anhört, bin ich ein Fan. Ich bin einfach glücklich, dass Menschen zuhören und es genießen. Und ganz offensichtlich bedeuten uns jene Country-Paare jede Menge, diese Duos bedeuten die Welt für uns. Das ist die Art von Musik, die wir lieben, und auf die wir unser Leben aufgebaut haben. Wir haben unser gesamtes Sein um diese Duos herum gebaut. Und dann mit ihnen verglichen zu werden, das ist schon eine Ehre. Ich glaube nicht, dass wir das bewusst so geplant haben, wir haben da einfach so hineingefunden.

 

Willie: Ich wollte einfach nur Musik mit Dir machen…

 

Kira: Ich glaube, keiner von uns beiden war jemals besser alleine, als wir es zusammen sind.  

 

Willie: Ja, das stimmt. Und das hat etwas wunderbares an sich, weißt Du, einer der Schlüssel zum Leben; der Schlüssel zum Glück – so flüchtig dies im Leben auch sein mag – ist: Finde jemanden, mit dem Du zusammen singen kannst. Das hat einfach etwas fast Magisches, spirituelles an sich. Und wir haben das auch mit der ganzen Band; aber meistens, wenn es nur wir beide sind, die Gitarren und wir. Es erwärmt einfach mein Herz. Wisst Ihr, eines der Dinge, die ich an Countrymusik so liebe, ist diese Tradition der singenden Paar-Duos. So was kriegst Du nicht im Rock ‘n‘ Roll; wenn, dann sowas wie ABBA oder The Mamas And The Papas; Ihr wisst, was ich meine, und das ist alles irgendwie seltsam. Ich liebe es, dass Countrymusik das Herz auf der Zunge trägt, so wie bei George (Jones) und Tammy (Wynette). Die Menschen als Kollektiv waren glücklich, wenn sie (George & Tammy) glücklich waren. Und sie waren am Boden zerstört, als sie sich trennten. Es gibt da eine Menge vergleichbare Country-Hoheiten, wie zum Beispiel Johnny (Cash) und June (Carter), und das ist eben deren Geschichte. Und unsere Geschichte ist dem ein bisschen ähnlich. Die Tatsache, dass wir nun hier sind. Wisst Ihr, als Kira und ich uns kennenlernten – wir haben erst kürzlich geheiratet, waren aber schon fünfzehn Jahre zusammen, bevor wir heirateten – da hatten wir auch Probleme; es war nicht immer rosig, es war nicht gesund. Ich wollte keine Freundin haben, und sie war fest entschlossen und überzeugt, dass ich ihr gehörte. Wir haben also eine Geschichte. Es war nicht so, dass wir aufeinandertrafen und gleich begannen, zusammen Musik zu machen. Wir hatten (eigene) Karrieren; wir haben zehn Jahre lang keine Musik zusammen gemacht. So lange hat es gedauert; es hat solange gedauert, bis das Universum uns dazu brachte, zusammen Musik zu machen. Und ich weiß, das ist es, zu dem wir bestimmt sind. Und ich bin stolz, dass man uns mit den ganzen (den Paar-Duos) vergleicht, ich liebe es. Es ist nicht möglich, dass wir so gut sind wie Johnny Cash und June Carter oder George und Tammy; aber ich liebe die Idee, das Leute glauben, wir wären es.  

 

Kira: (scherzhaft) Über wen redest Du da?

 

Schallendes Gelächter am Tisch

 

Willie: Du schläfst heute Nacht alleine…was vermutlich sogar so sein wird, da wir zwei Einzelbetten im Zimmer haben.

 

Dies stellte sich dann auch tatsächlich so heraus, da es ein kleines Versehen beim Buchen des Zimmers in der nahegelegenen Unterkunft gegeben hat (“Doppelzimmer in Deutschland bedeutet meist nicht, dass es ein großes Bett für zwei gibt, sondern meist zwei separate Einzelbetten)

 

 photo by: Velveteen Visions

 

rockfrank: Kira, Du hast in der Vergangenheit leider mit Stimmproblemen zu kämpfen gehabt, bist zwei- oder dreimal diesbezüglich operiert worden; wie hast Du diese Zeit erlebt? Es muss unheimlich schwer für einen Künstler sein, wenn man seinen Beruf, seine Berufung nicht leben kann bzw. durch ein medizinisches Ereignis eingeschränkt ist.

 

Kira: Das war eine sehr harte Zeit. Im Vorfeld der Operationen war es sogar schlimmer als jeweils nach den OPs, weil wir bis dahin meine Stimme jede Nacht ausgereizt hatten, und das war sehr schmerzhaft. Es ist einfach eine sehr schreckliche Situation, in der man sich da wiederfindet, wenn Du erlebst, dass das eine, für das Du im Leben bestimmt bist, Dir weggenommen wird. Und es ist genauso schrecklich, wenn Du Dich so fühlst, als würde Dich Dein Körper betrügen, weil Du die Dinge, die Du machen solltest, nicht machen kannst. Als ich dann die erste OP hatte, gab es mir Hoffnung. Ich musste still sein, also wirklich stumm, drei Monate lang nach der ersten OP.

 

Willie: Und das war fantastisch…

 

Kira: Offensichtlich hat Willie es geliebt…Aber mal ehrlich, es war dann schon richtig seltsam für uns beide, weil…

 

Glücklicherweise lachen beide 

 

Willie: …Weil man immer denkt, sie ist die ganze Zeit sauer, weil sie nichts sagt…

 

Kira: Genau, so in etwa: “Warum redest Du nicht mit mir?” “Also, weil ich nicht kann” (mit flüsternder, heiserer Stimme). Wir haben dann ein paar verschiedene Zeichen aus der Zeichensprache gelernt…und uns dazu noch ein paar ausgedacht.

 

Willie: Und anstatt ihre Stimme zu benutzen, hat sie dann einfach eine Übersetzungs-APP benutzt und einfach getippt, so wie z. B. „Ich bin nicht glücklich“.

 

Kira: Aber dann, als klar war, dass ich es nochmal tun musste (die OP), zum zweiten Mal dann, da war ich schon eher vorbereitet. Aber es hat natürlich trotzdem genervt. Es hat mir das Herz gebrochen. Es bricht mir Herz jedes Mal…Ich habe immer noch stimmliche Probleme. Wir planen jetzt aber bewusst mehr Pausen für mich ein; machen zum Beispiel vier oder fünf Konzerte, haben dann ein paar Tage frei, ganz bewusst. Schaut mal, wir haben 200 Tage im Jahr gearbeitet, dazu dann immer das Reden nach den Shows, und zwischen den Shows. Und ich kann reden!

 

Willie: Dem kann ich nur zustimmen…

 

Kira: Es war einfach zu viel für mich. Meinen Lebensstil, der mir alles bedeutet und mit dem ich mich wohl fühle, anpassen zu müssen, war wirklich sehr, sehr schwer für mich. Meine dritte OP musste sein, weil ich nach der zweiten viel zu früh wieder angefangen habe zu arbeiten. Und somit zunichtemachte, was gerade repariert worden war; also zum dritten Mal das Ganze. Und jetzt ist da nichts mehr, was sie wegschneiden könnten. Es gibt also keine Optionen mehr für mich. Und deshalb nehmen wir meine stimmliche Gesundheit sehr viel ernster als wir es vorher taten.  

 

Willie: Genau, aber wir sind ja auch nicht aus Trotz oder so zu früh wieder an die Arbeit gegangen. Das erste Mal, als sie die OP hatte, sagte uns der Arzt, dass wir eine gewisse Auszeit nehmen müssen. Und das haben wir getan. Drei Monate lang. Und als sie wieder die OP hatte, sagte der Arzt nichts bezüglich eines Zeitrahmens, und wir haben uns nach dem gleichen Zeitplan gerichtet. Und dann sagte der Arzt “Du hättest sechs Monate Auszeit nehmen müssen“. Und wir so “Okay, das wurde uns aber nicht gesagt”. Er darauf “Ihr habt alles, was wir repariert haben, wieder rückgängig gemacht”, und wir „Wir wussten das nicht, Sie haben uns das nicht gesagt“.

 

Kira: Wir machen jetzt auch andere Dinge, um so was wie OPs weit weg aus meinen Gedanken zu halten. Ich bekomme Botox in meine Stimmbänder; das mache ich drei- oder viermal im Jahr, und es hält immer einige Monate. Und wenn es mal sehr schlimm wird, gehen sie von oben durch meine Nase nach unten und injizieren Steroide in meine Stimmbänder. Nichts von dem ist wirklich spaßig, also versuchen wir, das Ganze wirklich auf Tour sehr ernst zu nehmen, mir die freien Tage, die ich brauche, zuzugestehen, ebenso die ‚stummen‘ Tage.

 

Willie: Die haben mal eine Injektion mit Botox bei ihr gemacht, die ging furchtbar schief.

 

Zu diesem Zeitpunkt sind wir zwei Minuten vom Einlass vor der Show entfernt. Das Interview dauert deutlich länger, als ursprünglich geplant. Beide stimmen darin überein, dass sie zu viel reden, was für rockfrank.com natürlich völlig in Ordnung ist. 

Also geht es weiter….

 

 

rockfrank: Willie, Du bist einen einem Polizeiauto zur Welt gekommen, und hast in jungen Jahren mal eine Punkrock-Band gegründet. War Dir die Rebellion also schon wortwörtlich in die Wiege gelegt worden? Bzw., wie bist Du letztendlich in ruhigere Fahrwasser gelangt, in denen Du Dich seit vielen Jahren nun musikalisch bewegst?

 

Willie: Also, diese Geschichte mit dem Polizeiauto…Ihr müsst wissen, ich habe niemals irgendetwas darüber dokumentiert gesehen. Es ist die Familien-Legende. Mein Großvater und mein Vater erzählen es so. Wir (bzw. meine Eltern) lebten ziemlich weit draußen, im sehr ländlichen Georgia im Jahre 1971. Und da gab es einen heftigen Eisregen, und bei meiner Mama begannen die Wehen, und mein Papa fuhr und schlitterte über eine vereiste Stelle auf der Straße, und ein Polizist kam just vorbei. Meine Mutter bekam immer stärkere Wehen, und mein Papa fuhr den Polizeiwagen, während der Polizist hinten bei meiner Mutter saß, bis sie zum Krankenhaus kamen. Mein Vater sagt, ich kam im Polizeiauto zur Welt. Da war kein Arzt, nur Krankenschwestern kamen aus dem Krankenhaus gelaufen…

 

Kira: Und er (Willie’s Vater) war später richtig wütend, weil er eine Rechnung vom Arzt erhielt, und sagte „Hey, Du warst ja noch nicht mal da!“

 

Willie: Genau, ihm wurde ein Arzt in Rechnung gestellt, und dabei war überhaupt kein Arzt anwesend, nur die Krankenschwestern. Aber das ist die Geschichte, die mir mein Opa immer erzählt hat, die mir mein Vater erzählt und sogar meine Tante. Jedermann sagt, so war das tatsächlich. Wisst Ihr, meine Mutter war eine kaputte Frau, und mein Vater ein sehr junger Mann, als ich geboren wurde. Mein Vater war siebzehn, achtzehn, und meine Mutter war in Ihren Zwanzigern, fünfundzwanzig. Also so eine bisschen die umgekehrte Jerry Lee Lewis Geschichte (Anm. Jerry Lee Lewis war 22, als er seine 13-jähige Cousine heiratete). Ich bin in vielen Kinderheimen aufgewachsen, mein Papa war jung und meine Mutter mental ein bisschen angeschlagen. Ich war ziemlich lange Zeit sehr wütend, wisst Ihr. Junge Kerle sind generell wütend, denke ich. Also spielte ich in Punkbands, aber hauptsächlich auch, weil ich nichts anderes spielen konnte. Ich wusste nichts von Musiktheorie oder so. Ich wusste, wie man Gitarre spielt, hab aber tatsächlich damals Bass gespielt. Ich wusste nicht wirklich wie man Zeug wie “The Misfits” covert. Ich mochte das Zeug, also spielten ich das Zeug. Aber stimmt schon, da kam jede Menge Wut aus mir heraus.  Das ist eines der Dinge, die ich an dieser Art Musik liebe; dass es die Wut herausholt. Sogar Countrymusik, damit kannst Du auch die Wut rauslassen. Meine ursprüngliche Solokarriere war ziemlich schnell (musikalisch). Aber jetzt bin ich nicht mehr dieser wütende, junge Mann.

 

Kira: Weil Du jetzt mich hast?

 

Willie: Also, ich bin kein junger, wütender Mann mehr. Jetzt bin ich ein alter, wütender Mann. Letztendlich wirst Du zu alt dafür, da hoch zu gehen (auf die Bühne) und diese schnelle, wütende Musik zu spielen.

 

Und zufällig gerade jetzt (es ist schon lange Einlass…) kommt Willies erstes Album, betitelt “Willie Heath Neal”, wie von Zauberhand aus der Tasche eines der Interviewer zum Vorschein. Eine lebhafte Diskussion entbrennt ob dieses musikalischen Meilensteins, begleitet von ein wenig Verlegenheit von Willies Seite (“Das sind großartige Songs, aber das ist ein furchtbares Album, ich konnte noch nicht wirklich singen. Da drauf bin ich ein Baby“). Willie entsinnt sich seines ehemaligen Plans, irgendwann einmal das Album neu einspielen zu wollen.   

 

Willie: Ich habe Countrymusik immer gemocht, habe sie immer geliebt. I wollte Country spielen, aber ich wusste nicht, wie man richtig singt, bekam nur diese Punk-Stimme hin, also so ungefähr.

 

 

rockfrank: Auch wenn die amerikanische Country-Musik in den letzten Jahren sehr präsent in Europa geworden ist, ist sie, gerade in Deutschland, leider immer noch ein „Nischen-Produkt“. Erhofft Ihr Euch durch die Tour auch, ihre Popularität ein Stück weit mehr über den „großen Teich“ zu bringen?

 

Willie: Ja.

 

Kira: Wir hoffen immer, dass unsere Konzerte mehr Menschen dazu bewegen, dieses Genre zu genießen und ihnen das Genre nahezubringen. Ja, natürlich hoffen wir, dass wir ein Teil von etwas Größerem sind als nur wir selbst.

 

Willie: Also, wir hoffen, wir regen Menschen dazu an, die Underground-Countrymusik entdecken und erleben zu wollen.

 

Kira: Absolut!

 

rockfrank: Kennt ihr irgendwelche deutschen Country-Künstler? Die Gruppe Truck Stop ist z.B. der bekannteste deutschsprachige Vertreter des Genres.

 

Kira: Wir kennen nicht viele deutsche Bands. Wir haben von Truck Stop gehört. Aber die waren uns auch kein Begriff, bis Du sie erwähnt hast. Wir kennen keine Countrybands aus Deutschland, nicht wirklich. Wir sind ja auch ein kleines bisschen anders als Truck Stop.

 

Eine CD-Box von Truck Stop kommt aus einer weiteren Tasche zum Vorschein, ein Geschenk für die Waymores. Sie versprechen, sie sich im Van auf der weiteren Tour anzuhören. Das ist ein Versprechen, wo wir mal nachhalten müssen…Zumal sie begeistert davon zu sein scheinen, dass alles auf Deutsch ist, praktisch, so zum Üben.

 

Kira: (in Bezug auf Countrymusik als ewiges Nischenelement in Deutschland) Wir haben immer sehr guten Zuspruch und Zulauf, wenn wir auf Tour sind. Da kommen viele Leute. Die Deutschen scheinen Countrymusik zu wollen...

 

Willie: Ja. Und etwas, das ich gelernt habe, ist, wie sehr sie den traditionellen Country lieben, den alten Country. Und noch etwas bekommst Du zu hören. Auf meinen früheren Touren hier, da habe ich ein paar gute Countrybands gesehen, keine Ahnung mehr, wer das alles war. Die Art, wie sie das sehen (die Musik) geht so: „Wir kommen aus dem Süden der USA, also spielen wir authentische Countrymusik“ – in ihren Augen, Ihr versteht, was ich meine? Sogar in den Staaten triffst Du diese Typen aus New York, die nach Nashville ziehen, mit ihrem gefälschten Südstatten-Akzent über Traktoren singen, und die Leute meinen „Oh, das ist Country“. Nun, nein, ist es nicht.

 

rockfrank: Zum Schluss eine persönliche Frage: Angenommen, Ihr wolltet jemandem ein Mix-Tape schenken. Welche Songs würdet Ihr drauf packen, welche Musik hören Kira und Willie gerne privat?

 

Die bloße Gegenwart der Truck Stop CD-Box scheint plötzlich die Deutschkenntnisse der Waymores (insbesondere von Kira) verbessert zu haben, da sie direkt den Inhalt der zunächst auf Deutsch gestellten Frage zu wissen scheint, noch bevor die Übersetzung erfolgt ist.

 

Willie: Da würde eine Menge Townes Van Zandt drauf sein.

 

Kira: Red Headed Stranger” von Willie Nelson.

 

Willie: Das ist eines unserer Lieblingsalben. Als wir uns kennengelernt haben, kam Kira zu mir rüber ins Haus, und sonntags morgens lagen wir auf der Couch und hörten uns „Red Headed Stranger“ an. Und dann spielten wir „Honky Tonk Heroes” ab.

 

Kira: Also ja, definitive Van Zandt, Willie Nelson, definitiv Waylon Jennings. Und ein paar von den neueren Sachen, die wir lieben, wie Sierra Ferrell, Dayle Watson.

 

Willie: Da ist jede Menge guter Country da draußen. Du musst nur im Underground danach suchen. Da ist soooo viel gute Countrymusik da draußen, die keine Beachtung findet, eine wirklich große Menge. Nimm Wild Earp zum Beispiel. Wir könnten jetzt direkt eine Liste schreiben und Euch vermutlich fünfundzwanzig (Namen) von denen geben.

 

In Erwartung ebendieser Liste in naher Zukunft, sagt rockfrank.com: Danke für das interessante und aufschlussreiche Interview. Ich wünsche euch alles Gute!

 

Und so werden wir zurückgelassen, für immer uns fragend, was denn nun dieser alternative Bandname gewesen wäre, den die Waymores nicht verraten wollten…