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rockfrank.com traf die Frontfrau der AC/DC-Tribute Band, She`s got balls, Iris Boanta,
zu einem kurzen Gespräch über ihre Band und und die Musikszene.
rockfrank: Iris, Deine Wurzeln liegen in Rumänien, die Lindenstraße half Dir beim Deutschlernen. Mit welcher Musik kamst Du als Kind als erstes in Berührung? Welche Platten liefen im elterlichen Wohnzimmer?
Iris Boanta: Abba. Eindeutig Abba.
rockfrank: Welcher Song war für Dich später der Ausschlag, musikalisch den Weg zu AC/DC zu finden und dem Wunsch nach einer eigenen Band?
Iris Boanta: Zu AC/DC bin ich wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Ich war damals bei einem Casting. Ich hatte gerade keine Band und in Hamm, wo das Casting stattfand, suchte man eine Sängerin für eine AC/DC Band. Das wurde dann unsere Vorläuferband. Ich musste mir erst mal ein paar Scheiben von der Band kaufen. Ich mochte AC/DC natürlich, aber sie waren nicht meine erste Liebe. Ich bin eher mit Journey und Survivor, also etwas weicherem aufgewachsen. Aber dann kam ich durch die Mädels zu AC/DC.
rockfrank: 2013 wurdest Du als ‚Beste Metalsängerin‘ ausgezeichnet. Wie viel Doro Pesch steckt in Deiner eigenen Messlatte?
Iris Boanta: Null. Ich kenne Doro Pesch persönlich und finde sie wirklich süß. Sie ist sogar noch ein Stück kleiner als ich, und das heißt schon was. Aber ich habe ihre Musik nicht so sehr verinnerlicht. Die Musik ist natürlich gut, aber sie ist nicht mein Favorit.
rockfrank: Aber Du misst Dich nicht stimmlich mit ihr?
Iris Boanta: Ich bin stimmlich weit weg von ihr, finde ich. Ich lasse mich auch ungern mit ihr vergleichen, weil ich mich nicht so für ihre Musik interessiere. Bei AC/DC ist das was anderes, da bin ich über die Jahre reingewachsen. Wenn dann jemand nach einem Konzert sagt „Der Song kann wirklich gegen Brian Johnson bestehen“ dann empfinde das als Kompliment.
rockfrank: Wie viel AC/DC steckt in euch – und wie viel She’s Got Balls?
Iris Boanta: Für eine Tribute Band würde ich sagen: Verdammt viel AC/DC, weil wir es alle sehr mögen. Der Unterschied bei einer weiblichen AC/DC Band ist: Wir sehen Gott sei Dank nicht aus wie AC/DC. Viele Kollegen, die ich kenne und auch schätze, versuchen auch optisch, AC/DC auf der Bühne darzustellen. Ich fände es nicht gut, wenn Cathleen (Catman) (lead guitar) plötzlich mit einem Rucksack auf die Bühne käme oder mit einer Krawatte. Wir kleiden uns wie She`s got balls, spielen aber wie AC/DC. Allerdings mit Absicht nicht 1:1. Den Sound machen wir etwas moderner. Wir haben alle viel Erfahrung mit anderen Bands, Anja (Assmuth) (drums) hat zum Beispiel mit Doro gespielt und Cathleen ist eine Metal-Gitarristin. Durch all das verleihen wir AC/DC einen metalmäßigeren Sound. Und Conny (Marschall) (bass) ist wirklich die Einzige von uns die 90 – 99 % AC/DC ist. Sie spielt seit 25 Jahre AC/DC am Bass. Wir verpacken die Sache also optisch und soundmäßig ein wenig frischer. Ansonsten würden wir wie alle anderen klingen. Aber es kann nur ein Original geben.
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rockfrank: Wenn eure Band einen Beipackzettel hätte – welche (positiven) Nebenwirkungen wären garantiert?
Iris Boanta: Bei Auftritten wo man uns nicht kennt, sind die Leute erst mal zurückhaltend. Frauen und AC/DC, Vorsicht, so mein Eindruck. Doch dann tauen sie auf, und wenn wir nochmal kommen, stehen sie dann wieder da. Wir spielen zum Beispiel seit unseren Gründungstagen in einem Club im Südschwarzwald. Diese Gigs sind immer ausverkauft. Die Leute kaufen sich Karten, wohlwissend dass She`s got balls live spielt, sonst nichts. Und in dem Moment weißt du, das ist eine Fanbasis. Die kommen nur wegen uns. Neulich haben wir vor 500 Menschen in Erfurt gespielt. Ich würde behaupten, 80 Prozent der Leute kamen im AC/DC T-Shirt. Dann gehst du auf die Bühne und dein Herz wird weich. Und die Leute brennen vom ersten Song an, deswegen sind sie ja gekommen.
rockfrank: Gab es schon mal einen persönlichen Kontakt zu einem der Jungs von AC/DC?
Iris Boanta: Leider nicht.
rockfrank: Wenn du Bon Scott für einen Abend zurückholen könntet, welchen Song würdest Du ihm vorspielen?
Iris Boanta: Von seinen eigenen Songs würde ich ihm auf jeden Fall „Sin city“ vorspielen.
rockfrank: Nicht „She`s got balls”?
Iris Boanta: Den Titel hatten wir tatsächlich mal im Programm. Der Song ist ja unser Namensgeber. Aber wir haben ein Repertoire, das doppelt so lang ist wie das, was wir hier heute spielen. Und alle Songs können wir einfach nicht bringen, sonst würden wir vier Stunden pro Abend spielen. Aber „Sin city“ ist einer meiner persönlichen Favoriten, einer von vielen.
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rockfrank: Welchen Teil Deiner Bühnenpersönlichkeit würdest Du niemals mit nach Hause nehmen?
Iris Boanta: Ich sag mal so: Mein Mann sagt, ich hätte eine große Klappe auf der Bühne (lacht). Vermutlich hat er recht. Ich mache es meistens abhängig vom Publikum. Wenn das Publikum Entertainment will und darauf anspringt, dann mache ich das. Wenn wir irgendwo in einem heimischen, ausverkauften Club spielen, dann weiß ich die Leute sind da, weil wir da sind. Und dann erlaube ich mir auch viel zu reden, weil ich weiß, die Leute finden das gut und sie lachen dabei. Wenn ich merke das Publikum ist vorsichtig, dann fahre ich das runter. Ich muss nicht immer wild zwischen den Songs reden. Ich bin da sehr spontan Also ich versuche, die „große Klappe“, nicht mit nach Hause zu nehmen.
rockfrank: Hier in Solingen ist morgen Schallplattenbörse - nach welchen alten Scheiben würdest Du Ausschau halten?
Iris Boanta: Also meine Anfänge bewegten sich in der sogenannten Hair-&-Sleaze Metal- Ecke. In meiner Jugend hörte ich Sachen zwischen Mötley Crüe, Def Leppard und diese ganzen 80s- Metalbands. Das war so meine Welt. Und nach denen würde ich schauen.
rockfrank: Was macht die Reise für euch nach all den Jahren noch spannend?
Iris Boanta: Wir haben Spaß daran. Und solange wir Spaß daran haben, machen wir das weiter. Wenn wir mal durch z.B. die Urlaubszeit zwei Monate ohne Show sind, dann denken wir gleich: Nein, so lange, wann sehen wir uns wieder? Das ist eben Familie. Und das macht es cool. Man freut sich aufeinander und man freut sich wieder auf die Show.
rockfrank: Braucht Rock’n’Roll 2026 überhaupt noch Sex, Drugs & Rock’n’Roll – oder geht Authentizität heutzutage auch anders?
Iris Boanta: Nein. Die Mehrheit der Leute wird einfach älter. Ich mache es daran fest, dass gerade in den Clubs, wo wir standardmäßig spielen, drei Generationen im Publikum zu sehen sind. Aber die Mehrheit, die zu unseren Konzerten kommt, ist deutlich über 50 oder 60 Jahre alt. Das sind die Leute die mit AC/DC groß geworden sind. Und die brauchen kein Sex, Drugs & Rock´n´Roll. Das sind erwachsene Menschen. Die ziehen sich ihr AC/DC T-Shirt an, genießen die Show und gehen total ab. Die brauchen einfach nur Entertainment, die wollen mal vom Alltagsstress loslassen und einfach nur Party machen.