photo by: Marcel Brell
Der ehemalige Smokie-Frontmann Chris Norman stand rockfrank.com exklusiv für ein E-Mail-Interview Rede und Antwort und sprach über seine Karriere und seine Musik.
rockfrank: Chris, Du blickst auf eine lange und bewegte Karriere zurück: Dein Durchbruch mit Smokie 1975, eine erfolgreiche Solokarriere und zahlreiche Kollaborationen mit internationalen Künstlern – allen voran sicherlich Suzi Quatro. Hinzu kommen Deine Mitwirkungen an Alben anderer Künstler wie z.B. Tony Carey oder Agnetha Fältskog. Wenn Du heute auf all diese Stationen zurückblickst: Gibt es einen Song, ein Album oder eine Zusammenarbeit, die für Dich persönlich bis heute herausragt und bei der Du sagst: Das war etwas ganz Besonderes?
Chris Norman: Ich habe mit vielen Menschen zusammengearbeitet, darunter Cynthia Lennon, Donovan und anderen. Ich glaube, meine liebste Zusammenarbeit war die Arbeit an Agnethas Album „Wrap Your Arms Around Me“.
rockfrank: Wenn Du auf Deine bisherigen Begegnungen mit deutschen Künstlern wie Dieter Bohlen oder Christian Geller zurückblickst und diese einmal außen vor lässt: Welcher Musiker hat Dich aus rein musikalischer Sicht besonders beeindruckt – und warum?
Chris Norman: Ich denke, wahrscheinlich jemand wie Trevor Horn oder Russ Ballard und Bev Bevan von ELO. Aber auch der Gitarrist in meiner Band, Geoff Carline, und Pete Spencer, der Schlagzeuger von Smokie, mit dem ich viele Jahre lang Songs geschrieben habe. Außerdem Mike Chapman, der damals unser Produzent war. Das sind alles sehr talentierte Menschen, die mich deshalb beeindrucken.
rockfrank: Zoe Klein hat vor Kurzem eine Biografie über Dich veröffentlicht, Smokie und danach“. Hattest Du im Vorfeld Kontakt zu ihr oder warst Du in irgendeiner Form an der Entstehung des Buches beteiligt?
Chris Norman: Eigentlich ist das das erste Mal, dass ich überhaupt davon höre. Also nein, ich war nicht daran beteiligt, hatte keinen Kontakt zu ihr und habe es auch nie gelesen.
rockfrank: Elvis Presley, Buddy Holly, die Rolling Stones und die Beatles haben Dich musikalisch inspiriert. Glaubst Du, dass es auch in Zeiten von Computersamples und Künstlicher Intelligenz noch Künstler und Bands gibt, die ihre Songs wirklich leben, ihnen eine eigene Seele verleihen und das musikalische Handwerk von Grund auf beherrschen?
Chris Norman: Ich denke, die Künstler, die du erwähnt hast, waren für diese Zeit etwas ganz Besonderes. Meiner Meinung nach bezweifle ich, dass man so etwas jemals wieder erleben wird. Es mag durchaus auch heute Künstler geben, die ihre Songs wirklich leben. Aber ich weiß nicht, wer das sein könnte.
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rockfrank: Du hast in einem Interview mal geäußert, dass Du gerne alte Schwarz-Weiß-Filme schaust. Sie erzählen oft mit einfachen Mitteln große Geschichten und leben stark von Atmosphäre und Emotionen. Ist das etwas, das Dich auch beim Schreiben und Singen von Songs inspiriert?
Chris Norman: Ja, ich liebe es, alte Filme anzuschauen. Ich denke, dass das Schreiben von Songs für mich vielleicht tatsächlich von Atmosphäre und Emotionen abhängt. Ich weiß nicht, ob ich durch diese Filme inspiriert werde oder nicht. Wahrscheinlicher ist, dass mich die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, inspiriert hat.
rockfrank: Im Song „Crazy”, aus Deinem aktuellen Album „Junction 55“, geht es, soweit ich es verstanden habe, um die wirtschaftliche Schieflage in der Welt, Arbeitslosigkeit, Staatsschulden oder Migration. Auch auf „Handmade“, Deinem Album aus 2003, hast Du Dich in Teilen kritisch über Sensationsjournalismus, Oberflächlichkeit und den Verlust von Werten beklagt. Was denkst Du, hat Musik heute noch die Macht Aufmerksam zu machen und im Besten Fall sogar etwas zu verändern?
Chris Norman: Für mich besteht die wichtigste Funktion von Musik darin, Menschen zu unterhalten und sie für eine Weile aus ihrem Alltag herauszuholen. Musik kann natürlich, ebenso wie Filme, ein Mittel sein, um auf viele beunruhigende Probleme aufmerksam zu machen, die heute in der Welt passieren.
rockfrank: Was verbindet Dich heute noch mit Deiner Heimat Redcar, in der Grafschaft North Yorkshire?
Chris Norman: Nun, ich bin dort geboren und habe meine Großeltern dort viele Jahre lang besucht, aber ich war schon sehr lange nicht mehr in Redcar. Yorkshire, insbesondere North Yorkshire, besuche ich allerdings sehr, sehr oft, weil es einer meiner Lieblingsorte auf der Welt ist.
rockfrank: Neben vielen anderen Auszeichnungen hast Du 2006 einen Stern auf dem „Wiener Walk of Stars“ bekommen, das österreichische Pendant zum „Walk of Fame“ in Hollywood. Wie sehr ehren Dich solche musikalischen Preise und sind sie Ansporn für Dich zum Weitermachen?
Chris Norman: Es ist immer schön, für die Arbeit, die ich mache, Anerkennung oder eine Auszeichnung zu bekommen. Aber letztendlich sind Ruhm, Auszeichnungen und dergleichen zwar sehr schön, doch auf lange Sicht sind sie nicht von Dauer. Sie motivieren mich nicht wirklich, weiterzumachen – es sind die Musik und die Auftritte, die mich dazu bringen.
rockfrank: Ich habe es eben schon mal angedeutet, aber das Thema macht mir echt Sorgen: Kann es 2026 überhaupt noch eine Band wie Smokie geben – mit gestandenen Musikern, echten Instrumenten, Authentizität und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung? Oder gerät das Handgemachte durch KI und Co. zunehmend ins Hintertreffen?
Chris Norman: Ich denke, es gibt auch heute Gruppen und Künstler, die aus Musikern bestehen, die Instrumente spielen – so wie wir es damals bei Smokie gemacht haben. Aber mit KI und ähnlichen Technologien ist es heute jederzeit möglich, Menschen, Musiker und Sänger zu umgehen und mithilfe der Technik Platten zu produzieren. Für mich hat das nicht dieselbe Wirkung, denn es gibt wirklich nichts Vergleichbares zu dem Nervenkitzel, gute Musik zu hören, die live von großartigen Musikern gespielt oder live aufgenommen wurde.
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Vielen Dank, lieber Chris, für deine Zeit und die interessanten Einblicke. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Bühne, großartige Konzerte und natürlich alles Gute für die Zukunft!
rockfrank